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Allgemeinmedizin
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Trotz der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der guter antibiotischer Behandlungsmöglichkeiten stellen Pneumokokken-Pneumonien und invasive Pneumokokken-Erkrankungen (IPDs) weiterhin eine ernst zu nehmende Krankheitslast dar. Das Robert Koch-Institut (RKI) informiert in einem Ratgeber über Erregereigenschaften, Krankheitszeichen, Diagnostik und Therapie und fasst darin Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen zusammen.

Übertragung und Besiedlung durch Streptococcus pneumoniae

Streptococcus pneumoniae ist ein grampositives, lanzettförmiges, fakultativ anaerobes Bakterium, das häufig den Nasenrachenraum des Menschen besiedelt. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Daneben sind endogene Infektionen nach bereits erfolgter Besiedlung des oberen Respirationstrakts möglich. Überträger durch Tröpfchen sind hauptsächlich Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren. Durch lokale Ausbreitung können Pneumokokken insbesondere nach Vorinfektion durch respiratorisch übertragbare Viren Krankheiten des oberen (Sinusitis, Otitis media) und unteren Respirationstrakts (Pneumonie) verursachen. 

Risikogruppen in der Praxis erkennen

Bei IPDs sind die Erreger in normalerweise sterilen Körperflüssigkeiten nachweisbar. Die häufigsten IPDs sind Bakteriämien und Sepsisfälle sowie Meningitiden. Pneumokokken-Infektionen und daraus resultierende Erkrankungen sind besonders häufig bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei Personen ab dem Alter von 60 Jahren. Zudem sind Personen mit Immundefizienz und schwerwiegenden Grunderkrankungen häufiger von IPDs betroffen als Gesunde. 

Invasive Pneumokokken-Erkrankungen werden häufig unterschätzt

Für eine IPD wird nach den Meldedaten eine Inzidenz von sieben bis zehn Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr angenommen.

Eine scharfe Abgrenzung zwischen einer Pneumokokken-Bakteriämie und einer Pneumokokken-Pneumonie ist klinisch nicht immer möglich; beide treten bei Erwachsenen häufig zusammen auf. Das RKI geht davon aus, dass ein großer Teil der IPD-Fälle nicht diagnostiziert wird, da bei der diagnostischen Aufarbeitung einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) oft keine Blutkulturen angelegt werden oder diese unter Antibiose falsch negativ ausfallen. Seit März 2020 besteht für den direkten S.-pneumoniae-Nachweis aus normalerweise sterilen klinischen Materialien eine Meldepflicht. 

Pneumokokken-Impfung als zentrale Präventionsmaßnahme

Als beste Vorsorge vor einer Pneumokokken-Erkrankung nennt der RKI-Ratgeber die Impfung. Wichtig sei dabei aus Public-Health-Perspektive, die Dynamik der Pneumokokken-Serotypen-Verteilung sowohl bei der Kolonisation als auch bei den IPDs fortlaufend zu überwachen. Auch der Impfschutz gegen Influenza und Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) sollte wegen der Gefahr von Sekundärinfektionen gemäß den Empfehlungen der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) aktuell sein.

Aktualisierte Impfempfehlung der STIKO

Die STIKO empfiehlt aktuell eine Grundimmunisierung im Säuglingsalter mit einem 13- oder 15-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV13/15) und danach für Personen ab 60 Jahren als Standardimpfung oder als Indikationsimpfung für Risikogruppen, jeweils mit PCV20. Zur Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen nach der PCV20-Impfung liegen noch keine Daten vor.

Quelle:

Epidemiologisches Bulletin 8/2026