Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxiswissen für MFA - MediTeam
Inhaltsverzeichnis

Man kann über Probleme jammern. Ihr habt euch dafür entschieden, dem täglichen Wahnsinn mit Witz und Humor zu begegnen. Wie kam es zu der Idee mit den Clips? Gab es eine bestimmte Situation oder eine besondere Begegnung?

Wir haben uns in unserer Elternzeit getroffen – damals kannten wir uns nur flüchtig über eine gemeinsame Freundin, aber nie wirklich persönlich. Bei einem Kaffee im Frühjahr 2023 haben wir uns über den MFA-Alltag ausgetauscht und hatten dann die Schnapsidee, mal eine Szene daraus nachzustellen. Am 10. Juni 2023 haben wir unseren TikTok-Kanal gegründet, kurz darauf folgte Instagram. Gestartet sind wir komplett ohne Plan: in Sinas Küche, mit blauen Kasacks, ohne Logo, ohne Farbkonzept, ohne jemanden, der uns im Marketing geholfen hätte – alles selbst erarbeitet. Dass manche Videos schnell auf 1–2 Millionen Views kamen, hat uns selbst überrascht.

Euer Slogan lautet: „Was MFA gerne sagen würden“. Sind eure gelassenen, selbstbewussten Antworten in den Sketchen eher Wunschdenken oder tatsächlich euer Geheimrezept für den Praxisalltag?

Durch die vielen Jahre im Beruf haben wir Erfahrungen gesammelt – aber in der Praxis konnten wir natürlich nie so antworten wie in unseren Videos. Die Szenen sind bewusst überspitzt dargestellt. Wir können hier so reagieren, wie wir es vielleicht gerne mal getan hätten oder wie es viele MFAs denken, aber nicht sagen dürfen.

Was ist euer Ziel: Wollt ihr der MFA-Community kommunikative Wege aufzeigen oder eher verstanden werden?

Unser Ziel war und ist es, für MFA einen Zusammenhalt zu schaffen – einen Raum zum Austauschen und Auskotzen. Damit sie wissen, dass sie nicht alleine sind, und damit sie über das lachen können, was sie im Alltag aufwühlt. Wir wollen MFA stärken und dazu anhalten, sich nicht alles gefallen zu lassen, sondern für sich einzustehen.

Wie ist die Resonanz auf eure Posts? Und bekommt ihr auch Anregungen und Themen aus anderen Praxisteams?

Viele MFA finden sich in unseren Szenen und Videos wieder und geben uns dafür Zuspruch. Natürlich gibt es auch immer wieder Ausnahmen – manche fühlen sich nicht angesprochen, was zu Diskussionen anregt. Ideen kommen häufig direkt aus unserer Community. Wir haben außerdem eine private WhatsApp-Gruppe mit über 500 MFA, die täglich sehr aktiv ist – da bekommen wir hautnah mit, was gerade in den Praxen los ist.

Manchmal äußert ihr euch auch kritisch über Ärztinnen und Ärzte. Wie haben eure damaligen Chefinnen auf das Instagram-Projekt geschaut?

Unsere damaligen Chefinnen fanden es nicht besonders gut. Vanessa ist bereits 2021 aus dem Job ausgestiegen – mit zwei kleinen Kindern im Abstand von zwei Jahren hat sie von zu Hause aus mehr verdient als in der Praxis, und die Vereinbarkeit war schlicht nicht mehr gegeben. Sina hat länger durchgehalten: Sie arbeitete noch bis Oktober 2024 auf 500-Euro-Basis in ihrer alten Praxis – bis ihre Chefin durch Kolleginnen auf die Videos aufmerksam wurde, ausgerastet ist und verlangte, den Account zu löschen oder die Videos einzustellen. Das kam für uns nicht infrage. Wir machen das in unserer Freizeit und haben unsere Praxis nie namentlich erwähnt. Sina hat daraufhin gekündigt. Wir denken übrigens: Wenn Ärzte sich durch unsere Videos angegriffen fühlen, muss das ja einen Grund haben.

Wo genau dreht ihr die Clips? Habt ihr für die Videos spezielle Kurse besucht oder euch alles selbst beigebracht?

Angefangen haben wir in Sinas Küche – mit blauen Polos und einem Stativ. Bald haben wir eine eigene Praxistheke nachgebaut. Mittlerweile haben wir einen großen Contentraum im Keller von Vanessas Haus – eine vollwertige Einliegerwohnung mit Fußbodenheizung und Kachelofen. Dort hat uns ein Küchenstudio, das auch Praxistresen baut, eine komplette Praxiseinrichtung aufgebaut: Praxistheke, Küchenzeile und Arztschreibtisch. Kurse haben wir nie besucht – wir sind einfach so, wie wir sind, und reden drauflos.

Wer von euch schreibt die Skripte für die Sketche und wer hilft beim Drehen? Wie ist eure Aufteilung?

Wir haben nie Skripte. Wir nennen nur einen Begriff oder ein Thema – eine fängt an zu reden, und so entstehen die Videos spontan. Das wird immer das Beste. Wir wechseln uns vor der Kamera ab, eine filmt oder die Kamera steht im Stativ, damit wir beide drauf sind. Manchmal sind auch befreundete MFA-Kolleginnen zu sehen, die noch aktiv im Job sind – das bringt Abwechslung und hält uns nah am aktuellen Praxisalltag.

Ihr seid beide Mütter von je zwei Kindern. Wann findet ihr Zeit für die Drehs? Und wie bleibt ihr glaubwürdig, wenn ihr nicht mehr direkt in der Arztpraxis arbeitet?

Wir sind heute beide selbstständig und haben uns unser Business rund ums MFA Power Team aufgebaut – Vanessa seit 2021, Sina seit Oktober 2024. Gedreht wird, wenn die Kinder in Schule oder Kindergarten sind, abends oder am Wochenende. Vieles ist eine Frage der Planung. Den Kontakt zum Praxisalltag halten wir durch unsere private MFA-Community mit über 500 aktiven Mitgliedern, durch befreundete Kolleginnen, die noch im Job sind, und durch unser breites Netzwerk. Was täglich in der Gruppe passiert, zeigt uns: Wir sind noch immer nah an der Realität – die Community bestätigt uns regelmäßig, dass wir in unseren Videos sogar noch untertreiben.

Ihr habt rund 1.000 Beiträge und rund 34.200 Follower. Seht ihr euch selbst als Influencerinnen? Warum ist euer Kanal so beliebt – und was macht dieser Erfolg mit euch?

Mittlerweile schon – wir werden auf der Straße immer öfter erkannt, was sich noch etwas komisch anfühlt, aber auch schön und witzig ist. Wir glauben, unser Kanal ist so beliebt, weil wir nichts beschönigen und sagen, was wir denken. Viele MFA wünschen sich das insgeheim auch. Und was der Erfolg mit uns macht? Er hat uns gelehrt, genau hinzuschauen, wer wirklich hinter uns steht. Nicht alle, die lächeln, gönnen es einem auch. Das ist manchmal schmerzhaft – aber es zeigt uns, wer die echten Freunde sind.

Was sind die nächsten Projekte? Wollt ihr etwas Neues anpacken?

Wir haben das Gefühl, dass wir gerade erst am Anfang stehen. Unser größtes Herzensprojekt ist eine App für MFA – mit Fokus auf Mindset, Persönlichkeitsentwicklung, Gehaltsverhandlungen und Weiterbildungsmöglichkeiten wie Verah oder Näpa. MFA sollen wissen, welche Wege ihnen offenstehen und wie sie sich für Gehaltsgespräche wappnen können. 

Daneben möchten wir Arztpraxen beim Thema digitale Sichtbarkeit und Social Media unterstützen. Viele leisten großartige Arbeit, zeigen sie aber kaum nach außen. Neue Formate stehen in den Startlöchern, und unsere Marke MFA POWERTEAM® wächst weiter. Wir möchten zeigen, dass man mit Mut, Leidenschaft und Zusammenhalt eine ganze Branche bewegen kann. Mehr wollen wir noch nicht verraten. Aber die MFA-Community darf gespannt sein.

Die Top 5 der typischen MFA-Probleme – und wie man sie löst

1. Patienten ohne Verständnis und Geduld

Wer kennt es nicht: Ein Patient kommt mit Termin zu früh oder zu spät in die Praxis, erwartet aber, sofort gesehen zu werden und ist frustriert, wenn es nicht klappt. Das Problem ist größer als nur Ungeduld – es geht um mangelnde Grenzen, überlastete Zeitpläne und das Gefühl von Kontrollverlust im eigenen Praxisalltag.

Das rät das MFA Powerteam: Vanessa und Sina kennen das Problem gut – und sehen die Wurzel oft im System selbst. Wenn Termine auf fünf bis sieben Minuten getaktet sind, sind Warteschlangen und Frustration vorprogrammiert. Ihr Rat: Klare Kommunikation am Tresen, auch wenn sie auf taube Ohren stößt. Patient:innen, die zu früh erscheinen, haben keinen Anspruch darauf, früher dran zu sein – das muss freundlich, aber bestimmt vermittelt werden. Wo es möglich ist, sollten Teams in gemeinsamen Teamsitzungen verbindliche Regeln erarbeiten: Wer wird ohne Termin reingelassen, wer nicht? Hilfreich sind außerdem Praxissoftwarelösungen, die den Arzt aktiv informieren, wenn Wartezeiten aus dem Ruder laufen.

2. Unverschämte Patienten

Beschimpfungen, Unterstellungen, aggressive Tonalität – verbale Gewalt gegen medizinisches Fachpersonal ist längst kein Einzelfall mehr. Die psychische Belastung ist real, doch viele Praxen wissen nicht, wie sie damit umgehen oder gegensteuern können.

Das rät das MFA Powerteam: Was viele für übertrieben halten, ist tatsächlich bittere Realität – und hat sich seit Corona deutlich verschärft. Aus ihrer Community wissen sie, dass MFA regelmäßig aufs Übelste beschimpft, bespuckt und bedroht werden. Ihr klarer Rat: Deeskalation hat oberste Priorität: ruhig bleiben, Verständnis zeigen, eine Lösung anbieten. Aber es braucht auch strukturelle Maßnahmen: Praxen sollten Deeskalations- und Selbstverteidigungskurse anbieten, Notfallknöpfe installieren und klare Leitfäden im Qualitätsmanagement verankern. Im Ernstfall gilt: Grenzen benennen und notfalls die Polizei rufen. Das Team betont: Niemand muss Beleidigungen klaglos hinnehmen.

3. Mangelnde Wertschätzung und Loyalität

Ein funktionierendes Team braucht mehr als gutes Wetter und Gehalt: Es braucht einen Praxisleiter, der Rückendeckung gibt, Grenzen schützt und die Menschlichkeit nicht aus den Augen verliert.

Das rät das MFA Powerteam: Fehlende Wertschätzung ist für Vanessa und Sina kein abstraktes Problem. Eine von beiden hat deshalb gekündigt. Ihr Erleben: Beschimpfungen durch Chef:innen vor Patient:innen, unzumutbare Arbeitszeiten, kein Verständnis für familiäre Situationen. Dabei bräuchte es oft gar nicht viel: Ein einfaches „Ihr habt das heute super gemacht“ kann einen ganzen Tag verändern. Ihr Rat: Zunächst das Gespräch suchen – am besten gemeinsam im Team, denn mangelnde Wertschätzung betrifft selten nur eine Person. Wenn das nicht fruchtet, sollten Konsequenzen gezogen werden. Wer dauerhaft ohne Rückendeckung arbeitet, schadet langfristig seiner Gesundheit.

4. Vermeintliche Notfälle

Jeder Anruf „Das ist akut!“ erzeugt Stress. Doch nicht jeder eilige Ton bedeutet medizinische Dringlichkeit. Wie können Praxisteams lernen, zu unterscheiden und dennoch niemanden im Stich zu lassen?

Das rät das MFA Powerteam: Die Erfahrung des Duos zeigt: Die meisten, die behaupten, ein Notfall zu sein, sind keiner. Der Klassiker: „Ich habe seit Monaten Rückenschmerzen, aber heute ist es schlimmer“. Das ist kein medizinischer Notfall, auch wenn er sich für den Patienten so anfühlt. Entscheidend ist gezieltes Nachfragen: Seit wann bestehen die Beschwerden? Wo genau? Gibt es Begleiterscheinungen wie Nackensteifigkeit, Atemnot oder Ausstrahlung? Bei echten Alarmzeichen – Schlaganfall- oder Herzinfarktverdacht – wird sofort der Notruf 112 gewählt, auch wenn Patient:innen das selbst nicht tun würden. Das Powerteam empfiehlt gut sichtbare Leitfäden am Telefon sowie eine klare Eskalationsstufe: Im Zweifel kurz den Arzt aus dem Sprechzimmer holen und ihn selbst entscheiden lassen.

5. Lästern unter Kollegen

Gemeinsames Lästern schafft kurzzeitig Entlastung, zersetzt aber langfristig das Vertrauen und den Zusammenhalt im Team. Wie entsteht eine Kultur der konstruktiven Kommunikation statt destruktiven Gejammers?

Das rät das MFA Powerteam: Lästereien sind weit verbreitet – besonders dann, wenn ein eingespieltes Team eine neue Kollegin bekommt. Neue Kräfte werden oft nicht in den Kreis gelassen, auch wenn ihre Unterstützung dringend gebraucht wird. Der erste Schritt ist immer das direkte Gespräch. Aber das Team gibt zu: Aus Erfahrung führt es häufig zu nichts, weil die Dynamiken zu eingefahren sind. Was wirklich hilft, ist eine klare Führungsstruktur mit einer Praxismanagerin, die Aufgaben fair verteilt, und ein Chef/eine Chefin, der/die bei Konflikten konsequent handelt. Ungerechte Dienstpläne, Überstunden und schlechte Bezahlung sind oft der eigentliche Nährboden für Lästerei. Wer das Arbeitsklima langfristig nicht ändern kann, sollte die eigene Gesundheit nicht aufs Spiel setzen – und sich eine neue Stelle suchen.

© Nathalie.Fotografie

MFA POWERTEAM®

Steckbrief Sina & Vanessa

Name:  Sina Schnurr & Vanessa Leonhard

Wohnort:  Baden-Baden

Alter:  35 Jahre 

Beruf:  MFA /Praxismanagerin, Verah, Näpa

Hobbys: Content drehen

Auf TikTok:
Mfa.Powerteam (@mfa.powerteam) | TikTok
Auf Instagram:
𝗪𝗶𝗹𝗹𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗶𝗺 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘃𝗼𝗻 𝟮 𝗠𝗙𝗔*𝘀! (@mfa.powerteam) • Instagram-Fotos und -Videos

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