Vorsicht vor Fruktose in Fertigprodukten
Dr. Dagmar van ThielDer ständige Genuss Fruktose-haltiger Lebensmittel birgt die Gefahr einer Nierenkrankheit. Nephrologen warnen, informieren über ungesunde Produkte und geben Empfehlungen zur Risikominderung.
Die Fruktose ist kein gesünderer Zucker, wie vielfach vermittelt wird, sondern im Gegenteil: „In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).
Problematisch sind Fertigprodukte – nicht die Fruktose im frischen Obst
Es gehe nicht um die Fruktose in frischem Obst, erläuterte Dr. med. Sylvia Stracke, vom Bereich Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN. Die Rede sei von industriell hergestellten Fertigprodukten, denen hohe Konzentrationen an Fruktose zugesetzt werden. Davon sind auch Lebensmittel für Kinder nicht ausgenommen.
Mechanismen der Nierenschädigung: Wie Fruktose Harnsäure, Gefäße und Entzündungen beeinflusst
Die nierenschädigende Wirkung der Fruktose lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Dazu gehört eine Erhöhung des Harnsäurespiegels. Fruktose ist der einzige Zucker, der beim Abbau zu vermehrter Bildung von Harnsäure führt. Ein permanent erhöhter Harnsäurespiegel gilt als wesentlicher Parameter für Nierenschäden, Nierensteine und Entzündungen. Weiterhin können Fruktose-bedingte Inflammationen zu einer Nierenfibrose führen. Darüber hinaus entwickeln sich als Folge dauerhaft erhöhter Fruktose-Spiegel Funktionsstörungen des Gefäßendothels und Gefäßstenosen, die ihren Ursprung im hohen Energieverbrauch beim Fruktose-Abbau haben. Denn dieser Energiemangel (ATP-Depletion) in den Zellen geht mit gefäßschädigenden Entzündungen und oxidativem Stress einher. Indirekte negative Wirkungen übt die Fruktose auf die Nierenfunktion aus, indem sie die Entstehung von Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber begünstigt.
Fruktosefallen im Alltag: Softdrinks, Snacks & Fertigprodukte im Fokus
Als besonders mit Fruktose angereicherte Produkte nannte Stracke:
Softdrinks, Energydrinks und Limonaden
„Sportdrinks“, Eistees und aromatisierte Wässer
Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegel und Desserts
Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks
Stracke betonte, dass viele Menschen es unterschätzten, wie viel Fruktose allein über Getränke konsumiert werde. Denn ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird.
Prävention in der Praxis: Konkrete Empfehlungen zum Schutz der Nieren
Um auf die eigene Nierengesundheit zu achten, reichen wenige, aber konsequent umgesetzte Verhaltensänderungen, wie Dr. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN, deutlich machte. Sie empfahl:
den Durst mit Wasser statt mit Softdrinks oder Energydrinks löschen
Zutatenlisten in Lebensmitteln prüfen und Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder „Fruchtzucker“ möglichst meiden
Normalgewicht anstreben und halten
Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln
Geforderte Zuckerbremse
An die Politik adressiert forderte die DGfN in der Pressemitteilung eine Zuckerbremse und eine bessere Früherkennung. Denn Studien zeigten, dass Patienten erst spät nephrologisch betreut werden. Helmbold betonte: „Jede früh erkannte Nierenkrankheit ist eine Chance, durch Verhaltensänderung und Therapie Dialyse und Transplantation zu verhindern – diese Chance dürfen wir nicht ungenutzt lassen.“
Zuckersteuer auf Süßgetränke: Evidenz aus internationalen Studien
Eine Zuckersteuer kann den Konsum von Süßgetränken eindämmen, wie etwa eine weltweite Studie mit Schülern aus 107 Ländern belegte. 32 Länder erheben solche Steuern, mit messbarem Rückgang des Konsums.
Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN): dgfn.eu