KI-Aktien: Große Gewinne durch ChatGPT?
Heiko Fekete und Marzena SickingAnlagen oder Investitionsstrategien mit Bezug zur Künstlichen Intelligenz (KI) sind derzeit besonders heiß begehrt. Wie können Ärztinnen und Ärzte davon bestmöglich profitieren? Zwei Finanzexperten ordnen ein, worauf es hier besonders ankommt — und wann es zu heikel werden könnte, in KI zu investieren.
Künstliche Intelligenz ist nicht nur die Technologie der aktuellen Stunde, sie beschäftigt auch die Finanzmärkte. Unternehmen wie Microsoft, Nvidia oder Oracle investieren massive Summen in die KI-Infrastruktur und gehen so eine Wette auf die Zukunft ein. Ob sich die Investitionen der Unternehmen langfristig auszahlen, ist keinesfalls gesichert. Für Anleger bieten sich derzeit aber dennoch große Chancen. „Das Thema KI und KI-Infrastruktur sehen wir als die nächste Evolutionsstufe. Es ist praktisch ein neues Zeitalter angebrochen, an dessen Entwicklung wir auch langfristig professionell partizipieren können“, so die Einschätzung von Stefan Schmitt im Gespräch mit ARZT & WIRTSCHAFT.
Schmitt ist Geschäftsführer der Inno Invest Vermögensverwaltung in Darmstadt und rät dazu, bei KI-bezogenen Investments in die Breite zu gehen. „Man sollte darauf achten, nicht sein ganzes Geld in einen Wert zu investieren, sondern lieber diversifiziert entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu investieren. So lässt sich das Risiko senken, denn diese Branche ist auch sehr schwankungsintensiv.“ Sie ist damit ähnlichen Risiken wie Kryptoanlagen ausgesetzt.
ETFs eignen sich gut für KI-bezogene Investitionen
Das zeigt sich beispielsweise an Aktienkursen, die sehr volatil sein können, wenn die Erwartungen von Investoren nicht erfüllt werden. Daher empfiehlt der Vermögensverwalter einen breit gestreuten ETF, der entweder das KI-Thema oder den NASDAQ 100 Index abbildet. Denn dieser bietet Zugang zu den 100 größten Unternehmen, die im Aktiensegment der NASDAQ (die insbesondere Aktien des Technologie-, Internet- und IT-Sektors umfasst) gelistet sind. Auch mit deutschen Indizes lässt sich an der KI-Entwicklung partizipieren: An der Stuttgarter Börse lassen sich beispielsweise der „Börse Online Künstliche Intelligenz Index“ sowie „DER AKTIONÄR Künstliche Intelligenz Index“ handeln. Beide Indizes setzen sich aus Techfirmen wie Amazon, AMD oder IBM zusammen, sie sind neben einem Index-Zertifikat auch durch sogenannte Mini-Futures handelbar.
Diese Bereiche treiben den KI-Markt
Halbleiter / Chips
Cloud / Rechenzentren
Software / Modelle / Plattformen
Anwendungen in Unternehmen
Beratung / Integration
Mit diesen Wertpapieren können Anleger überproportional an steigenden (Long) oder fallenden Kursen (Short) eines Basiswerts partizipieren (in diesem Fall der Basiswert des jeweiligen Index). Bei dieser Anlageform mahnt Schmitt zur Vorsicht. „Je gehebelter oder spekulativer das Produkt ist, desto größer ist die Gewinnchance, aber desto größer auch das Verlustrisiko. Für ein langfristiges Investment sind Mini-Futures in meinen Augen nicht geeignet.“
Hohe Bewertungen von KI-Aktien sind mit Vorsicht zu genießen
Einige Aktien, die sich auf die KI-Entwicklung stützen, sind derzeit auch besonders hoch bewertet. Der Aktienkurs von Microsoft schwankte beispielsweise in letzter Zeit zwischen 410 und 440 Euro, während der Kurs von Nvidia sich beispielsweise nur bei 150 bis 160 Euro einpendelte. Wie ist dies einzuordnen? „Gerade bei Unternehmen wie Microsoft, dessen Aktie gerade sehr am Heißlaufen ist, sollte man auch prüfen, ob die Fundamentalzahlen den starken Zuwachs der Aktie decken“, meint Serkan Dizbay, Chief Technology Officer (CTO) bei Inno Invest.
Zu den fundamentalen Daten zählen insbesondere das Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches den Aktienkurs mit dem Gewinn je Aktie vergleicht. „Microsoft als globales Unternehmen ist außerdem vielschichtig aufgestellt, der Aktienverlauf muss nicht unmittelbar mit dem KI-Hype zusammenhängen.“ Ein Allzeithoch ist laut Schmitt auch ein Indikator dafür, dass der Wert der betreffenden Aktie wahrscheinlich auch wieder runtergeht. „Der Börsenkurs sagt erst mal gar nichts über die Zukunft von potenziellen Gewinnen aus. Er ist aber ein Indikator dafür, dass man auch zwischenzeitlich mal eine Korrektur mitnehmen muss, damit ein bisschen die heiße Luft aus der Aktie rausgeht.“
Typische Fehler beim Investieren in KI
KI-Aktien nur wegen ChatGPT kaufen
nur auf bekannte Namen setzen
Hype mit Substanz verwechseln
Hebelprodukte als Langfrist-Investment nutzen
Diversifikation vernachlässigen
Einstieg nach starker Kursrally ohne Plan
KI könnte die Dynamik an Aktienmärkten verändern
Die unvorhersehbare Dynamik bei den Aktienmärkten, wenn es um künstliche Intelligenz geht, beruht zum Teil auch auf noch bevorstehenden Ereignissen. So ließ die Meldung aufhorchen, dass OpenAI – die Firma hinter ChatGPT – auf längere Sicht offenbar einen Börsengang plant, der das Unternehmen mit bis zu rund einer Billion Dollar bewerten könnte. Das Wie und Wann dieses Vorhabens ist noch völlig offen, es wäre auf den Börsenplätzen aber definitiv ein Novum. „Im Gegensatz zu vielen anderen Tech-Firmen ist bei OpenAI natürlich die KI das Hauptgeschäftsfeld. Und das wäre für Anleger eine spannende Option, in ein reines KI-Unternehmen investieren zu können“, so die Einschätzung von Dizbay.
Für den CTO ist der Ausblick auf die weitere KI-Entwicklung auch damit verbunden, wie gut integriert die entsprechenden Prozesse rund um die Technologie sind. „Grundsätzlich würde ich als Anleger darauf achten, dass Unternehmen auch selber in der Lage sind, KI zu handhaben, und nicht nur punktuell einsetzen. Mit der richtigen Expertise können sie die Dynamik der Technologie auch besser mittragen.“
Für eine längerfristige Anlage mit KI-bezogenen Finanzprodukten lohnt es sich also auch, die Unternehmensstrategien genauer zu ergründen. „Inno Invest“-Geschäftsführer Schmitt warnt außerdem vor zu hohen Renditeversprechungen. „Ich glaube, dass durch diesen Hype auch spezielle Produkte auf den Markt gekommen sind, um den Hype zu bedienen. Und man sollte sich als Anleger informieren, was da für Produkte verwendet werden, um so was abzubilden.“ Ärztinnen und Ärzte mit einer eher konservativen Investitionsvorstellung können so die Chance nutzen, an der Entwicklung von KI zu partizipieren.
Übersicht: Mit diesen Finanzprodukten lässt sich in KI investieren (eine Auswahl)
ISIN = International Securities Identification Number (internationale Wertpapierkennnummer, Identifikation für an der Börse gehandelte Wertpapiere)
Invesco Nasdaq-100 Swap UCITS ETF Dist (ISIN IE000RUF4QN8)
iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (ISIN IE00B5BMR087)
Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C (ISIN IE00BGV5VN51)
Global X Artificial Intelligence UCITS ETF USD Acc (ISIN IE0000XTDDA8)
Börse Online Künstliche Intelligenz Index (ISIN DE000SL0G7E4)
DER AKTIONÄR Künstliche Intelligenz Index (ISIN DE000SL0G7J3)
FAQ KI-Aktien
1. Lohnen sich KI-Aktien 2026 noch?
Ja, aber nur mit realistischen Erwartungen. KI bleibt ein Wachstumsfeld, trotzdem sind viele Titel bereits hoch bewertet und schwankungsanfällig.
Sind ETFs auf künstliche Intelligenz sinnvoller als einzelne KI-Aktien?
Für viele Privatanleger ja, weil das Risiko einzelner Fehlgriffe sinkt und mehrere Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette abgedeckt werden.
Welche Risiken haben KI-Aktien?
Hohe Kursschwankungen, überzogene Erwartungen, teure Bewertungen, Konkurrenzdruck und das Risiko, dass sich Investitionen langsamer auszahlen als gedacht.
Kann man in OpenAI oder ChatGPT direkt investieren?
Der direkte Zugang ist aktuell für Privatanleger in der Regel nicht einfach möglich. Meist investieren Anleger stattdessen indirekt über börsennotierte KI-Profiteure oder Themen-ETFs.
Wie viel KI sollte ins Depot?
KI sollte eher ein Baustein im Depot sein, kein Klumpenrisiko. Der Anteil hängt von Risikoprofil, Anlagehorizont und bestehender Depotstruktur ab.
Woran erkennt man, ob eine KI-Aktie zu teuer ist?
Nicht nur auf den Kurs schauen, sondern auf Bewertung, Gewinnentwicklung, Umsatzdynamik, Investitionskosten und die Frage, wie stark das KI-Geschäft tatsächlich zum Unternehmen beiträgt.