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Angst, Überforderung und falsche Erwartungen

Hausärzte bestätigen: Ein Drittel der Patienten bricht Behandlung ab

von Marzena Sicking

Medikamente werden entsorgt
Foto: ahirao – stock.adobe.com

Angst vor Nebenwirkungen, Überforderung und falsche Erwartungen haben massive Auswirkungen auf den Behandlungsprozess. Wie eine Umfrage unter Hausärzten zeigt, hält sich ein Drittel der Patienten nicht an ärztliche Vorgaben oder bricht die Therapie ab.

Das Befolgen von ärztlichen Verordnungen und Empfehlungen ist wichtig, aber auch die Zustimmung und Mitarbeit der Patienten, kurz Adhärenz genannt, spielen eine große Rolle bei der Behandlung. Leider ist es um diese jedoch schlecht bestellt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Hausärzten und Hausärztinnen. Sie wurde im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen durchgeführt.

Mangel an Vertrauen führt zu Therapieabbruch

Nach Einschätzung der Hausärzteschaft fangen durchschnittlich 20 von 100 Patienten eine verordnete Therapie gar nicht erst an. Etwa 33 von 100 setzen sie nicht richtig um oder brechen die verordnete Therapie vorzeitig ab. 94 Prozent der Hausärzte sehen deshalb fehlende Zustimmung und Mitarbeit der Patienten als einen der wichtigsten Gründe für Therapieversagen an. Die Mehrheit der Befragten (91 Prozent) ist allerdings auch der Meinung, dass es Aufgabe der Ärzte wäre, den Patienten den Sinn der Behandlung besser zu vermitteln.

Die Gründe für eine Non-Adhärenz sind vielfältig. Personenbezogene Faktoren, wie Vergesslichkeit und Überforderung, spielen eine wesentliche Rolle, wenn Therapien nicht richtig umgesetzt werden, meinen 85 Prozent der befragten Hausärzte. Für Therapieabbrüche machen 95 Prozent der Ärzte auftretende Nebenwirkungen und ausbleibenden Behandlungserfolg verantwortlich. Fast drei Viertel der Hausärzte nennen Angst vor Nebenwirkungen als häufigste Ursache dafür, die Therapie erst gar nicht zu beginnen.

Hausärzte räumen mangelde Kontrolle ein

Trotz des Wissens um die große Bedeutung der Adhärenz, räumen 88 Prozent der Hausärzte ein, dass diese bislang nur unzureichend systematisch kontrolliert und unterstützt wird. Zugleich glauben 95 Prozent der Befragten, dass dies insbesondere bei chronischen Erkrankungen wichtig für den Therapieerfolg wäre.

Als entscheidend für eine hohe Adhärenz nennen die Befragten vor allem das Vertrauen der Patienten in den behandelnden Arzt (63 Prozent). Insbesondere in Praxen mit einem hohen Anteil an Patienten mit niedrigem Sozialstatus sei ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis überdurchschnittlich wichtig für den Behandlungserfolg. Relevant seien außerdem das Vertrauen in die Behandlung (53 Prozent) sowie die aktive Mitarbeit der Patienten (57 Prozent).

Adhärenzsteigerung durch Verbesserung der Kommunikation

Die Mehrheit der Hausärzt:innen (91 Prozent) sieht vor allem sich selbst gefordert, die Adhärenz gemeinsam mit den Patient:innen zu steigern. 71 Prozent sind der Ansicht, dass eine verbesserte Kommunikation zwischen der Ärztin bzw. dem Arzt und der/dem Behandelten ein wesentlicher Ansatz zur Steigerung der Adhärenz sei. Aber auch Familienangehörigen kommt nach Meinung von 75 Prozent der Befragten eine wichtige Aufgabe zu. Das Umfeld der Patienten sollte daher während der Behandlung eng einbezogen werden, sagen zwei Drittel der Hausärzte.

Ein weiterer Ansatz zur Steigerung der Adhärenz, so drei Viertel der Befragten, könnte in der Arzneimittelforschung liegen und die Entwicklung von Arzneimitteln mit vereinfachter Darreichungsform sowie weniger Nebenwirkungen umfassen.

Zur Studie

Für die Studie „Adhärenz: Wie können Patient:innen bei der Therapietreue unterstützt werden“ wurden 150 niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland im Auftrag von Amgen befragt. Die Befragung führte das Marktforschungsunternehmen DocCheck Insights im August 2021 online durch.

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