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Allgemeinmedizin

Die Prävalenz chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist weltweit gestiegen: von 3,3 Millionen Fällen im Jahr 1990 auf 4,9 Millionen 2019, und damit um 47,5 Prozent. Besonders betroffen sind Entwicklungsländer, wo zunehmend mehr Chemikalien und synthetische Materialien im Alltag eingesetzt werden und die Umweltverschmutzung steigt. Ein ähnliches Muster hat sich im Zuge der Modernisierung und Urbanisierung auch in westlichen Ländern beobachten lassen. Zwar wurden in Genom-weiten Assoziationsstudien über 200 Genloci mit einer CED verknüpft, doch lassen sich weniger als ein Drittel der Fälle allein genetischen Besonderheiten zuschreiben. 

Eine internationale Forschungsgruppe beleuchtete im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit, wie sich verschiedene Formen der Umweltverschmutzung auf das Risiko und den Verlauf von CEDs auswirken.

CED-Risiko durch Umweltschadstoffe: Schwermetalle, Insektizide und Luftverschmutzung

Die berücksichtigten Studien stützen eine Assoziation zwischen Schwer- und Übergangsmetallen, Luftschadstoffen, industriellen Schadstoffen, Insektiziden und einem erhöhten CED-Risiko. Zink hingegen könnte einen protektiven Effekt haben. Begrenzte Daten lassen außerdem vermuten, dass eine CED unter erhöhter Luftschadstoff-Exposition schwerer verlaufen kann. Tier- und In-vitro-Studien zufolge fördern die meisten dieser Schadstoffe Darmentzündungen, indem sie das Darmmikrobiom verändern, die Darmbarrierefunktion schädigen und systemische Entzündungen begünstigen.

Zukünftig müsse man veränderbare Risikofaktoren besser erkennen lernen und langfristig Präventionsmaßnahmen entwickeln, fordert die Studiengruppe.

Grüne Flächen und Darmgesundheit: Schutzeffekt bei Morbus Crohn und Durchfall

Ob eine begrünte Umgebung vor Darmerkrankungen schützen oder ihren Verlauf günstig beeinflussen kann, stellt sich bisher kontrovers dar. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse beleuchtete diese Zusammenhänge nun unter anderem für Morbus Crohn (MC), Colitis ulcerosa (CU), Dickdarmkrebs und Diarrhö.

Um abzuschätzen, wie viel sich Testpersonen in begrünten Umgebungen aufhalten, wurde die Wohnortnähe zu Grünflächen bestimmt und der normalisierte differenzierter Vegetationsindex (NDVI) genutzt. Mit ihm lässt sich grüne Biomasse erkennen und der Gesundheitszustand von Pflanzen durch Satelliten- oder Drohnenbilder anzeigen. 

Die Metaanalyse basiert auf acht Studien und belegt eine signifikante Schutzwirkung begrünter Umgebungen gegenüber Morbus Crohn und möglicherweise gegenüber Diarrhö. Kein signifikanter Zusammenhang ergab sich für Colitis ulcerosa und Dickdarmkrebs.

Als vermittelnde Faktoren könnten eine höhere Luftqualität, eine größere mikrobielle Diversität sowie eine Stressreduktion über die Darm-Hirn-Achse relevant sein. Aus klinischer Perspektive könnten Gesundheitsdienstleister gerade in Regionen mit erhöhter CED-Prävalenz oder bei Menschen mit genetischer Prädisposition für gastrointestinale Erkrankungen zu mehr Aufenthalt in grüner Umgebung raten – als potenziell präventive Lebensstilmaßnahme.

Quellen:

Estevinho MM et al. Gut 2025; 6;74(3):477–486.

Zhang A et al. BMC Public Health 2025;25:260

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