Finanzamt

Steuern sparen: Wie Ärzte Berufskleidung absetzen können

Ärzte können nicht nur ihre Berufskleidung von der Steuer absetzen, sondern auch die dazugehörigen Reinigungskosten. Damit das Finanzamt die Abzugsfähigkeit anerkennt, muss man allerdings einige Regeln beachten.

Wenn es um die Hygiene geht, steht der Chef in der Pflicht: Soweit Mitarbeiter gesetzlich verpflichtet sind, spezielle Schutzkleidung bei der Arbeit zu tragen, muss der Arbeitgeber die Kosten dafür übernehmen. So entschied das Bundesarbeitsgericht. Anders sieht das bei klassischer Berufskleidung aus. Der Arbeitgeber übernimmt die Aufwendungen entsprechend der Regelungen im Arbeitsvertrag oder dem geltenden Tarifvertrag. Soweit ist noch alles klar geregelt. Anders erscheint dies schon bei der Frage nach der steuerlichen Absetzbarkeit von Arztkittel oder Praxiskleidung.

Was der Fiskus als Arbeitskleidung akzeptiert

Der Fiskus hat seine eigene Definition, was alles unter die Kategorie Berufs- oder Arbeitskleidung fällt. Sobald die Kleidung theoretisch auch im Alltag passt, streicht das Finanzamt den Steuerabzug (Bundesfinanzhof, AZ.: IV R 13/90). Faustregel: Sobald ein Kleidungsstück im großen Umfang auch außerhalb der Berufsausübung tragbar ist, sind die Aufwendungen für ihre Anschaffung nicht abzugsfähig. Und zwar selbst dann nicht, wenn ein Arzt die besagten Stücke fast ausschließlich während der Praxiszeiten trägt (vgl. dazu BFH Az. IV R 91 – 92/87).

Farbenlehre fürs Finanzamt

Ausnahme ist zum Beispiel die weiße Kleidung in den Heilberufen. Der aktuelle Trend, in der Praxis auch mal etwas Farbe zu zeigen, könnte dieses Privileg jedoch zunichtemachen. Wer also, um den Anschein des „Halbgottes in Weiß“ zu vermeiden, lieber im dunkelblauen oder roten Polohemd seinen Dienst am Patienten versieht, muss mit abschlägigen Bescheiden seitens des Fiskus rechnen.

Berufsbekleidung ist vielfach zum Schutz ihres Trägers oder auch aus Hygienegründen vorgeschrieben. Bei niedergelassenen Ärzten dürften – abgesehen von Handschuhen und Mundschutz – aber vor allem Identifikationsgründe oder die Corporate Identity der eigenen Praxis eine Rolle spielen. Hier gilt es, gut zu argumentieren, warum auch ein Arzt, statt ganz in Weiß zu arbeiten, Mut zur Farbe zeigen darf.

Strikte Voraussetzungen für die Absetzung

Wenn der Name der Praxis darauf gedruckt ist, akzeptiert der Fiskus das Poloshirt oder den Pullover aber in der Regel als Arbeitskleidung. Das Emblem sollte allerdings gut sichtbar positioniert sein, um keine Zweifel aufkommen zu lassen. Tipp: Um den Charakter des Kleidungsstücks zu belegen, können Steuerzahler ein Foto zur Dokumentation ihrer Einkommensteuererklärung beilegen.

Kaufpreis für Praxiskeidung voll absetzbar

Ist die Anerkennung als „typische Berufskleidung“ erst einmal geschafft, sind Niedergelassene allerdings im Vorteil. In diesem Fall lassen sich nämlich nicht nur die Anschaffungskosten steuerlich geltend machen. Auch die Reinigungskosten sind grundsätzlich als Betriebskosten absetzbar.

Wer extern waschen lässt, sollte aber darauf achten, dass die Quittung der Textilreinigung das Kleidungsstück ausdrücklich benennt und als Berufskleidung identifiziert. Ärzte, die ihre Kittel lieber in der heimischen Waschmaschine sauber halten, dürfen ihre Kosten ebenfalls absetzen, müssen diese allerdings schätzen.

Dabei können sie neben den unmittelbaren Kosten für Wasser und Strom auch Ausgaben für Waschmittel und Weichspüler sowie die anteiligen Abnutzungs- und Wartungskosten für Waschmaschine, Trockner und Bügeleisen/Mangel angeben. Erfreulich: Ob der Kittel zusammen mit privater Wäsche in die Trommel kommt, spielt für die steuerliche Anerkennung der Reinigungskosten keine Rolle.

Die Anschaffungskosten der Waschmaschine können über einen Zeitraum von zehn Jahren also abgeschrieben werden. Die Abrechnung der Tonnen erfolgt nach den Erfahrungswerten der Berufs- und Verbraucherverbände. Eine Waschmaschine schafft rund fünf Kilo Bunt- und Kochwäsche, etwa 2,5 Kilo Pflegeleicht. Der Lauf einer Maschine kostet in einem Zwei-Personen-Haushalt geschätzt 50 Cent pro Kilogramm Kochwäsche auf 90 Grad, trocknen zwischen 26 und 34 Cent je nach Trockner und Bügeln dann fünf Cent.

So berechnet sich der steuerlich absetzbare Betrag

Beispiel: Ein Arzt lebt mit seiner Frau zusammen. Er verbraucht sechs Kilo 90-Grad-Wäsche in der Woche, die in einen Trockner kommt und dann noch gebügelt wird. Er rechnet so: 48 Wochen arbeitet er im Jahr: 48 x 0,50 Euro x 6 Kilo plus 48 x 0,26 Euro x 6 Kilo plus 48 x 0,05 Euro x 6 Kilo ergibt 233,28 Euro. Den Betrag kann er allein für seine Kochwäsche in der Steuererklärung eintragen. Das gilt für den selbstständigen Praxisinhaber wie auch jeden Arbeitnehmer.

Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen sind folgende Werte realistisch:

Wäschepflege-Gesamtkosten – bezogen jeweils auf 1 kg Wäsche
Wäschepflege-Gesamtkosten im Haushalt 1-Person 2-Personen 3-Personen 4-Personen
Kochwäsche 95ºC 0,77 € 0,50 € 0,43 € 0,37 €
Buntwäsche 60ºC 0,76 € 0,48 € 0,41 € 0,35 €
Feinwäsche, Pflegeleicht 0,88 € 0,60 € 0,53 € 0,47 €
Trocknungskosten gesamt  (Kondensationstrockner) 0,55 € 0,34 € 0,29 € 0,24 €
Trocknungskosten gesamt (Ablufttrockner) 0,41 € 0,26 € 0,23 € 0,19 €
Bügelkosten 0,07 € 0,05 € 0,05 € 0,05 €

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband unter http://bit.ly/1jLn97S (Stand: November 2015)

Pauschbetrag in der Steuererklärung

Wer die Rechnerei und das fleißige Sammeln der Belege vermeiden will, trägt alternativ einen Pauschbetrag von 110 Euro in seiner Steuererklärung ein. Dies allerdings auch nur dann, wenn er tatsächlich Aufwendungen für klassische Arbeitskleidung zu tragen hat. Damit sind dann die Anschaffungs- wie auch die Reinigungskosten bis zur Reparatur komplett abgedeckt. „Die Finanzbeamten prüfen erfahrungsgemäß bis zu dieser Höhe nichts nach. Ein Rechtsanspruch auf diesen Betrag allerdings besteht nicht“, so Ecovis-Experte Kurz.

Surftipp: Formulare zur Ermittlung der Reinigungskosten von Berufskleidung im privaten Haushalt können Sie sich im Internet auch unter der folgenden Adresse herunterladen: http://www.gruenderlexikon.de/magazin/vorlage-reinigungskosten-fuer-berufsbekleidung

 

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