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Immobilien

(djd) Die Fassade ist seit dem Bau des Eigenheims so gut wie unverändert, auch die Fenster haben bereits mehr als 25 Jahre auf dem Buckel und die Heizung verbraucht viel mehr, als heute noch zeitgemäß ist. Vielen Hausbesitzern ist klar, dass es höchste Zeit wird für eine umfassende, energetische Sanierung. Wenn das Zuhause abbezahlt ist und man es für den nahenden Ruhestand noch einmal gründlich verschönern will, ist ein guter Zeitpunkt für die Modernisierungsarbeiten gekommen. Allerdings verbinden sich für den Laien damit zahlreiche Fragen. Bei unserer Telefonaktion standen Experten zu dem Thema Rede und Antwort.

Am Telefon saßen:

Sandra Limke, Dipl.-Ing. Maschinenbau, Fachrichtung Energietechnik, Energieberaterin mit Schwerpunkt Energieoptimierung, Landessprecherin DEN e.V. Schleswig-Holstein

Peter Ackermann-Rost, Dipl.-Ing. Bauingenieur und Energieberater, KFW-Sachverständiger, Experte für Qualitätssicherung am Bau, Landessprecher DEN e.V. Berlin

Dietmar Rieth, Dipl.-Ing. elektrische Energietechnik, Energieberater und Effizienzexperte, Schwerpunkt Anlagentechnik, Landessprecher DEN e.V. Rheinland-Pfalz

Rolf Canters, Dipl.-Ing. Bauingenieur, Energieberater mit den Schwerpunkten Baubiologie sowie Forschung und Entwicklung energieeffizienter Systeme, Fachbuchautor Innendämmsysteme und Wandheizung, Landessprecher DEN e.V. Baden-Württemberg

Auf die richtige Reihenfolge kommt es an

Eines wurde in den vielen Telefonaten immer wieder deutlich: Bevor Hauseigentümer mit Sanierungsmaßnahmen beginnen, sollten sie sich zunächst professionellen Rat holen. Sanieren ja – aber wie und womit anfangen? Bei solchen Fragen brauchen Hausbesitzer, die unsicher sind und deshalb die energetische Modernisierung des Eigenheims immer wieder verschieben, fachmännische Unterstützung. 

Übereilte Entscheidungen können nämlich ziemlich teuer werden, etwa wenn man Finanzspritzen von Vater Staat verschenkt oder so halbherzig saniert, dass die erhoffte Energieersparnis ausbleibt. Der erste Weg sollte daher am besten zu einem qualifizierten und erfahrenen Energieberater vor Ort führen, unterstrich Sandra Limke: „Der Energieberater begleitet bei der Planung der energetischen Modernisierung, unterstützt bei der Auswahl der Materialien für die Wärmedämmung und der neuen Heizungstechnik – und begleitet die Ausführung der Arbeiten auch.“

Wichtig sei es im ersten Schritt, so Sandra Limke weiter, den Ist-Zustand aufzunehmen: Wie gut ist die Gebäudehülle gedämmt, erkennbar etwa mit Aufnahmen einer Infrarotkamera. Wie alt sind Fenster und Heizungsanlage, in welchem Zustand befindet sich die Haustechnik? Auf dieser Basis kann eine empfehlenswerte Reihenfolge der Einzelmaßnahmen festgelegt werden – und eine durchdachte Planung spart Hausbesitzern bares Geld. So kann zum Beispiel die neue Heizung nach einer professionellen Wärmedämmung deutlich kleiner und damit auch günstiger dimensioniert werden.

Keine Fördermittel verschenken

Wenn es um Fördermittel geht, ist generell auch der Energieberater der erste Ansprechpartner – anschließend führt der Weg zur Hausbank, etwa um zinsgünstige Darlehen zu beantragen. Wichtig dabei ist stets: Fördermittel müssen beantragt werden, bevor die Sanierung beginnt. Und wer clever plant, kann verschiedene Maßnahmen zu Paketen bündeln. „Wenn man mehrere Einzelmaßnahmen gleichzeitig durchführt, kann man ein ,Effizienzhauspaket‘ beantragen, welches in der Regel nochmals günstigere Förderkonditionen bietet“, erläuterte Dietmar Rieth. Übrigens: Auch für die Vor-Ort-Beratung durch einen Energieberater können Hausbesitzer schon Zuschüsse in Anspruch nehmen.

Kosten stets individuell kalkulieren

Wie teuer wird die energetische Sanierung? Auch diese Frage wurde den Experten am Telefon immer wieder gestellt. Eine pauschale Antwort ist naturgemäß nicht möglich, jedes Haus und sein Modernisierungsbedarf seien anders. „Ein detailliertes Sanierungskonzept stellt sicher, dass die Maßnahmen sinnvoll aufeinander aufbauen und in der Summe ein förderfähiges Effizienzhaus ergeben“, erklärte Peter Ackermann-Rost. Neben den Kosten hängen auch die zu erwartenden Energieeinsparungen stark von vielen individuellen Faktoren ab und können nur für den Einzelfall berechnet werden. Dabei gilt die Faustformel: Je älter das Gebäude, desto größer ist in der Regel die Chance, viel Heizenergie zu sparen.

Am besten ist es, das Zuhause Schritt für Schritt energetisch zu sanieren, so wie es die eigenen Pläne und das Budget zulassen. Eine Komplettmodernisierung sei dafür nicht mehr notwendig. “Die exakten Kosten für eine Sanierungsmaßnahme ergeben sich dann durch die Angebote der Handwerker”, so Limke.

Gebäudehülle, Fenster, Heizung: Dies sind die drei wichtigsten Sanierungsmaßnahmen, an denen Hausbesitzer ansetzen können, um die laufenden Heizkosten dauerhaft zu senken. Insbesondere eine Wärmedämmung der Fassade und bei Bedarf auch des Dachgeschosses empfiehlt sich für fast jedes Altgebäude.

Wie viel Energie- und somit Kosteneinsparungen bringt die Sanierung für die Hausbesitzer? Auch diese Frage lässt sich naturgemäß nicht pauschal beantworten, sondern ist für jedes Gebäude individuell zu beurteilen. „Die Faktoren dafür sind zum Beispiel das Baujahr und die Größe des Gebäudes, der vorhandene Bauteilaufbau oder auch die in der Vergangenheit schon durchgeführten Modernisierungen. Der Energieberater ermittelt für die Eigentümer die erzielbare Einsparung“, erläutert Fachfrau Limke weiter: „Dabei gilt die Faustformel: Je älter das Gebäude, desto größer in der Regel die Chance, viel Heizenergie zu sparen.“

Nicht verkennen sollten Hauseigentümer aber auch die weiteren Vorteile, die sich mit dem Sanieren ergeben: Das Raumklima ist ganzjährig besser und ausgeglichener, der Wohnkomfort steigt – und auf lange Sicht ist für energieeffiziente Häuser auch eine positive Wertentwicklung zu erwarten.

Weitere Informationen im Internet

Energieberater aus der eigenen Region findet man beispielsweise über die Energieberatersuche des Deutschen Energieberater-Netzwerks (DEN) e.V. unter www.deutsches-energieberaternetzwerk.de. Viele grundlegende Informationen sowie Erfahrungsberichte von Hausbesitzern, die bereits saniert haben, sind unter www.dämmen-lohnt-sich.de nachzulesen. Hier können Hausbesitzer auch Fachhandwerksbetriebe vor Ort finden.