Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Klinik

Von denjenigen Befragten, die in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich mindestens einmal in der Notaufnahme waren, ging fast jeder Dritte innerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen ins Krankenhaus – auf eigene Initiative, ohne Überweisung oder Rettungseinsatz. Unter den 18- bis 29-Jährigen hätte alternativ sogar fast jeder Zweite einen Haus- oder Facharzt kontaktieren können.

Als Grund gaben mehr als 40 Prozent der Notaufnahme-Nutzer an, dass sie sich im Krankenhaus medizinisch besser versorgt fühlen als in der Arztpraxis. Ein Viertel der Befragten wurde nach eigener Aussage vom Haus- oder Facharzt an die Notaufnahme verwiesen. Ebenfalls knapp ein Viertel führte als Grund an, dass Patienten dort ohne einen Termin Hilfe erhalten. 13 Prozent sagten, dass sie so kurzfristig keinen Termin in der Arztpraxis bekommen und deshalb die Notaufnahme aufgesucht hätten. Nur zwölf Prozent gaben an, dass ihre Beschwerden in der Arztpraxis nicht behandelt werden (etwa Berufsunfälle, schwere Unfälle, Fälle für Notoperationen).

Patienten ziehen Klinik dem ärztlichen Bereitschaftsdienst vor

Geht es darum, außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden medizinische Hilfe zu erhalten, würde etwa je ein Drittel aller Befragten den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen – oder auch gleich in die Notaufnahme gehen. Rund jeder Fünfte würde eine ambulante Notfallpraxis aufsuchen.

Unter denjenigen, die die Notaufnahme bevorzugen, kennen immerhin fast 40 Prozent den ärztlichen Bereitschaftsdienst, würden aber dennoch zuerst ins Krankenhaus gehen, als dort anzurufen. Acht Prozent würden den Rettungsdienst unter der Nummer 112 alarmieren.

Bewusstsein für Notfälle vorhanden – wird aber ignoriert

Skurril: Das Bewusstsein, dass Schnupfen und aufgeschürfte Knie keine Notfälle sind, ist eigentlich vorhanden: Obwohl für einen Großteil die Notaufnahme die erste Wahl ist, betonte die deutliche Mehrheit, dass sie das Krankenhaus nur mit größeren (83 %) oder schweren Beschwerden (87 %) aufsuchen würde. Zumindest die theoretische Einstellung stimmt also, nur bei der praktischen Anwendung gibt es noch Nachholbedarf.