Social Media: Warum nur Recruiting nicht funktioniert
Rubina OrdemannMFA ist als Ausbildungsberuf unter Frauen die Nummer 1, viele der jungen Azubis bzw. Berufseinsteiger sind auf Social Media unterwegs. Hier für offene Stellen zu werben, kann sich also durchaus lohnen. Doch wer hier lediglich Stellen ausschreibt, wird wenig Resonanz bekommen. Welche Content-Formel Ihre Praxis zum Erfolg führt und teure Ads erspart.
Eigentlich fing der Tag gut an, erinnert sich Praxismanagerin Aylin aus Berlin. Doch dann lag die dritte Kündigung des Monats auf dem Tisch. „Ich schalte jetzt einfach eine Anzeige bei Instagram“, entschied sie. Doch nach zwei Wochen war das Ergebnis ernüchternd: Null Bewerbungen trotz 500 EUR Ad-Budget (das ist Geld, das man direkt an die Plattform bezahlt, um eine Anzeige künstlich mehr Menschen auszuspielen – vergleichbar mit den Kosten für eine Zeitungsannonce). Was Aylin nicht bedacht hatte: Ein leerer Account, der nur aus Stellenanzeigen besteht, wirkt auf Fachkräfte wie eine einsame Litfaßsäule in der Wüste.
Digitale Transformation: Mehr als ein Werbekanal
. Wer hier nur Anzeigen schaltet, ohne das „echte Leben“ zu zeigen, baut kein Vertrauen auf. Ein Zitat einer MFA aus einem meiner Coachings bringt es auf den Punkt: „Wenn ich auf Instagram nur ‚Wir suchen dich‘-Kacheln sehe, weiß ich sofort: Da herrscht Notstand, aber kein Teamspirit.“ *
Nicht nur Fachkräfte, auch Patient:innen haben ihre Gewohnheiten digitalisiert. Laut aktuellen Erhebungen von Statista nutzen über 50 Prozent der Patient:innen das Internet, um sich vorab über die Sympathie und Kompetenz einer Praxis zu informieren. Ein Praxisinhaber sagte mir neulich: „Die Website ist mein digitales Praxisschild – sie liefert die Fakten. Mein Instagram-Kanal ist das geöffnete Fenster, durch das die Menschen uns bei der Arbeit zusehen können. Hier erleben sie, dass wir moderne Technik nicht nur besitzen, sondern sie mit Leidenschaft für ihr Wohlbefinden einsetzen.“
Patientenbindung inklusive
Vertrauen: Patient:innen sehen das Team vorab; die Hemmschwelle für den Erstbesuch sinkt messbar.
Angstabbau: Einblicke in Behandlungsräume nehmen die Furcht vor dem Unbekannten.
Expertenstatus: Wer Fach-Tipps teilt, wird in der Region als „erste Adresse“, als Expert:in wahrgenommen.
Ergebnis: Social Media ist die digitale Visitenkarte, die 24/7 Akquise betreibt.
Die Mischung macht‘s
Sorgen über Zeitaufwand oder Technik sind unnötig. Hochprofessionelle Agenturen leisten hervorragende Arbeit für die Markenbildung – das schätze ich sehr. Aber: Es ist kein Muss für den Erfolg. Kontinuität schlägt Perfektion. Zwei Posts pro Woche reichen völlig aus. Ein authentisches Handyvideo vom Team-Meeting liefert oft höhere Klickzahlen als eine teure Kampagne, weil es die Realität zeigt.
Wichtig: Ein gesunder Kanal braucht eine klare Struktur. Ich empfehle die „Zwei-Drittel-Regel“: 66 Prozent der Inhalte (z.B. Reels/Stories) müssen reiner Mehrwert oder Alltagseinblicke sein. Nur die restlichen 33 Prozent entfallen auf direktes Marketing oder Personalsuche.
Eine Teilnehmerin sagte kürzlich: „Seit wir erst zeigen, wie wir lachen, und dann erst, wen wir suchen, passen die Bewerber endlich charakterlich zu uns.“
Erwartung (Der Mythos) | Realität (Der Prozess) | Die Lösung (Dein Erfolgsweg) |
„Wir müssen auf jedem Kanal (TikTok, Insta, FB) sein.“ | Wer überall ein bisschen macht, bewirkt oft gar nichts und verzettelt sich. Konzentrieren Sie sich zu Beginn auf einen Kanal (z. B. Instagram). | Lieber eine Plattform richtig pflegen als drei halbherzig. |
„Negative Kommentare zerstören unseren Ruf.“ | Kritik findet online sowieso statt – ob Sie einen Account haben oder nicht. | Sehen Sie sachliche Kritik als Chance für professionelles Feedback. Ein souveräner Umgang mit Kommentaren zeigt Ihre menschliche Stärke. |
„Ein Post und die Bewerbungen fließen.“ | Social Media ist Beziehungsaufbau, kein Verkaufsautomat für Personal. | Planen Sie eine Vorlaufzeit von 3–6 Monaten ein, bis Ihre Sichtbarkeit Früchte trägt. |
„Wir brauchen teures Profi-Equipment.“ | Authentische Einblicke vom Team wirken oft stärker als Hochglanz-Videos. | Nutzen Sie Ihre Handys für echte Momente – das schafft mehr Vertrauen als künstliche Perfektion. |
„Social Media läuft komplett nebenbei.“ | Ein guter Kanal benötigt Struktur und ca. 1–2 Stunden Fokus pro Woche. | Delegieren Sie Aufgaben im Team. Wer gerne fotografiert, übernimmt den Account – das wirkt echter. |
Wichtige Formalien
Achten Sie auf Datenschutz (DSGVO) und schriftliche Einverständniserklärungen. Wer in diese digitale Transformation investiert, senkt seine Recruiting-Kosten langfristig um bis zu 40 Prozent. Wenn die Chemie auf dem Bildschirm stimmt, ist die Hürde für eine Bewerbung fast schon überwunden.
Fazit: Einfach machen, ist die Devise, Social Media keine zusätzliche Last, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit Ihrer Praxis. Es ist der digitale Handschlag, noch bevor der Patient oder die neue Kollegin Ihre Tür öffnet. Wer die „Zwei-Drittel-Regel“ beherzigt und auf Authentizität setzt, transformiert seine Kommunikation nachhaltig. Dabei geht es nicht darum, die lauteste Praxis im Netz zu sein, sondern die nahbarste.
Fangen Sie klein an, bleiben Sie echt und haben Sie Geduld. Die digitale Transformation gelingt nicht über Nacht, aber sie beginnt mit dem ersten ehrlichen Einblick hinter Ihre Kulissen.
Die 8 Erfolgsrezepte
Echtheit: Handyschnappschüsse schaffen mehr Vertrauen als Stockfotos.
Frequenz: Dauerhaft 2 Posts pro Woche sind besser als sporadische Schübe.
Mehrwert: Erklärt Behandlungen - das festigt euren Status.
Gesichter: Menschen folgen Menschen, keinen Praxis-Logos.
Dialog: Beantwortet Nachrichten innerhalb von 24 Stunden.
2/3-Regel: Erst Content geben, dann Recruiting nehmen.
Mut: Kleine Versprecher machen nahbar und sympathisch.
Musikrechte: Nur kommerziell freigegebene / gemafreie Tracks nutzen (Vermeidung von Abmahnkosten!).
Softgarden Recruiting-Report 2022/2023 (Thema: „Arbeitgeber-Bewertungen und Social Media Präsenz“).