Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Medizin trifft Zahnmedizin: Der interdisziplinäre Podcast

Das Verhalten kann einen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen haben. Positiv wirken etwa gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, negativ ein hoher Alkohol- oder Tabakkonsum. Aber auch soziale Faktoren, wie Bildung oder soziale Einbindung können die Gesundheit beeinflussen, wie etwa das RKI berichtet. Laut dem STADA Health Report 2025 schätzen allerdings nur etwa die Hälfte der Deutschen ihren Lebensstil als gesund ein. Die gute Nachricht: 76 Prozent der Befragten vertrauen beim Thema Gesundheit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin.

Welche Verhaltensänderungen können Mediziner und Zahnmediziner also ihren Patientinnen und Patienten für eine besser Mund- und Allgemeingesundheit empfehlen? Unter anderem darüber spricht Günter Nuber, Gesamtredaktionsleiter Deutschland MedTriX Group, mit Zahnmediziner Prof. Dr. Dirk Ziebolz und Allgemeinmediziner Prof. Dr. Markus Bleckwenn.

Was liegt häufigen Erkrankungen der Mund- und Allgemeingesundheit zugrunde?

An manchen Krankheiten – etwa Parodontitis, Karies, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes – erkranken Menschen besonders häufig. Die beiden Experten diskutieren die Gründe für häufige Erkrankungen in der Zahn- und Allgemeinmedizin.

Zahnmediziner Ziebolz weist darauf hin, dass die Entstehung von oralen Erkrankungen komplexer ist, als man vor vielen Jahren noch gedacht hat. Natürlich spielen Bakterien bei der Entstehung von Karies eine entscheidende Rolle, sagt der Zahnmediziner. Patienten, die ihre Zähne weniger gut pflegen, haben eine höhere Anfälligkeit für orale Krankheiten. Aber auch viele andere Faktoren wirken sich auf die Entstehung und den Verlauf der Erkrankungen aus. “Diese Erkrankungen sind multifaktorielle Erkrankungen”, sagt Ziebolz im Podcast. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Lebensgewohnheiten, so der Zahnmediziner. Mit mundgesundem Verhalten, also mit einer gesunden Ernährung, Bewegung und einer guten Mundhygiene, könne man seine Mundgesundheit positiv beeinflussen und die Entstehung von Krankheiten verhindern oder verzögern, so Ziebolz. Das Alter spiele – besonders bei entzündlichen Erkrankungen der Mundhöhle - ebenfalls auch eine Rolle. Tipps zur Mundhygiene im Alter lesen Sie hier.

“Und auch Allgemeinerkrankungen können sich natürlich auswirken”, sagt der Zahnmediziner. Bei Parodontalerkrankungen etwa seien besonders entzündliche, systemische Erkrankungen von besonderer Bedeutung. “Dadurch, dass wir eben ein offenes System haben, bei dem sich letztendlich verschiedene Faktoren negativ niederschlagen können, ist die Mundgesundheit häufig auch ein Spiegelbild der Allgemeingesundheit. Systemische Erkrankungen können sich im Mund manifestieren, sie können Verschlechterungen bewirken, entzündungssteigernd sein, Veränderungen der Mundschleimhaut oder Mundtrockenheit bewirken.”

Außerdem sagt der Zahnmediziner: “Verschiedene Lebensgewohnheiten wirken sich negativ aus, beispielsweise das Rauchen auf die parodontalen Erkrankungen. Bei Karies wäre das eine Vielzahl auch von Medikamenten, die Mundtrockenheit begünstigen können. Und es sind genetische Faktoren. Es gibt natürlich auch genetische Grunderkrankungen, die eine Rolle spielen können.”

“Also ich sage immer grob, dass etwa ein Viertel genetisch bedingt ist. Das können wir nicht verändern. Das haben wir geerbt”, antwortet Allgemeinmediziner Bleckwenn auf die Frage von Moderator Günter Nuber nach dem Grundproblem bei Diabetes mellitus und koronaren Herzkrankheiten, “Aber 75 Prozent ist Verhalten. Also gerade in Bezug auf Herzinfarkt, Schlaganfallrisiko, also den Enderkrankungen, die ja wirklich dann lebensverkürzend sind."

Warum es Zahnmediziner Ziebolz nicht verwunderlich findet, dass manche Erkrankungen der Mundgesundheit und der Allgemeingesundheit gemeinsam auftreten, erfahren Sie im Podcast.

Was tun, um möglichst lange gesund zu bleiben?

Welche Verhaltensänderung empfehlen die beiden Experten ihren Patientinnen und Patienten? Allgemeinmediziner Bleckwenn sagt, am wichtigsten sei es, mit dem Rauchen aufzuhören. Nach dem Rauchstopp nehmen Menschen zwar häufig an Gewicht zu, aber so Bleckwenn: “Je besser Sie quasi da geholfen bekommen, desto weniger Gewicht nehmen Sie zu, also etwa drei Kilo.”

Des Weiteren sei Bewegung sei Bewegung essenziell, so der Allgemeinmediziner. "Ich versuche meine Patienten auch immer von der rein nur medikamentösen Therapie wegzulocken und zu sagen: Was kann ich denn selber machen?”, sagt Bleckwenn, “Und was ich vor allem im Alltag bei den Patienten vermisse, ist eine anhaltende, dauerhafte Bewegung. Also mindestens 30 Minuten mal am Stück gehen. Bewegung heißt nicht, ich schlendere das durch die Innenstadt, bleibe überall mal stehen, gucke dann mal in die Schaufenster. Das ist nicht die Bewegung, die ich meine. Sondern wirklich, dass man mal eine halbe Stunde am Stück (läuft) - erst dann kommt richtig der Fettstoffwechsel in Gang. Und dazu reicht meistens nicht die Innenstadt, sondern vielleicht eine schöne Strecke in der Natur.”

Zahnmediziner Ziebolz ergänzt: "Ich halte es für sinnvoll, dass bei Veränderungen der Verhaltensweise (...) die Zahnbürste noch mit dazukommt. Und man dem Patienten genauso, wie man ihnen sagt, bewege dich mehr, rauche weniger oder gar nicht, isst gesünder - all die Aspekte, die sind richtig - und achte auf deine Mundgesundheit. Diese vier Aspekt haben aus meiner Sicht alle Erkrankungen gemeinsam. Und wenn man gemeinsam schafft, an allen Schrauben ein bisschen zu drehen, wird sich das positiv, nach meiner Meinung, nicht nur auf die Mundgesundheit auswirken, sondern natürlich auch auf die Allgemeingesundheit.”

Welche Ernährung Allgemeinmediziner Bleckwenn empfiehlt, was ihm bei allen Verhaltensregeln besonders wichtig ist und wie man Patientinnen und Patienten nicht überfordert, hören Sie im Podcast.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern und Zahnmedizinern im Studium und danach

Die beiden Experten berichten außerdem über problemorientiertes Lernen an der Universität Leipzig. Die Studierenden der Humanmedizin etwa müssen in einem Kurs einen hypothetischen Fall aufklären, für den auch die zahnmedizinische Untersuchung des Patienten relevant ist, so Allgemeinmediziner Bleckwenn. “Wenn wir die Details wissen, also (wissen,) was in der Zahnarztpraxis passiert, dann können wir einen Patienten auch ganz anders fragen”, sagt Bleckwenn, “Also wenn der uns sagt: Der (Zahnarzt) hat das untersucht und das hat leicht da geblutet (...) und das sind so Taschen schon und da musste ich so ein Antibiotikum einige Tage nehmen. Dann weiß ich, wenn ich diesen Kurs hatte: Aha, die Entzündung ist schon weit fortgeschritten und die musste jetzt saniert werden. Mir ist klar, dass er jetzt regelmäßig zu Kontrollen muss. Mir ist aber auch klar, dass er dank dieser Sanierung eher eine Chance hat, dass der Diabetes jetzt besser wird.”

“Es geht natürlich auch darum, zu sensibilisieren, dass das Verständnis da ist, wenn wir eine Systemerkrankung haben, dass man an die oralen Erkrankungen denken sollte”, ergänzt Zahnmediziner Ziebolz. Denn diese oralen Erkrankungen könnten etwa einen Einfluss auf den Diabetes von Patienten haben. Es sei wichtig, so Ziebolz, dass Mediziner ihre Patienten auch zum Zahnarzt oder zur Zahnärztin schicken, wenn sie Diabetes diagnostiziert haben.

Das erworbene Wissen könnte dazu beitragen, dass bei Patienten mit Allgemeinerkrankung wie einer koronaren Herzkrankheit frühzeitig eine Parodontitis diagnostiziert werden könnte, glaubt Bleckwenn. Allgemeinmedizinerinnen und – mediziner können gezielt Fragen stellen, regelmäßig nachhaken und die Patienten motivieren, mal wieder einen Termin beim Zahnarzt auszumachen. “Entscheidend ist das gegenseitige Wissen”, sagt der Allgemeinmediziner, “Wenn ich verstanden habe, wie die Abläufe ungefähr sind, kann ich umso besser und detaillierter nachfragen.”

“Ich bin der Meinung, ihr nehmt auch wirklich eine Schlüsselrolle ein”, sagt Zahnarzt Ziebolz zu Bleckwenn, “Weil es passieren zwei Phänomene: Je älter die Patienten werden – wir reden ja bei chronischen Erkrankungen häufig natürlich auch über Erkrankungen des Alters – desto weniger wird der Zahnarzt kontrollorientiert aufgesucht. Aber der Hausarzt natürlich kontrollorientierter, weil es darum geht, die Erkrankung zu kontrollieren.” Außerdem finde ein sogenannter response shift bei den Patientinnen und Patienten statt, so Ziebolz: “Das heißt, die Patienten nehmen die schlechtere Mundgesundheit, die sie haben, gar nicht als Beeinträchtigung wahr, weil die Allgemeinerkrankung und alles, was sich darum dreht – also die Arztbesuche und die Medikamenteneinnahme und all die Sachen – viel wichtiger und bedeutsamer sind und die Mundgesundheit da eher eine untergeordnete Rolle spielt.” Daher sei die Aufklärung und Sensibilisierung der Patienten durch den Hausarzt besonders wichtig.  Es könne auch andersherum passieren, dass der Zahnarzt die Allgemeinerkrankung entdeckt und den Patienten dann zum Hausarzt schickt, so Ziebolz.

Wie hilfreich kann ein Parodontitis-Screening durch einen Hausarzt und ein Diabetes-Screening durch einen Zahnarzt sein? Ist eine zahnmedizinische Untersuchung vor Endoprothesen-Implantation sinnvoll? Wie viel wissen Allgemeinärztinnen und -ärzte über die positiven Effekte einer guten Mundgesundheit auf Diabetes und koronare Herzkrankheiten? Das uns mehr hören Sie im Podcast.

Hören Sie die Podcastfolge hier oder auf allen gängigen Podcastplattformen:

Podcast kostenlos abonnieren:

RSS, Spotify, Apple, Amazon

Stichwörter