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Pädiatrie
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Eine Phimose definiert sich als Vorhautenge, die mit Beschwerden und Sekundärkomplikationen einhergeht. Das Präputium lässt sich nicht ohne Verletzung über die Glans penis zurückziehen. Eine solche pathologische Phimose ist von einer „physiologischen Phimose“ des Säuglings- und Kleinkindesalters zu unterscheiden. Diese anatomisch normal verengte Vorhaut weitet sich in der Regel bis zum Ende der Pubertät.

Zirkumzision im Kindesalter: Bewertung durch das Leitliniengremium

Das Leitliniengremium der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) hat die verfügbaren Studiendaten im Hinblick auf eine Zirkumzision schon im Kindesalter als Maßnahme zur Prävention von Harnwegsinfekten (HWI), sexuell übertragbaren Krankheiten und Malignom­entstehung gesichtet und die Ergebnisse ausgewertet.

Prävention von Harnwegsinfekten: Wann die Zirkumzision bei Jungen sinnvoll ist

Eine neuere Cochrane-Analyse fand keine validen randomisierten Studien, nach denen nachweislich die Rate an Harnwegsinfektionen durch Zirkumzision gesenkt werden könnte. Es gibt Hinweise, dass eine frühe rituelle Beschneidung die Anzahl der HWI erhöht. 

Anders sieht es bei Jungen aus, die an rezidivierenden HWI und einer höhergradigen angeborenen Anomalie des harn­ableitenden Systems leiden. Hier kann die Zirkumzision präventiv sinnvoll sein. Bei Jungen mit vesikoureteralen Refluxkrankheiten (VUR) Grad III oder höhergradig verhindern vier Beschneidungen eine HWI. Bei Patienten mit posteriorer Harnröhrenklappe (PUV) wird statistisch durch zwei Zirkumzisionen bereits eine HWI verhindert. Zur HWI-Prophylaxe bei Jungen durch Phimosebehandlung mit Kortikosteroiden liegen bisher keine relevanten Studien vor. Die Therapie dürfte vermutlich ähnlich wirksam sein wie die Zirkumzision.

Leitlinienempfehlung: Bei Jungen mit klinisch relevanten angeborenen Anomalien des harnableitenden Systems und mit inhärentem Risiko von Harnwegsinfektionen sollte eine Phimose unabhängig vom Alter medikamentös oder chirurgisch behandelt werden.

Sexuell übertragbare Erkrankungen: Keine Evidenz für prophylaktische Beschneidung im Kindesalter

Die Auswertung der Studien zur Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten durch Beschneidung in der Kindheit brachte keine positiven Ergebnisse. Die Inzidenz und Prävalenz von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten lässt sich demnach durch eine Zirkumzision nicht wesentlich beeinflussen.

Leitlinienempfehlung: Das unzutreffende Argument der Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen soll nicht in die Entscheidung zur Behandlung einer Phimose mit einbezogen werden.

Phimose, Lichen sclerosus und Peniskarzinom: Grenzen der präventiven Zirkumzision

Zwischen Malignomentwicklung und Phimose gibt es Zusammenhänge. Bekannt ist, dass eine lange bestehende Phimose zu den Risikofaktoren des Peniskarzinoms gehört (Inzidenz 0,9 : 100.000), während bei gesunder Vorhaut das Risiko niedriger zu sein scheint. Auch ein Lichen sclerosus steigert das Risiko für ein Peniskarzinom. Die Leitlinienautoren schließen daraus, dass dies die Bedeutung der Zirkumzision bei Auftreten einer dieser medizinischen Indikationen unterstreicht, nicht aber eine Routinezirkumzision im Kindesalter als generelle Präventionsmaßnahme rechtfertigt.

Leitlinienempfehlung: Das Argument der Prävention eines Peniskarzinoms im Erwachsenenalter soll nicht zur Entscheidungsfindung der Behandlung einer Phimose im Kindes- und Jugendalter herangezogen werden.

Quelle:

Leitlinie zur Phimose: AWMF-Reg.Nr. 006-052