Trend „Abnehmspritze“: Wirkung, Anwendung und Grenzen
Marcus Sefrin und Wiebke Pfohl„Abnehmspritze“ ist zum Schlagwort geworden. Hinter dem Begriff stehen jedoch unterschiedliche Wirkstoffe, klare Indikationen und nicht zuletzt erhebliche Kosten.
Wie funktionieren die sogenannten Abnehmspritzen?
Bei den Wirkstoffen in den Abnehmspritzen handelt es sich um pharmakologisch angepasste Moleküle, die die Wirkung von Darmhormonen imitieren, sogenannte Inkretinanaloga. Derzeit auf dem Markt sind Rezeptoragonisten des Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) und ein dualer Rezeptoragonist von GLP-1 und dem Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptid (GIP, auch glukoseabhängiges insulinotropes Peptid genannt). GLP-1-Rezeptoragonisten unterstützen die Gewichtsabnahme, indem sie das Sättigungsgefühl verstärken, das Hungergefühl senken und die Magenentleerung verlangsamen. Auch GIP-Rezeptoragonisten helfen, das Hungergefühl zu reduzieren und das Körpergewicht zu senken.
Abnehmspritze: Welche Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen?
Drei Wirkstoffe für Abnehmspritzen sind zurzeit in Deutschland zugelassen: die GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und Liraglutid sowie der duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid (Stand Mai 2026).
Die S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ geht auf Semaglutid und Liraglutid im Kapitel Pharmakotherapie ausführlich ein (Tirzepatid war noch nicht zugelassen, als die Leitlinie erstellt wurde). Deren Einsatz könne zur Unterstützung der Adipositastherapie erfolgen, wenn die patientenindividuellen Therapieziele einer klinisch signifikanten und nachhaltigen Gewichtsreduktion mittels multimodaler Basistherapie aus Ernährungs-, Bewegungs- oder Verhaltenstherapie nicht erreicht oder aufrechterhalten werden können. Der Erfolg solle regelmäßig evaluiert werden, es trete eine große interindividuelle Variabilität in Bezug auf das Ansprechen auf die Medikation und den damit einhergehenden Gewichtsverlust auf, so die Leitlinie.
Die Anfänge und Zulassung der Abnehmspritze
Bereits seit 2015 ist der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid mit der Dosierung von bis zu 3,0 mg für die Behandlung der Adipositas ab einem BMI ≥ 27 kg/m² mit Begleiterkrankung oder einem BMI ≥ 30 kg/m² ohne Begleiterkrankungen zugelassen, der Handelsname ist Saxenda®. Liraglutid wird anders als Semaglutid und Tirzepatid einmal täglich appliziert.
Als Trend boomt die Abnehmspritze allerdings erst seit den frühen 2020ern. Im Jahr 2021 wurde für den einmal wöchentlich zu applizierenden GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid eine Formulierung mit bis zu 2,4 mg zur Gewichtsregulierung zugelassen. In der EU folgte die Zulassung Anfang 2022, sie umfasst den Einsatz bei Patienten mit einem BMI ≥ 30 kg/m² sowie bei Patienten mit einem BMI von ≥ 27 kg/m² und mindestens einer gewichtsassoziierten Begleiterkrankung. Seit 2023 ist Semaglutid 2,4 mg als Wegovy® in dieser Indikation in Deutschland auf Rezept erhältlich.
Seit Ende 2023 ist der duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid (Mounjaro®) in der EU zur Gewichtskontrolle bei Adipositas und bei übergewichtigen Erwachsenen mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen und einem BMI ≥ 27 kg/m² zugelassen.
Abnehmspritze: Ursprung als Diabetesmedikament
GLP-1-Rezeptoragonisten wurden als Antidiabetika entwickelt. Erster Vertreter der Klasse war das 2006 in der EU zugelassene Exenatid, Liraglutid folgte 2009. Dieser Wirkstoff war nicht nur der erste GLP-1-Rezeptoragonist mit einem dedizierten Studienprogramm für Patienten mit Adipositas, sondern 2016 auch der erste, zu dem positive kardiovaskuläre Endpunktdaten bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und vorbestehender Herzerkrankung oder entsprechenden Risikofaktoren gezeigt wurden. Semaglutid war der dritte nur noch einmal wöchentlich zu verabreichende GLP-1-Rezeptoragonist, der in der EU zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen wurde und kam in dieser Indikation 2018 als Ozempic® auf den Markt. Tirzepatid wurde 2022 zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen.
Deutliche Gewichtsreduktionen bei Erwachsenen mithilfe der Abnehmspritzen
Liraglutid erzielte in seinen Zulassungsstudien des SCALE-Programms bei erwachsenen Patienten ohne Diabetes, aber mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) oder Übergewicht (BMI ≥ 27 kg/m² bis < 30 kg/m²) und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung eine mittlere Gewichtsreduktion von 8,0 Prozent des Ausgangsgewichts nach 56 Wochen, signifikant mehr als in der Placebogruppe, in der die Patienten im Mittel 2,6 Prozent ihres Gewichts verloren.
Semaglutid 2,4 mg zeigte eine höhere Gewichtsreduktion als Liraglutid, was nicht nur die Aufmerksamkeit der Fachwelt, sondern auch der Öffentlichkeit auf die Abnehmspritzen lenkte. In der Phase-3-Studie STEP 1 sank das Körpergewicht bei der gleichen Patientengruppe im Mittel nach 68 Wochen um 14,9 Prozent gegenüber dem Ausgangswert und damit signifikant stärker als in der Placebogruppe, in der die Patienten durchschnittlich 2,4 Prozent an Gewicht verloren. 50,5 Prozent der Teilnehmer im Semaglutid-Arm konnten ihr Gewicht um mindestens 15 Prozent senken, mit Placebo gelang diese Reduktion nur 4,9 Prozent. In beiden Armen der Studie erhielten die Teilnehmer als Basistherapie eine Lebensstil-Intervention.
Tirzepatid konnte in der Studie SURMOUNT-1 in diesem Patientenkollektiv ohne Diabetes, aber mit Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung, über 72 Wochen in der Dosis 5 mg eine mittlere Gewichtsreduktion um 15,0 Prozent, in der Dosis 10 mg um 19,5 Prozent und in der Dosis 15 mg um 20,9 Prozent erzielen, verglichen mit einem Minus von 3,1 Prozent mit Placebo. Die Studiendauer beinhaltet einen 20-wöchigen Zeitraum, in dem die Dosis des GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten schrittweise gesteigert wurde.
Gewichtsverlust bei Kindern und Jugendlichen durch die Abnehmspritze
Zu Liraglutid 3,0 mg liegen auch Daten zu Jugendlichen und Kindern vor. 2021 wurde die Zulassung auf 12- bis 17-Jährige ausgeweitet, 2025 auf 6- bis 11-Jährige. Bei 12- bis 18-Jährigen mit Adipositas sank der BMI über 56 Wochen mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten um 4,64 Prozent stärker als mit Placebo, jeweils zusätzlich zu einer Therapie des Lebensstils. In der Studie SCALE Kids kam es bei Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren mit extremer Adipositas nach 56 Wochen zu einer signifikanten Reduktion des BMI um im Mittel 5,8 Prozent verglichen mit einer Zunahme von 1,6 Prozent mit Placebo.
Für Semaglutid 2,4 mg hat die Studie STEP TEENS bei Jugendlichen im Alter von 12 bis unter 18 Jahren mit Adipositas zusammen mit einer Lebensstil-Intervention nach 68 Wochen eine mittlere Veränderung des BMI von -16,1 Prozent verglichen mit +0,6 Prozent unter Placebo gefunden. Das Medikament ist auch für Jugendliche ab 12 Jahren bei Adipositas und einem Gewicht über 60 kg zugelassen.
Zu Tirzepatid laufen ebenfalls Studien bei jüngeren Altersgruppen für den Einsatz bei Adipositas und gewichtsbedingten Komorbiditäten. Zur Behandlung des Typ-2-Diabetes ist das Medikament bereits für Jugendliche und Kinder ab zehn Jahren zugelassen, zum Gewichtsmanagement derzeit nur für Erwachsene.
Die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie in der S3-Leitlinie zur „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ (von 2019) wurden im Mai 2026 vorzeitig aktualisiert, wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben. Die Evidenz habe sich seit 2019 grundlegend weiterentwickelt: Studien zeigen klinisch relevante Effekte einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten auf Körpergewicht und kardiometabolische Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen. Die Leitliniengruppe verabschiedete zwei neue Empfehlungen. Ab dem zugelassenen Mindestalter könne eine medikamentöse Therapie als Ergänzung einer Lebensstilintervention in Betracht gezogen werden. Außerdem solle bei Kindern und Jugendlichen mit extremer Adipositas und anhaltender Gewichtszunahme eine medikamentöse Therapie in spezialisierten Zentren unter klar definierten Kriterien erwogen werden.
Studien zu Abnehmspritzen: kardiovaskuläre Endpunktdaten
Einfluss haben die Abnehmspritzen laut Studien auch auf kardiovaskuläre Ereignisse. So hat etwa Semaglutid 2,4 mg in der SELECT-Studie bei Patienten mit Adipositas oder Übergewicht, aber ohne Diabetes, die Inzidenz von Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod signifikant um 20 Prozent gegenüber Placebo reduziert.
In der kardiovaskulären Outcome-Studie SURPASS-CVOT wurde die Nicht-Unterlegenheit von Tirzepatid gegenüber dem GLP-1-Rezeptoragonisten Dulaglutid getestet. Dulaglutid hatte in der REWIND-Studie einen signifikanten kardiovaskulären Nutzen gezeigt. Der primäre Endpunkt in SURPASS-CVOT – eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall – trat in der Tirzepatid-Gruppe bei 12,2 Prozent der Patienten auf, in der Dulaglutid-Gruppe bei 13,1 Prozent (Hazard Ratio 0,92, 95,3 %-Konfidenzintervall 0,83–1,01). An SURPASS-CVOT nahmen allerdings Erwachsene mit Typ‑2‑Diabetes und etablierter atherosklerotischer Herz‑Kreislauf‑Erkrankung teil; der mittlere BMI der Teilnehmer lag bei 32,6 kg/m². Eine Studie zu Tirzepatid zur Reduktion der Morbidität und Mortalität bei Erwachsenen mit Adipositas läuft mit SURMOUNT-MMO derzeit noch.
In der SUMMIT-Studie führte Tirzepatid bei Patienten mit Adipositas und Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion zu einem im Vergleich mit Placebo um 38 Prozent reduzierten Risiko für kardiovaskulären Tod oder Verschlechterung der Herzinsuffizienz.
Welche Nebenwirkungen haben die Abnehmspritzen?
Das Nebenwirkungsprofil der Inkretinanaloga ist aus dem Einsatz als Diabetesmedikament bekannt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind gastrointestinaler Natur, berichtet werden Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall. Sie treten insbesondere zu Beginn der Therapie und während der Dosiseskalation auf und werden als „mild bis moderat“ beschrieben. In der SURMOUNT-1-Studie führten die Nebenwirkungen unter Tirzepatid bei 4,3 Prozent (5 mg), 7,1 Prozent (10 mg) und 6,2 Prozent (15 mg) zu Therapieabbrüchen, im Placeboarm waren es 2,6 Prozent. In SELECT brachen 16,6 Prozent in der Semaglutid- und 8,2 Prozent in der Placebogruppe die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.
So funktioniert die Anwendung der Abnehmspritzen
Die Herkunft aus der Diabetologie bringt für Patienten ein wesentliches Merkmal mit: Die Abnehmspritze ist gar keine Spritze, sondern ein Pen. Anders als Insulin-Pens gibt es die derzeit in Deutschland verfügbaren Präparate nur als Einmal-Pen, obwohl die Therapie nach allen verfügbaren Daten dauerhaft fortgeführt werden muss, um den Gewichtseffekt aufrechtzuerhalten. Die Applikation erfolgt durch den Patienten selbst in das subkutane Fettgewebe am Bauch oder im Oberschenkel, wahlweise auch an der Rückseite der Oberarme. Die Hersteller bieten Schulungssets und -videos sowie Unterstützungsprogramme dazu an.
Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Abnehmspritzen?
Nach § 34 des Fünften Sozialgesetzbuchs darf die gesetzliche Krankenversicherung Arzneimittel zur Regulierung des Körpergewichts und zur Zügelung des Appetits nicht erstatten. Die Abnehmspritzen sind in Deutschland daher Selbstzahlerleistungen, die Kosten liegen je nach Präparat und Dosierung bei mehreren Hundert Euro. Zu Liraglutid 3,0 mg gibt es Generika auf dem deutschen Markt.
In den USA ist Semaglutid Ende 2025 auch in einer oralen Formulierung als Abnehm-Medikament zugelassen worden. Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich im Mai 2026 für eine Zulassung von Semaglutid (Wegovy®) in Tablettenform zur Gewichtsreduktion ausgesprochen.
Es laufen Studien zu weiteren dualen Rezeptoragonisten sowie zu einmal wöchentlichen Triple-Agonisten wie Retatrutid, der neben den GLP-1- und GIP- auch die Glucagon-Rezeptoren anspricht. Bei letzterem wurde erstmals bei einem Adipositas-Wirkstoff die Kategorie „Gewichtsreduktion > 30 % des Ausgangsgewichts“ in die Publikationen aufgenommen.
Weitere Medikamente zur Gewichtsreduktion in Deutschland
Neben den Abnehmspritzen ist in Deutschland nur noch Orlistat als verschreibungspflichtiges Medikament zur Gewichtsreduktion verfügbar. Es ist seit 1998 zugelassen und hat einen anderen Wirkmechanismus als die Abnehmspritzen: Es hemmt die Lipasen im Magen und oberen Dünndarm. Außerdem ist der Wirkstoff Setmelanotid als Orphan Drug zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls zugelassen – allerdings nur für Personen mit bestimmten seltenen genetischen Defekten oder Störungen.
FAQ: Die häufigsten Fragen
Ab welchem BMI kommt eine Abnehmspritze infrage – auch ohne Diabetes?
Eine medikamentöse Adipositastherapie kann für Erwachsene mit einem BMI ab 30 infrage kommen. Bei einem BMI zwischen 27 und unter 30 kann eine Behandlung möglich sein, wenn zusätzlich mindestens eine gewichtsbedingte Erkrankung oder ein weiterer Risikofaktor vorliegt, zum Beispiel Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder eine Schlafapnoe. Diabetes ist also nicht grundsätzlich Voraussetzung für die Behandlung. Entscheidend sind jedoch immer die Zulassung des konkreten Präparats, die individuelle Krankengeschichte und eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung. Der BMI allein entscheidet nicht über die Therapie.
Wie wirkt die Abnehmspritze und warum habe ich damit weniger Hunger?
Die Wirkstoffe ahmen körpereigene Darmhormone nach oder verstärken deren Wirkung. Dadurch kann das Sättigungsgefühl früher einsetzen, der Appetit abnehmen und die Magenentleerung verlangsamt werden. Betroffene essen deshalb häufig kleinere Portionen und verspüren weniger starkes Verlangen nach Nahrung. Wegovy und Ozempic enthalten beispielsweise den Wirkstoff Semaglutid, der zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten gehört. Mounjaro enthält Tirzepatid, das an zwei hormonellen Signalwegen ansetzt. Die Medikamente wirken nicht bei allen Menschen gleich stark und ersetzen keine Ernährungs- und Bewegungstherapie.
Wie viel kann man mit einer Abnehmspritze abnehmen und wie lange dauert es?
Wie stark das Gewicht sinkt, ist individuell unterschiedlich. In klinischen Studien wurden je nach Wirkstoff, Dosierung und Studiendauer durchschnittliche Gewichtsabnahmen im zweistelligen Prozentbereich beobachtet. Diese Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf jede einzelne Person übertragen.
Die Dosis wird meist schrittweise gesteigert. Deshalb setzt der Gewichtsverlust häufig nicht sofort in vollem Umfang ein. Ob die Behandlung ausreichend wirksam und verträglich ist, sollte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.
Welche Nebenwirkungen und Risiken hat die Abnehmspritze?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen sollen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, wie zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Bauchschmerzen gehören. Die Beschwerden treten den Berichten zufolge besonders häufig zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosissteigerung auf und können sich im weiteren Verlauf bessern. Seltener wird auch von Nebenwirkungen wie Gallensteine, Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Flüssigkeitsmangel durch anhaltendes Erbrechen und Durchfall berichtet. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Insulin oder bestimmten Diabetesmedikamenten könne außerdem das Risiko für Unterzuckerungen steigen.
Grundsätzlich gilt: Mögliche Risiken und wichtige Vorsichtsmaßnahmen hängen aber immer vom jeweiligen Präparat und der individuellen Krankengeschichte ab. Genau deshalb sollte man mögliche Risiken und Nebenwirkungen vorab mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Was kostet die Abnehmspritze im Monat und zahlt die Krankenkasse?
Die Kosten hängen unter anderem vom Präparat, der Dosierung und der Packungsgröße ab. Bei einer privaten Behandlung als Selbstzahler können erhebliche monatliche Kosten entstehen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Arzneimittel zur Gewichtsregulierung in Deutschland grundsätzlich nicht regelhaft. Eine Kostenübernahme kann jedoch von der Diagnose, dem konkreten Präparat und der zugelassenen Anwendung abhängen. Die Bedingungen sollten vor Beginn der Behandlung mit der Krankenkasse und der behandelnden Praxis geklärt werden.
Warum bezahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze nicht?
In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Medikamente zur Gewichtsreduktion in den meisten Fällen (noch) nicht übernommen. Ob im Einzelfall eine Kostenübernahme möglich ist, hängt unter anderem von der Diagnose, dem konkreten Präparat und der Versicherung ab. Privat Versicherte sollten die Erstattung vor Behandlungsbeginn mit ihrer Versicherung klären.
Kann mir mein Hausarzt die Abnehmspritze verschreiben oder muss ich zu einem Facharzt?
Die erste ärztliche Einschätzung kann grundsätzlich auch in einer hausärztlichen Praxis erfolgen. Bei komplexen Begleiterkrankungen oder besonderen medizinischen Fragestellungen kann eine Mitbehandlung durch eine diabetologische, endokrinologische oder auf Adipositas spezialisierte Praxis sinnvoll sein.
Wie und wie oft muss ich mir die Abnehmspritze spritzen?
Die Medikamente werden in der Regel mit einem Fertigpen unter die Haut gespritzt, meist in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Die Anwendung erfolgt je nach Präparat täglich oder wöchentlich. Wegovy, Mounjaro und Ozempic werden beispielsweise üblicherweise einmal pro Woche angewendet; andere Präparate können ein anderes Dosierungsschema haben.
Die Dosis wird meistens langsam gesteigert. Die Injektionstechnik und der Umgang mit vergessenen Dosen sollten sich Betroffene in der Arztpraxis oder Apotheke erklären lassen. Die Dosis sollte niemals eigenständig verändert werden.
Was kann ich gegen Übelkeit durch die Abnehmspritze tun und wann sollte ich zum Arzt?
Bei leichter Übelkeit können folgende Maßnahmen helfen:
kleinere Portionen essen und langsam essen
ausreichend trinken, am besten in kleinen Schlucken
sehr fettreiche, schwere oder stark gewürzte Speisen zunächst vermeiden
Alkohol möglichst vermeiden
nach dem Essen nicht sofort hinlegen
Die Dosis sollte wegen Nebenwirkungen nicht selbstständig verändert oder abgesetzt werden. Bei anhaltenden Beschwerden sollte die behandelnde Praxis kontaktiert werden. Das gilt insbesondere, wenn kaum Flüssigkeit behalten werden kann, wiederholt Erbrechen auftritt, Schwindel oder eine deutlich verringerte Urinmenge hinzukommen. Starke oder anhaltende Bauchschmerzen, insbesondere in Verbindung mit Erbrechen oder Fieber, müssen ärztlich abgeklärt werden.
Muss ich die Abnehmspritze dauerhaft nehmen oder nehme ich nach dem Absetzen wieder zu?
Nach dem Absetzen können Appetit und Körpergewicht wieder zunehmen. Wie stark dies geschieht, ist individuell unterschiedlich. Ob die Behandlung fortgeführt, beendet oder verändert wird, sollte ärztlich geplant werden.
Dieser Info-Kasten wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. Version 5.0 (Stand Oktober 2024)
Pi-Sunyer X et al. N Engl J Med 2015;373:11–22 (SCALE)
Wilding JPH et al. N Engl J Med 2021;384:989-1002 (STEP 1)
Jastreboff AM et al. N Engl J Med 2022;387:205-216 (SURMOUNT-1)
Kelly AS et al. N Engl J Med 2020;382:2117-2128 (Adolescents)
Fox CK et al. N Engl J Med 2025;392:555-565 (SCALE Kids)
Weghuber D et al. N Engl J Med 2022; 387:2245–57 (STEP TEENS)
Lincoff AM et al. N Engl J Med 2023;389:2221-2232 (SELECT)
Nicholls SJ et al. N Engl J Med 2025;393:2409-2420 (SURPASS-CVOT)
Packer M et al. N Engl J Med 2025;392:427-437 (SUMMIT)
Jastreboff AM et al. N Engl J Med 2023;389:514-526 (Retatrutide)
Wichtiger Hinweis für Patienten: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Die genannten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig und dürfen nur nach ärztlicher Verordnung und entsprechend der jeweils gültigen Fach- und Gebrauchsinformation angewendet werden. Zulassungen, Anwendungsgebiete, Dosierungen, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Preise und Erstattungsbedingungen können sich ändern. Maßgeblich sind die aktuellen Produktinformationen und die individuelle ärztliche Beurteilung. Eine Behandlung sollte nicht eigenständig begonnen, verändert oder beendet werden.