Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
FAQ & Glossar
Inhaltsverzeichnis

Was ist der Break-even-Point?

Der Break-even-Point bezeichnet den Punkt, an dem Erlöse und Gesamtkosten genau gleich hoch sind. An diesem Punkt entsteht weder Gewinn noch Verlust. Er wird auch als Gewinnschwelle bezeichnet. Erst wenn der Break-even-Point überschritten wird, beginnt die Gewinnzone. Wird er unterschritten, entsteht ein Verlust.

Für Arztpraxen ist der Break-even-Point ein wichtiges betriebswirtschaftliches Instrument, um zu beurteilen, ab wann sich eine Investition, eine neue Leistung oder die Praxis insgesamt wirtschaftlich trägt.

Definition: Break-even-Point

Der Break-even-Point ist die Umsatz- oder Leistungsmenge, bei der die Erlöse exakt den Gesamtkosten entsprechen. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus:

  • fixen Kosten

  • variablen Kosten

Wird der Break-even-Point erreicht, sind alle Kosten gedeckt. Erst bei einer höheren Leistungsmenge oder einem höheren Umsatz wird Gewinn erzielt. Das Verfahren dient dazu, die wirtschaftliche Mindestleistung eines Unternehmens oder einer Investition zu bestimmen.

Break-even-Point einfach erklärt

Der Break-even-Point beantwortet eine zentrale betriebswirtschaftliche Frage: Ab wann ist eine Investition oder Leistung wirtschaftlich sinnvoll? Das kann sich in einer Arztpraxis auf verschiedene Bereiche beziehen, etwa:

  • die gesamte Praxis

  • eine Praxisgründung oder -übernahme

  • ein medizinisches Gerät

  • eine neue Selbstzahlerleistung

  • zusätzliches Personal

  • eine Erweiterung der Praxisräume

  • Digitalisierungslösungen

  • Kooperationen oder neue Versorgungsangebote

Solange die Einnahmen unter den Kosten liegen, befindet sich die Praxis in der Verlustzone. Am Break-even-Point sind die Kosten gedeckt. Erst darüber hinaus entsteht Gewinn.

Warum ist der Break-even-Point für Ärzte wichtig?

In Arztpraxen sind viele Entscheidungen mit hohen Fixkosten und langfristigen Investitionen verbunden. Der Break-even-Point hilft, diese Entscheidungen wirtschaftlich fundiert zu treffen.

Typische Fragestellungen sind:

  • Ab welchem Umsatz trägt sich eine Praxis?

  • Wie viele Patientenkontakte sind notwendig, um die Fixkosten zu decken?

  • Lohnt sich die Anschaffung eines neuen Geräts?

  • Wie verändert sich die Gewinnschwelle bei steigenden Kosten?

  • Welche Auswirkungen hat eine geringere Auslastung?

Die Break-even-Analyse macht sichtbar, welche Mindestleistung erforderlich ist, damit eine Praxis wirtschaftlich stabil arbeitet.

Welche Kosten fließen in den Break-even-Point ein?

Fixe Kosten

Fixkosten fallen unabhängig von der Leistungsmenge an. Dazu gehören:

  • Miete

  • Gehälter und Lohnnebenkosten

  • Versicherungen

  • Leasingraten

  • Abschreibungen

  • Softwarekosten

  • Verwaltungskosten

  • Finanzierungskosten

  • Grundkosten für Energie und Reinigung

Variable Kosten

Variable Kosten hängen von der Anzahl der erbrachten Leistungen ab. Beispiele sind:

  • Verbrauchsmaterialien

  • Laborkosten

  • Einmalinstrumente

  • Medikamente

  • externe Dienstleistungen

  • leistungsabhängige Abgaben

  • zusätzliche leistungsabhängige Personalkosten

Der Break-even-Point ist erreicht, wenn die Erlöse beide Kostenarten vollständig decken.

Wie berechnet man den Break-even-Point?

Die Berechnung erfolgt in zwei Schritten:

  • 1. Deckungsbeitrag berechnen: Deckungsbeitrag = Preis pro Leistung – variable Kosten pro Leistung

  • 2. Break-even-Menge berechnen: Break-even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Leistung

Der Deckungsbeitrag zeigt, welchen Beitrag jede einzelne Leistung zur Deckung der Fixkosten leistet. Je höher der Deckungsbeitrag und je niedriger die Fixkosten, desto schneller wird die Gewinnschwelle erreicht.

Beispiel: Break-even-Point in der Arztpraxis

Eine Praxis investiert in ein neues Diagnosegerät. Die monatlichen Fixkosten betragen 2.000 Euro. Pro Untersuchung werden 80 Euro erlöst, die variablen Kosten liegen bei 20 Euro.

Deckungsbeitrag pro Untersuchung: 60 Euro. Break-even-Menge: 2.000 Euro / 60 Euro = rund 34 Untersuchungen pro Monat

Die Praxis muss also etwa 34 Untersuchungen durchführen, um die Kosten zu decken. Ab der nächsten Untersuchung entsteht Gewinn.

Break-even-Point einer gesamten Arztpraxis

Der Break-even-Point kann auch für die gesamte Praxis berechnet werden. Dabei wird ermittelt, welcher Umsatz notwendig ist, um alle laufenden Kosten zu decken. Dazu zählen:

  • Personalkosten

  • Raumkosten

  • Materialkosten

  • Verwaltungskosten

  • Versicherungen

  • Finanzierungskosten

  • Steuern und Abgaben

  • Abschreibungen

  • kalkulatorischer Unternehmerlohn

Diese Berechnung ist besonders wichtig bei Praxisgründungen, Übernahmen oder größeren Investitionen.

Was passiert oberhalb und unterhalb des Break-even-Points?

Unterhalb der Gewinnschwelle: Die Einnahmen reichen nicht aus, um die Kosten zu decken. Es entsteht ein Verlust.

Am Break-even-Point: Die Kosten sind vollständig gedeckt. Es entsteht weder Gewinn noch Verlust.

Oberhalb des Break-even-Points: Die Praxis erwirtschaftet Gewinn. Zusätzliche Leistungen tragen – nach Abzug der variablen Kosten – direkt zum Ergebnis bei.

Wie können Arztpraxen den Break-even-Point verbessern?

  1. Fixkosten senken: Zum Beispiel durch bessere Vertragskonditionen, effizientere Organisation oder reduzierte Verwaltungskosten.

  2. Variable Kosten optimieren: Etwa durch bessere Einkaufspreise, optimierte Prozesse oder geringeren Materialverbrauch.

  3. Erlöse steigern: Durch höhere Auslastung, bessere Terminplanung oder zusätzliche wirtschaftlich sinnvolle Leistungen.

  4. Deckungsbeitrag erhöhenDurch höhere Preise, geringere variable Kosten oder effizientere Abläufe. Ein verbesserter Deckungsbeitrag führt dazu, dass die Gewinnschwelle schneller erreicht wird.

Typische Fehler bei der Break-even-Berechnung

Häufige Fehler sind:

  • Fixkosten werden unterschätzt

  • variable Kosten werden unvollständig erfasst

  • Auslastung wird zu optimistisch geplant

  • Nebenkosten von Investitionen fehlen

  • Wartung, Schulung oder Softwarekosten werden nicht berücksichtigt

  • Zahlungsausfälle werden ignoriert

  • der kalkulatorische Unternehmerlohn wird nicht einbezogen

Eine realistische Kalkulation ist entscheidend für belastbare Ergebnisse.

Die häufigsten Fragen

FAQ zum Break-even-Point

Was bedeutet Break-even-Point einfach erklärt?

Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem Einnahmen und Kosten genau gleich hoch sind. Es entsteht weder Gewinn noch Verlust.

Was ist die Gewinnschwelle?

Die Gewinnschwelle ist die deutsche Bezeichnung für den Break-even-Point. Sie markiert den Übergang von der Verlust- zur Gewinnzone.

Warum ist der Break-even-Point für Ärzte wichtig?

Er zeigt, ab welchem Umsatz oder welcher Leistungsmenge eine Praxis oder Investition wirtschaftlich tragfähig ist.

Wie berechnet man den Break-even-Point?

Die Fixkosten werden durch den Deckungsbeitrag pro Leistung geteilt. Der Deckungsbeitrag ergibt sich aus Erlös minus variable Kosten.

Was bedeutet „schwarze Null“?

Die schwarze Null beschreibt den Zustand, in dem alle Kosten gedeckt sind, aber noch kein Gewinn entsteht.

Kann der Break-even-Point für einzelne Leistungen berechnet werden?

Ja. Die Berechnung ist sowohl für einzelne Geräte oder Leistungen als auch für die gesamte Praxis möglich.