Pilotprojekt

Telemedizin für Hausärzte auf dem Land: Mit dem Technikrucksack zum Patienten

Die medizinische Versorgung auf dem Land zählt für Hausärztinnen und Hausärzte zu den größten Herausforderungen. In Rheinland-Pfalz soll ein Telemedizin-Projekt helfen. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Hausbesuche kosten Ärztinnen und Ärzte viel Zeit. Vor allem auf dem Land, wo die Wege weiter und die Versorgungsgebiete durch den Ärztemangel größer sind. Doch sie sind unverzichtbar, da viele ältere Menschen nicht mehr allein in die Praxis kommen können.

Um sie weiterhin gut zu versorgen und gleichzeitig die Mediziner zu entlasten, wurde Anfang September von der Rheinland-Pfälzischen Regierung ein Pilotprojekt gestartet: Speziell geschulte Telemedizin-Assistenzkräfte (TMA) – das sind in der Regel MFAs aus einer Praxis, die eine technische Zusatzqualifikation erworben haben – fahren mit einem Rucksack voller Technik zum Patienten. Im Gepäck haben sie für die Routinekontrollen etwa ein Blutdruck- und Blutzuckermessgerät, ein Pulsoxymeter, ein Fieberthermometer und ein Zwölf-Kanal-EKG. Das Herzstück der Ausrüstung bildet ein Tablet-PC.

Die digitalen Hilfsmittel erleichtern die Arbeit der Ärzte

Die TMA erfassen die Gesundheitswerte der Patienten und senden diese über das Tablet direkt in die Praxis. Anschließend können sich die Ärzte per Videotelefonie mit ihren Patienten unterhalten. „Für mich ist das eine absolute Win-win-Situation“, begeistert sich Barbara Römer, die Vorsitzende des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz. Sie beteiligt sich mit ihrer Gemeinschaftspraxis in Saulheim an dem Projekt. „Die digitalen Tools erleichtern unsere Arbeit“, sagt sie. Außerdem seien sie ein weiterer Schritt in Richtung digitale Patientenakte, was sie befürworte. Entscheidend ist für Römer aber, dass „der persönliche Kontakt als zentrales Moment erhalten bleibt“. Die Technik komme quasi mit einem vertrauten Menschen zum Patienten, er könne mit der TMA sprechen und sie seinen Zustand einschätzen. „Das ist enorm wichtig“, so Römer. „Hören, Sprechen, Fühlen, Riechen, Untersuchen und unmittelbare Kommunikation können durch Digitalisierung nicht ersetzt, aber sinnvoll ergänzt werden.“ Genau das passiere hier.

Als großen Fortschritt sieht Römer, dass ihre TMAs ein EKG mitführen. „Das konnten wir bislang nur in der Praxis, aber nie vor Ort beim Patienten schreiben.“ Nur mit der technischen Umsetzung hapere es bei dem Projekt öfter, was vor allem an der teils schlechten Infrastruktur auf dem Land liege. Manchmal funktionierten Bild und Ton beim Videogespräch nicht, manchmal hake es an der Datenübertragung, die schlichtweg am langsamen Internet scheitere.

Insgesamt gute Erfahrung mit Pilotprojekt Telemedizin

Generell zieht die Hausärztin nach den ersten Wochen der insgesamt zweijährigen Pilotphase aber ein positives Fazit. Die besuchten Patienten machten gut mit und auch ihre Mitarbeiterinnen seien extrem motiviert. „Sie sind noch intensiver am Patienten und können gemeinsam mit mir über das diagnostische Prozedere beraten“, sagt Römer.

An dem TMA-Modellversuch beteiligen sich laut dem Rheinland-Pfälzischen Gesundheitsministerium 24 Hausarztpraxen in vier ländlichen Regionen. Politiker hoffen, dass durch das Projekt auch die Attraktivität der hausärztlichen Tätigkeit gesteigert und so dem Ärztemangel auf dem Land entgegengewirkt werden kann.

Alarmierender Ärztemangel

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung scheiden pro Jahr um die 1.700 Hausärztinnen und -ärzte aus dem Beruf. Demgegenüber steht ein Zugang von nur 1.350 fachärztlichen Anerkennungen in der Allgemeinmedizin, was den Ersatzbedarf nicht deckt. Bis 2025 ist demnach von einem nicht gedeckten Ersatzbedarf von rund 20.000 Hausärzten und -ärztinnen auszugehen.

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