Krebsrisiko: Biologisches Alter wichtiger als Lebensalter
Dr. Dagmar van ThielDass Menschen mit zunehmendem Alter gehäuft Krebserkrankungen entwickeln, hängt entscheidend mit dem biologischen Alter zusammen, wie Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) anhand einer neuen Studie zeigen konnten.
Höheres Alter ist nachweislich mit gehäuften Krebsdiagnosen assoziiert. Die Frage, ob das kalendarische Lebensalter oder das biologische Alter über diesen Zusammenhang entscheidet, haben jetzt Wissenschaftler des DKFZ um Prof. Hermann Brenner, Universität Heidelberg, und des Krebsregisters des Saarlands anhand einer Studie erforscht.
Epigenetische Uhren messen biologische Alterung
Wie die Forscher in einer Pressemitteilung erläuterten, gelten als wichtige Marker für das biologische Alter epigenetische Veränderungen am Erbgut auf molekularer Ebene, insbesondere die Anheftung von Methylgruppen an bestimmte Bausteine der DNA. „Einige Methylierungsmuster stehen sowohl mit Alterung als auch mit Krebsentstehung in Verbindung. Daher können auf der DNA-Methylierung basierende, sogenannte epigenetische Uhren bei der Beurteilung von Gesundheitsrisiken hilfreich sein“.
Das Ziel der Studie war es herauszufinden, welchen zusätzlichen Wert die epigenetischen Uhren für die Krebsrisikovorhersage haben können.
Studie untersucht biologische Alterung über 20 Jahre
Die Studie ESTHER (Epidemiologische Studie zu Chancen der Verhütung, Früherkennung und optimierten Therapie chronischer Erkrankungen in der älteren Bevölkerung) basierte auf Daten von über 1.900 Teilnehmenden im Alter von 50 bis 75 Jahren. Mit DNA-Methylierungsanalysen wurde das biologische Alter der Teilnehmer im Abstand von acht Jahren bestimmt und über mehr als 20 Jahre mit dem Auftreten von Krebs in Zusammenhang gestellt.
Schnellere biologische Alterung erhöht Krebsrisiko
Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass bei vergleichbarem kalendarischen Alter ein höheres epigenetisches Alter durchweg mit einem erhöhten Risiko verbunden war, später an Krebs zu erkranken. Biologisch deutlich vorgealterte Menschen hatten ein über 50 Prozent höheres Krebsrisiko als biologisch vergleichsweise jung gebliebene Menschen.
Ein deutlicher Zusammenhang fand sich auch, wenn die Entwicklung des biologischen Alters über acht Jahre hinweg bewertet wurde: Eine schnellere biologische Alterung ging mit einem zusätzlich erhöhten Krebsrisiko einher. Brenner zog daraus das Resümee: „Die Nutzung epigenetischer Uhren für die Risikovorhersage und die risikoadaptierte Krebsfrüherkennung muss nun in klinischen Studien weiter erforscht werden.“
Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflusst biologisches Alter
Das biologische Alter kann unter Einflüssen des Lebensstils und der Gesundheit variieren. Studien zeigen, dass Personen mit guter kardiovaskulärer Gesundheit im Schnitt biologisch mehrere Jahre jünger sind als gleichaltrige Menschen mit schwächerer Herzgesundheit.
Darauf basierend empfehlen Experten Maßnahmen, die das biologische Alter günstig beeinflussen können. Dazu gehören
Bewegung und Sport: regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining;
Ernährung: ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst, Ballaststoffen und wenig verarbeitete Lebensmittel;
die eigenen Risikofaktoren erkennen und konsequent behandeln (Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes mellitus);
Regeneration durch ausreichend Schlaf und Stressabbau durch beispielsweise Entspannungsübungen.