Ärztestatistik des Jahres 2020

Neue Ärztestatistik: Mehr Ärzte, aber weniger Arztzeit für Patienten

Die aktuelle Ärztestatistik der Bundesärztekammer zeigt: Es mangelt nicht nur an Ärzten, sondern auch an Arztzeit für die Patienten. Der Trend zu Anstellung und Teilzeit ist ungebrochen. Ärztliche Nachwuchsförderung und bessere Ausbildungsbedingungen gehören deshalb dringend auf die politische Agenda.

Nach den Daten der Bundesärztekammer stieg die Gesamtzahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten Ärztinnen (Anteil: 48,1 Prozent) und Ärzte 2020 auf 536.940. Dies sind 2,1 Prozent mehr als im Jahre 2019. Sowohl bei den berufstätigen Ärztinnen und Ärzten als auch bei den Facharztanerkennungen gab es ein Plus, allerdings fiel es deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Bei den jungen Ärztinnen und Ärzte aus dem Inland, die sich erstmalig bei einer Ärztekammer anmeldeten, verzeichnet die Ärztestatistik sogar einen Rückgang um 1,1 Prozent.

Trend zur Teilzeitarbeit hält an

„Wir betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Denn wir brauchen dringend eine ausreichende Anzahl von Ärztinnen und Ärzten, um die Folgen des anhaltenden Trends zur Teilzeitarbeit, des steigenden Durchschnittsalters der Ärzteschaft und des demografischen Wandels zu bewältigen. Sinkt die Zahl der zur Verfügung stehenden Arztstunden, wird das nicht gelingen“, so Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Unabhängig von Corona kommt es in den Praxen zu rund einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr. Für den stationären Bereich meldet das Statistische Bundesamt für das letzte Erhebungsjahr 2019 rund 19,4 Millionen Behandlungsfälle. In den kommenden Jahren sei mit einem weiteren Anstieg des Behandlungsbedarfs zu rechnen. Denn das Statistische Bundesamt prognostiziert bis zum Jahr 2040 eine Zunahme der Bevölkerung über 67 Jahren um bis zu 42 Prozent.

Gebremstes Wachstum in der Gesundheitsversorgung

Das gebremste Wachstum betrifft fast alle Bereiche der Gesundheitsversorgung: Bei den im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte gab es ein Plus von 2,3 Prozent (Vorjahr: +2,7%). Die Zahl der ambulant tätigen Ärzte stieg um 1,0 Prozent (Vorjahr: +1,6%). Am stärksten war der Einbruch des Wachstums in sonstigen Tätigkeitsbereichen (+1,3%; Vorjahr: +6,2%). Auch bei den Facharztanerkennungen fiel der Zuwachs im Jahr 2020 geringer aus. Er stieg lediglich um 0,6 Prozent (Vorjahr: +3,3%) auf knapp 14.000 an. Ein Lichtblick ist immerhin die Anzahl von Ärztinnen und Ärzten bei den Gesundheitsämtern, die im Jahr 2020 um 14 Prozent auf knapp 3.000 anstieg.

Ärzteschaft wird immer älter

Sorge bereitet hier auch die Entwicklung des Altersdurchschnitts der deutschen Ärzteschaft. So bestätigen die aktuell erfassten Zahlen der Ärztestatistik die Tendenz zur Stagnation des Anteils der Ärztinnen und Ärzte unter 35 Jahre (19,1%; Vorjahr: 18,9%). Der Anteil der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte, die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, steigt kontinuierlich an. Knapp 34.000 Ärzte (8,2% aller berufstätigen Ärzte; Vorjahr: 8,0%) erreichten bereits das 66. Lebensjahr und somit das Renteneintrittsalter. Weitere knapp 52.000 berufstätige Ärzte (12,6% aller berufstätigen Ärzte; Vorjahr: 12,2%) sind zwischen 60 und 65 Jahre alt. Der Anteil der Ärzte, die sich mittlerweile im Ruhestand befinden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent an.

Entlastung durch Ärzte aus dem Ausland

Für etwas Entlastung konnte laut Ärztestatistik die Zuwanderung aus dem Ausland sorgen. So ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2020 um 6,8 Prozent (Vorjahr: +7,9%) auf rund 56.000 Personen gestiegen. Treibende Kraft waren dabei Ärzte aus Ländern außerhalb der EU (+11,1 Prozent; Vorjahr: 11,9%). Bei den Ärzten aus EU-Ländern war ein Plus von lediglich 1,5 Prozent zu verzeichnen (Vorjahr: +3,3%).

KBV zur Entwicklung bei Vertragsärzten

Sorgen bereitet die Entwicklung auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), denn die Zahl der Hausärzte hat im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Nach Köpfen betrachtet, sei die Zahl der Vertragsärzte und Psychotherapeuten zwar deutlich gestiegen, doch durch Anstellung und Teilzeit sei der Zuwachs geringer, konstatierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Er erklärte: „Die Ressource Arzt bleibt knapp.“ „Die Arztzeit wird weniger, obwohl es mehr Ärzte gibt“, so auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Die Arztzeituhr läuft weiter rückwärts.“

Im Jahr 2020 nahmen 180.581 (2019: 177.581) Ärzte und Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil – davon 150.850 (2019: 149.710) Ärzte und 29.731 (2019: 28.116) Psychotherapeuten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Hausärzte um 0,1 Prozent gesunken. Die Anzahl der Ärzte und Psychotherapeuten, die in Medizinischen Versorgungszentren und Praxen angestellt sind, hat sich weiter auf 42.631 (2019: 39.477) erhöht.

Mehr Anreize für die Niederlassung schaffen

Die abnehmende Zahl bei Hausärzten sei seit Jahren zu beobachten, betonte Hofmeister und sagte: „Wir müssen weiterhin mehr Anreize für eine Niederlassung schaffen.“ Gerade diese Fachgruppe nehme in der Versorgung eine zentrale Rolle ein – insbesondere in der Pandemie. „Mehr als 90 Prozent der COVID-19-Patienten wurden und werden ambulant behandelt.“

Aerztestatistik

Quelle: Bundesärztekammer

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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