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Generationswechsel: Wie Praxisinhaber wertvolles Fachwissen im Team erhalten

von Judith Meister

Frau mit Rentenbescheid in der Hand
Foto: insta_photos - stock.adobe.com

Die Babyboomer gehen in Rente – und nehmen Kenntnisse mit, die sie über Jahrzehnte hinweg erworben haben. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein ernstes Problem. Wie Ärztinnen und Ärzte gegensteuern.

Seit der Praxisgründung im Jahr 1975 hat Margot Korschulte eine Menge erlebt: Gerade ausgelernt fand sie hier, in einer westfälischen Hausarztpraxis, ihren ersten Job und verdiente sich schnell das Vertrauen ihres Chefs – und der Patienten.

Im Laufe der Zeit stieg sie zur „ersten Helferin“ auf und lernte ein halbes Dutzend neuer Kolleginnen mit an. Zusammen mit ihrem Chef und dem Rest des Teams hat sie zudem diverse Gesundheitsreformen durchlebt und durchlitten. Viele Patienten kennt sie seit Jahrzehnten.

Was kommt nach?

Ende nächsten Jahres geht Margot Korschulte in Rente. Schon heute ist klar: Es wird schwer sein, Ersatz für sie zu finden. Der Fachkräftemangel hat das Gesundheitswesen fest im Griff. Und die Problematik dürfte sich in Zukunft noch verschärfen.

Nach einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden bis zum Jahr 2035 etwa 16 Millionen Erwerbstätige aus dem Job ausscheiden. Im schlimmsten Fall verlieren Praxen dann wertvolle Erfahrung und Expertise.

Doch es geht auch anders. Mit einem systematischen, gut geplanten Kompetenztransfer von älteren zu jüngeren Teammitgliedern kann der Stabwechsel gelingen.

Strategie eins: Gemeinsam arbeiten

Wenn eine erfahrene MFA mit jüngeren Kollegen gemeinsam an einem bestimmten Projekt arbeitet, entstehen dadurch nicht nur wertvolle Synergien. Die generationsübergreifende Teambildung schafft auch ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Kompetenztransfer. Hat etwa die rentennahe MFA jahrelang als Hygienebeauftragte der Praxis gearbeitet, kann sie zusammen mit der neuen Kollegin nicht nur neue Impulse für das Qualitätsmanagement in diesem Bereich entwickeln, sondern auch wertvolle Erfahrungen an ihre potenzielle Nachfolgerin weiterreichen. So geht ihr Wissen nicht verloren.

Strategie zwei: Aus eins mach zwei

Wer auf den Ruhestand zusteuert, möchte oft schon im Vorfeld der Rente etwas kürzertreten. Praxischefs, die diesem Wunsch entsprechen, eröffnen sich damit die Möglichkeit, die einstige Vollzeitstelle aufzuteilen und ein Job-Tandem aus einer Senior- und einer Junior-MFA zu bilden.

Der Vorteil: Im Gegensatz zur traditionellen Teilzeit können die beiden Mitarbeiter hier gleichzeitig Dienst tun und sich über ihre Aufgaben austauschen. Entsprechend profitieren Jüngere von Kenntnissen der älteren Mitarbeiter. Und sie erhalten die Möglichkeit, nach deren Ausscheiden ihre Vollzeitstelle zu übernehmen. Diese Variante ist übrigens auch bestens für Wiedereinsteiger geeignet, die zum Beispiel nach einer längeren Elternzeit wieder in den Job zurückfinden wollen.

Strategie drei: Gemeinsame Fortbildungen absolvieren

Wenn ein älterer Kollege oder eine ältere Kollegin noch einige Berufsjahre vor sich hat, kann es sich lohnen, ihn oder sie zusammen mit den Neulingen im Team auf gemeinsame Fortbildungen zu schicken. In einer solchen Konstellation profitieren erfahrene und frisch gebackene Medizinische Fachangestellte gleichermaßen, da sie sich über das neu Gelernte austauschen, aber aufgrund ihres unterschiedlichen Erfahrungsschatzes womöglich unterschiedliche Schlüsse daraus ziehen. Ein solcher Austausch zwischen alten Hasen und MFA, deren Ausbildungswissen noch frisch ist, kann eine positive Dynamik erzeugen – zugunsten des gesamten Teams und der Patienten.

DEN STAFFELSTAB ÜBERGEBEN

Gemischte Teams bilden

Wenn ältere und jüngere Mitarbeiter in einer Praxis gemeinsam Aufgaben bewältigen, lernen im Zweifel alle voneinander – und profitieren von den unterschiedlichen Herangehensweisen der jeweils anderen Generation.

Lerntandems zusammenführen

Geht es um den Stabwechsel von einer ausscheidenden zu einer neuen Kraft, ist es sinnvoll, beide über eine gewisse Zeit zusammenzuspannen. Das weitergegebene Wissen sollte dabei dokumentiert werden.

Mentoring nutzen

Wird einer unerfahrenen Kraft ein Mentor zur Seite gestellt, kann der Neuzugang nicht nur Antworten auf fachliche Fragen erhalten, sondern bekommt auch einen Einblick in die Dynamiken der Praxis.

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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