Steatotische Lebererkrankung: Auch kleine Lebensstiländerungen effektiv
Sabrina KempeDie steatotische Lebererkrankung (SLD) ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Ursache für eine Leberentzündung. Ein gesunder Lebensstil kann hier einiges bewirken. Schon geringe Anpassungen im Alltag können den Patienten weiterhelfen.
Die SLD zählt nach Meinung von Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, zu den am meisten unterschätzten Gesundheitsrisiken. „Immer öfter tritt sie im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom auf, das durch eine erworbene Fehlregulation des Stoffwechsels entsteht“, erklärt er in einer Pressemitteilung. Beim metabolischen Syndrom treten mehrere Krankheitsbilder und Risikofaktoren gemeinsam auf und begünstigen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören (Prä-)Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhte Triglycerid- und LDL(Low Density Lipoprotein)-Cholesterin-Werte.
MASLD und MASH: Neue Begriffe, bekannte Risiken
„Auch die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) zählt, wie es die neu eingeführte Bezeichnung beschreibt, zu den Krankheitsbildern des metabolischen Syndroms. Wenn sich eine MASLD im Krankheitsverlauf, der in den meisten Fällen ohne typische Symptome bleibt, entzündet, spricht man von einer metabolisch assoziierten Steatohepatitis (MASH)“, fasst Manns zusammen.
Therapieansatz: Lebensstilintervention als Schlüsselelement
Die Therapie der MASLD und der MASH umfasst neben der Behandlung der Begleiterkrankungen eine langfristige Anpassung des Lebensstils. Viele Patienten sind mit dieser Aufgabe jedoch überfordert. Deshalb gibt die Deutsche Leberstiftung den Behandelnden Tipps an die Hand, die sie Betroffenen empfehlen können.
Empfehlungen für die Praxis: Ernährung gezielt verbessern
Wichtig ist es laut der Deutschen Leberstiftung zunächst, den Konsum von Lebensmitteln mit viel Zucker und gesättigten Fettsäuren zu reduzieren. Verzichten sollten die Betroffenen auf Fertigprodukte und fettes Fleisch. Dafür sollte die Ernährung reich an frischem, zuckerarmem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sein. Zudem entgifte das Trinken von ausreichend Wasser oder ungesüßtem Tee den Körper. Smoothies und Softdrinks seien aufgrund ihres hohen Fruktosegehalts jedoch nicht zu empfehlen, auch alkoholische Getränke sollten gemieden werden. Hingegen könnte Kaffee die Leber unterstützen.
Alltagsbewegung fördern: Konkrete Tipps für Patientinnen und Patienten
Damit die Patienten mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen, kann man ihnen vorschlagen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, öfter zu Fuß gehen, die Treppe statt den Fahrstuhl zu nutzen, im Gehen zu telefonieren oder Kollegen direkt aufzusuchen statt sie anzurufen oder anzuschreiben. Gemeinsam mit Freunden spazieren zu gehen oder Sport zu treiben, kann die Freude an Bewegung erhöhen.
Aufklärung statt Modediäten: Junge Zielgruppen schützen
Manns riet darüber hinaus dazu, insbesondere junge Menschen vor Falschinformationen zu Modediäten mit radikalen Gewichtsabnahmen ohne Rücksicht auf die Gesundheit zu warnen, die im Internet angepriesen werden.
Neues Nomenklatursystem: EASL-Update zur MASLD/MASH
Im Rahmen des EASL-Kongresses im Jahr 2023 wurde eine neue Nomenklatur für Fettlebererkrankungen – jetzt steatotische Lebererkrankungen – beschlossen: Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung wurde zur MASLD und die nicht-alkoholische Fettleberentzündung zur MASH.
u. a. Presseinformation der Deutschen Leberstiftung