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Kirchensteuer: Wie man aus der Kirche austritt – und wer trotzdem zahlen muss

von A&W Online

Kirche und Geldschein
Foto: forkART Photography - stock.adobe.com

Alle Kirchenmitglieder zahlen an ihre Kirche eine spezielle Steuer, die direkt vom Finanzamt erhoben wird. Diese Kirchensteuer entfällt erst mit dem Tod – oder dem Kirchenaustritt. Allerdings nicht für alle: Wenn der Ehepartner weiter Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist, kann sich seine Steuer sogar erhöhen.

Was genau ist die Kirchensteuer?

In Deutschland dürfen Religionsgemeinschaften die Kirchensteuer von ihren Mitgliedern zur Finanzierung der kirchlichen Ausgaben erheben. Die Organisation wird von den Finanzämtern der jeweiligen Länder durchgeführt. Die rechtliche Grundlage basiert auf Art. 140 des Grundgesetzes (GG). Demnach sind Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.

Wer muss Kirchensteuer zahlen?

In Deutschland wird die Kirchensteuer bei Personen, die einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft angehören und ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben, automatisch vom Finanzamt eingezogen. Die beiden größten staatlich anerkannten Kirchen in Deutschland sind die evangelische und die katholische.

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Die Höhe der Kirchensteuer ist nicht in jedem Fall gleich, sondern hängt mit dem Einkommen bzw. der Höhe der Lohnsteuer und mit dem Wohnort, genauer, mit dem jeweiligen Bundesland in dem man gemeldet ist, zusammen. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie 8 Prozent der Einkommensteuer, in den übrigen Bundesländern sogar 9 Prozent der Einkommensteuer.

Wie kann ich aus der Kirche austreten?

Wer keine Kirchensteuer zahlen möchte, muss aus der Kirche austreten. Der Kirchenaustritt muss bei der zuständigen Stelle persönlich und schriftlich erklärt werden. Je nach Bundesland muss der Kirchenaustritt am Amtsgericht oder am Standesamt erklärt werden. Aber keine Sorge: Die Entscheidung für den Kirchenaustritt muss nicht offengelegt werden. Der Austritt ist eine reine Formalität, deren größte Unannehmlichkeit die fällige Gebühr ist.

Können auch Kinder aus der Kirche austreten?

Wenn beide Eltern den Kirchenaustritt erklärt haben, hat das keinen Einfluss auf den Status der minderjährigen Kinder. Sind sie getauft, bleiben sie weiterhin Mitglieder der Religionsgemeinschaft. Sobald die Kinder Einkommen haben oder Lohn von einem Arbeitgeber erhalten, sind sie in der Pflicht, die Steuer an ihre Kirche zu zahlen.

Für Kinder unter 12 Jahren können die Eltern stellvertretend den Kirchenaustritt erklären. Ältere Jugendliche müssen hingegen persönlich bei der zuständigen Behörde vorstellig werden und selbst den Austritt erklären. Für die Bearbeitung des Kirchenaustritts wird eine einmalige Gebühr erhoben, die sich je nach Bundesland unterscheiden kann. Im Durchschnitt liegt sie pro Person bei etwa 30 Euro, aber auch höhere Gebühren bzw. eine kostenlose Erklärung sind möglich.

Wie hoch ist die Steuerersparnis nach dem Kirchenaustritt?

Etwa 300.000 Menschen treten pro Jahr aus der Kirche aus. Der am häufigsten genannte Grund für den Kirchenaustritt ist die Steuerersparnis. Im Durchschnitt liegt sie bei einem Arbeitnehmer bei rund 300 Euro im Jahr.

Welche Folgen hat der Kirchenaustritt?

Wer aus der Kirche ausgetreten ist, spart sich aber nicht nur die Steuer, sondern wird tatsächlich von der Religionsgemeinschaft ausgeschlossen. Das bedeutet, dass Kinder nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen dürfen. Erwachsene müssen damit rechnen, dass sie bei Stellenausschreibungen von kirchlichen Trägern keine Chance haben. Und auch wer gerne die Kommunion empfangen, Taufpate werden möchte oder gerne einen Pfarrer an seinem Grab hätte, muss darauf verzichten.

Ab wann ist der Austritt steuerlich wirksam?

Mit dem Austritt aus der Kirche endet als Erstes die Pflicht, Kirchensteuer zu zahlen. Der Steuerpflichtige sollte allerdings nicht vergessen, auch eine entsprechende Erklärung an seinen Arbeitgeber weiterzureichen. Außerdem wird die Kirchensteuer exakt bis zum Tag des Austritts noch erhoben. Man sollte beim nächsten Steuerbescheid überprüfen, ob das Finanzamt die Kirchensteuer tatsächlich nur für diesen Teil des Jahres, in dem man noch in der Kirche war, berechnet hat.

Nachdem der Arbeitgeber informiert wurde, muss man zudem darauf achten, dass der Kirchenaustritt auch auf der Lohnsteuerkarte vermerkt wird. Ist das nicht der Fall, wird die Kirchensteuer weiter erhoben. Um den Austritt gegebenenfalls nachweisen zu können, sollte man die Bestätigung der Behörde, dass man ausgetreten ist, also gut aufheben.

Warum muss der Ehepartner nach Austritt noch Kirchensteuer zahlen?

Was ist Kirchengeld?

Ein Beispiel: Eine gut verdienende Ärztin ist aus der Kirche ausgetreten. Ihr Ehemann, der als Angestellter ein geringeres Gehalt bekommt, ist weiter Mitglied. Die beiden lassen sich steuerlich gemeinsam veranlagen. Da zur Berechnung des Beitrags an die Kirche das gemeinsame zu versteuernde Einkommen berücksichtigt wird, zahlt der Mann mehr als zuvor. Denn zuvor wurde die Hälfte der Kirchensteuer seiner Partnerin zugerechnet.

Dies gilt allerdings nicht in allen Regionen Deutschlands: Das besondere Kirchgeld verlangen die römisch-katholischen Bistümer außerhalb Bayerns, Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalens sowie alle evangelischen Landeskirchen bis auf die bayerische.

Kann man Kirchensteuer von der Steuer absetzen?

Die gute Nachricht für alle, die noch zahlen müssen: Kirchensteuer ist wie Spenden in voller Höhe steuerlich absetzbar. Sie wird bei den Sonderausgaben geltend gemacht und entsprechend dem Steuersatz gibt es eine Steuererstattung. Ausgenommen ist allerdings die Kapitalertragsteuer, die Banken automatisch einbehalten, sobald der jährliche Freibetrag auf Zins- und Dividendeneinkünfte überschritten ist. Bei der Berechnung berücksichtigt das Geldinstitut die Kirchensteuer automatisch.

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