Auch wenn der Hausarzt verfügbar ist

Männer gehen lieber in die Notaufnahme als in die Arztpraxis

Überlaufene Notaufnahmen, überlastete Ärzte, Patienten in der Warteschleife: Häufig blockieren vor allem Patienten mit Bagatellerkrankungen die Abläufe in Notaufnahmen. Wie eine KKH-Erhebung zeigt, sind es vor allem Männer, die Arztpraxen so lange wie möglich meiden und bei Beschwerden die Notaufnahme ansteuern.

Patienten mit Bagatellerkrankungen sind für Notaufnahmen seit Jahren ein wachsendes Problem. Die KKH lässt zu der Thematik regelmäßig Patienten befragen*.

Tatsächlich zeigen die Ergebnisse, dass schwere medizinische Notfälle, die nicht anderweitig behandelt werden können, selten der Grund für einen Besuch in der Notaufnahme sind. Stattdessen sucht fast jeder dritte Patient die Ambulanz bewusst auch während normaler Arztpraxis-Öffnungszeiten auf. Und zwar auf eigene Initiative, ohne Überweisung oder Rettungseinsatz. Als Grund gaben mehr als 40 Prozent der Notaufnahme-Nutzer an, dass sie sich im Krankenhaus medizinisch besser versorgt fühlen als in der Arztpraxis. Knapp ein Viertel argumentierte, dass Patienten dort ohne einen Termin Hilfe schneller erhalten bzw. erklärte, beim Arzt kurzfristig keinen Termin erhalten zu haben.

Wenn die Praxis zu hat, gehen Männer direkt in die Ambulanz

Wie die aktuelle Umfrage zeigt, sind es vor allem Männer, die die Notaufnahme als eine Art Hausarzt-Ersatz betrachten. In Bezug auf Routinebesuche und Vorsorgeuntersuchungen zeigen sie sich eher nachlässig. Kommt es außerhalb der Öffnungszeiten einer Arztpaxis zu akuten Beschwerden, würden 29 Prozent der Männer direkt in die Notfallambulanz gehen. Der Anteil der Frauen, die in dieser Situation sofort eine Ambulanz aufsuchen würde, liegt nur bei 15 Prozent.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob man bei akuten Beschwerden den  Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 kontaktieren würde. Für jeden achten Mann ist das bei den Alternativen zum Hausarzt die erste Option. Unter den Frauen würde nur etwa jede Dreizehnte sofort die 112 wählen. Immerhin: Jede zweite Befragte würde stattdessen zuerst den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen.

Notaufnahme als Alternative zur Arztpraxis

Es ist durchaus verständlich, dass Laien bei plözlich auftretenden Beschwerden verunsichert sind und aufgrund der Angst umgehend medizinische Hife suchen. Doch nicht nur nachts und an Feiertagen wird die Ambulanz als schnelle Alternative zur Arztpraxis betrachtet. Fast die Hälfte der Männer würde darüber hinaus auch tagsüber in die Notaufnahme gehen, wenn die Arztpraxen geöffnet sind. Zum Vergleich: Unter den Frauen würde dies nur gut ein Drittel in Erwägung ziehen. Grund dafür ist für jeden vierten Mann die dort vermeintlich bessere medizinische Versorgung (das sieht nur jede sechste Frau so). Als weitere Gründe für den Besuch in der Notfallambulanz geben ebenfalls mehr Männer als Frauen an, dass sie dort sofort und ohne Terminvereinbarung behandelt würden (13 zu 8 Prozent) beziehungsweise dass sie so kurzfristig keinen Termin in einer Arztpraxis bekommen hätten (14 zu 6 Prozent).

Weiteres Ergebnis: Deutlich mehr Frauen als Männer sind hingegen mit ihren Beschwerden zunächst in eine Praxis gegangen und landeten letztendlich in der Notaufnahme, weil sie der niedergelassene Arzt dorthin verwies (20 zu 7 Prozent).

*Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat 1.003 Personen zwischen 18- und 70 Jahren Anfang 2019 und Anfang 2021 repräsentativ befragt.

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