Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Abrechnung

Die Gebietsgrenzen sind im hausärztlichen Versorgungsbereich wesentlich weiter gezogen als im fachärztlichen Versorgungsbereich. Ob sich die entsprechende Leistung wirtschaftlich lohnt, ist eine andere Frage. Wer jetzt auf die Infusion verweist, die Hausärzte nur im Notienst abrechnen dürfen, liegt falsch. Denn die Infusion ist für Hausärzte in der Versichertenpauschale enthalten. Der einzige Unterschied besteht darin, dass eine Infusion bei Hausärzten mit der Versichertenpauschale abgegolten ist, während diese im fachärztlichen Versorgungsbereich nach Gebührenordnungsposition (GOP) 02100 abgerechnet wird.    

Gynäkomastie

Ein Fehler, der anscheinend häufiger passiert, ist die Überweisung von Männern mit Gynäkomastie zum Gynäkologen. Ein gynäkologischer Kollege, dem in diesen Fällen das Honorar gestrichen wurde, meldete sich bei mir, um auf das Problem hinzuweisen. Auf Rückfrage bestätigte mir eine Kassenärztliche Vereinigung (KV), dass die Behandlung von Männern durch Gynäkologen nicht abrechenbar sei. Es gibt aber Ausnahmen. So können GOP aus den Bereichen Reproduktionsmedizin (8.5) und Kryokonservierung (8.6) durchaus auch auf die Versichertenkarte des Mannes abgerechnet werden.

Medizinische Grundlagen

Bei neugeborenen Jungen, während der Pubertät und im Alter tritt eine Gynäkomastie durchaus häufig auf. Ursächlich dafür ist eine Dysbalance zwischen Androgenen und Östrogenen. Während die Schwellung des Brustdrüsengewebes unmittelbar nach der Geburt und während der Pubertät in der Regel reversibel ist, ist das in fortgeschrittenem Alter eher nicht so. Unterschieden wird eine Lipideinlagerung, wie sie bei Adipositas vorkommt, von der echten Gynäkomastie, bei der sich das Drüsengewebe vergrößert. Eine genaue Anamnese ist wichtig. Dabei geht es unter anderem um die zeitliche Entwicklung und um die Frage, ob die Gynäkomastie ein- oder beidseitig auftritt. Bei einer sich schnell entwickelnden und meist einseitigen Vergrößerung des Brustdrüsengewebes sollte man ein Mammakarzinom des Mannes ausschließen. Dabei kann die Radiologie am besten zwischen malignem und benignem Prozess differenzieren.Beim erwachsenen Mann gibt es viele Ursachen für eine Gynäkomastie. Vielfach ist die Ursache aber nicht zu klären. So war es bei 61 Prozent der Gynäkomastien in einer Studie. Bei den geklärten Ursachen sind Medikamente mit 21 Prozent am häufigsten, gefolgt von Leber- und Nierenerkrankungen mit 16 Prozent. Ein Hyperthyreoidismus war in 2 Prozent ursächlich.

Diagnostik der Gynäkomastie

Die körperliche Untersuchung steht an erster Stelle. Sowohl der Tastbefund der Brustdrüsen als auch der Leber und der Hoden ist mit der Versichertenpauschale  nach Gebührenordnungsposition (GOP) 03000 abgedeckt. Bei Gynäkomastie ist der Tastbefund der Hoden relevant, da auch Hodentumoren eine Gynäkomastie auslösen können. Auch die Sonografie der Brustdrüse ist bei Gynäkomastie hilfreich (GOP 33041). Neben der Sonografiegenehmigung der KV ist wichtig, dass diese GOP darin enthalten ist. Die Leitlinie nennt eine ganze Reihe von Laborparametern, die bei Gynäkomastie bestimmt werden können. Direkt danach steht der Hinweis, dass diese zurückhaltend eingesetzt werden sollten. Sprich: Natürlich muss ein Verdacht auf ein Mammakarzinom abgeklärt werden. Ansonsten wird sich die Labordiagnostik daran orientieren, ob sich daraus irgendwelche Konsequenzen ergeben. Wenn der Betreffende unter der Gynäkomastie stark leidet, wird man eher mehr Labor machen. Auch Alkohol, Rauschgifte und bestimmte Medikamente können eine Gynäkomastie auslösen oder fördern. Ein Verzicht darauf kann das Problem lösen.

A&W-Tipp

  • Ein Mammakarzinom sollte bei Gynäkomastie ausgeschlossen werden

  • Aufwendige Laboruntersuchungen nur bei massiver Belastung des Patienten

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