Kranke Mitarbeiter

Auskurieren ist günstiger als Präsentismus: Schicken Sie kranke Mitarbeiter bitte nach Hause!

Wer nur auf die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage schaut, kann leicht in eine Falle tappen. Denn Angestellte, die sich nicht auskurieren und krank zur Arbeit kommen, kosten viel und fehlen am Ende oft am meisten.

Wie sollen die Kollegen das nur alles ohne mich schaffen?“ Aus falsch verstandener Loyalität kommt es immer wieder vor, dass sich Angestellte krank zur Arbeit schleppen und sich nicht richtig auskurieren. Ihrer Chefin oder ihrem Chef tun sie damit keinen Gefallen. Denn abwesende kranke Mitarbeiter kosten zwar Geld – teurer sind aber diejenigen, die krank bei der Arbeit erscheinen. Je nach Studie entstehen mindestens doppelt so hohe Kosten durch den sogenannten Präsentismus (Felix-Burda-Stiftung). Die Strategieberatung Booz & Company geht von zwei Dritteln der krankheitsbedingten Kosten aus, die so verursacht werden.

Chronisch und psychisch Kranke wollen nicht negativ auffallen

Warum ist der Präsentismus so teuer? Zunächst einmal sind die Konzentration und die Leistungsfähigkeit kranker Mitarbeiter eingeschränkt. Das kann dazu führen, dass die Qualität ihrer Arbeit abnimmt. Die Zahl der Fehler steigt, diese können häufiger in Unfälle münden. Die Genesung dieser Mitarbeiter wird unter Umständen verzögert, je nach Krankheit besteht ein erhöhtes Chronifizierungspotenzial. Ein Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fasst den Forschungsstand zusammen. Spannend ist die Verbindung mit der lokalen Arbeitslosigkeit. Wenn diese hoch ist, melden sich Arbeitnehmer seltener bei kleineren Krankheiten krank. Die Langzeitausfälle nehmen dann jedoch zu. Es ist anzunehmen, dass auch anders begründete Ängste um den Job zu mehr Präsentismus führen können. Darauf weist auch ein weiterer Befund der BAuA hin: Menschen, die chronisch oder psychisch erkrankt sind, neigen besonders oft zu Präsentismus. Denn vielfach fürchten sie, häufige Ausfallzeiten oder auch deren mangelnde Nachvollziehbarkeit könnten sich negativ auf ihr Image als Kollegen und Mitarbeiter auswirken. Manchmal kann der Wunsch, Ärger im Team zu vermeiden, die Triebfeder hinter Präsentismus sein.

Gute Mitarbeiter zu verlieren, geht oft am meisten ins Geld

Natürlich treibt auch ein hohes, wenn auch wenig reflektiertes Verantwortungsbewusstsein kranke Mitarbeiter in die Praxis. Gerade bei älter werdenden Mitarbeitern, die Sie schätzen, sollten Sie die Organisation so gestalten, dass nicht gleich alles zusammenbricht, wenn diese kurz ausfallen. Denn: Neues Personal zu suchen, ist ein Wagnis mit unbekanntem Ausgang und eine Fehlbesetzung ist oft die teuerste Variante von allen.

Das fördert Präsentismus
Eine vertrauensvolle und fürsorgende Atmosphäre wirkt Übereifer entgegen.
Es gibt Umstände, die Mitarbeiter besonders dazu verleiten, krank zur Arbeit zu erscheinen. Hierzu gehören

  • zu wenig Personal,
  • Chefs, die krank zur Arbeit kommen und sich selbst nicht auskurieren,
  • die Forderung, am ersten Tag der Erkrankung ein Attest vorzulegen,
  • Angst um den Arbeitsplatz.
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