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Auch rauchfreier Nikotingenuss erhöht das Risiko für plötzlichen Kindstod

von Dr. Melanie Söchtig

Baby
Foto: pololia - stock.adobe.com

Dass Rauchen in der Schwangerschaft dem Wohl des Kindes schadet, ist hinlänglich bekannt. Doch wie sieht es mit rauchfreien Nikotinprodukten wie E-Zigaretten, Schnupf- oder Kautabak aus? Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass Schwangere auch hiervon lieber die Finger lassen sollten.

In einer schwedischen Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob der Konsum von „Snus“ in der Schwangerschaft die Sterblichkeit des Kindes im ersten Lebensjahr erhöht. Bei „Snus“ handelt es sich um einen Oraltabak zum Lutschen, der vor allem in Norwegen und Schweden weit verbreitet ist.

Als Basis für die Studie dienten die Daten eines schwedischen Geburtenregisters. Insgesamt wurden mehr als zwei Millionen Säuglinge eingeschlossen, die zwischen 1999 und 2019 geboren wurden und deren Mütter Angaben zum Tabakkonsum in der Frühschwangerschaft gemacht hatten. Die Studienteilnehmerinnen wurden je nach ihrem Konsumverhalten in eine von drei Gruppen eingeteilt: „kein Nikotinkonsum“, „Oraltabakkonsum“, „mäßiges Rauchen“ und „starkes Rauchen“ (≥ 10 Zigaretten/Tag). Mütter, die sowohl rauchten als auch Oraltabak zu sich nahmen, wurden von der Studie ausgeschlossen.

Ein Großteil der Schwangeren gab Nikotinkonsum auf

Sieben Prozent der Studienteilnehmerinnen rauchten in der Frühschwangerschaft und 1,1 % nahmen Snus zu sich. Mehr als 50 % der Raucherinnen und fast 70 % der Oraltabakkonsumentinnen beendeten ihren Konsum vor dem ersten Vorsorgetermin zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche.

Insgesamt verzeichneten die Studienautorinnen und -autoren 611 Fälle von „plötzlichem unerwartetem Kindstod (SUID)“. Davon wurden 381 Fälle als „plötzlicher Kindstod (SIDS; ICD-10: R95)“ eingestuft, bei elf konnte Strangulieren im Bett als Ursache identifiziert werden und bei den verbleibenden 219 Todesfällen wurde die Ursache nicht näher bezeichnet.

Risiko um mehr als das Dreifache erhöht

Oraltabakkonsum in der Frühschwangerschaft war mit einem mehr als dreifachen SIDS-Risiko verbunden im Vergleich zu Nichtkonsumentinnen (adjustierte Odds Ratio; aOR 3,70). Ein erhöhtes SIDS-Risiko stellten die Forschenden zudem bei mäßigem bzw. starkem Rauchen fest (aOR 4,31 bzw. 7,03). Weiterhin trugen Säuglinge sowohl von Snuskonsumentinnen als auch von mäßigen bzw. starken Raucherinnen ein erhöhtes SUID-Risiko gegenüber den Nachkommen von Nichtkonsumentinnen (aOR 2,90; aOR 3,20 bzw. 5,44).

Bei Säuglingen von Müttern, die vor dem ersten Vorsorgetermin mit dem Oraltabakkonsum aufgehört hatten, war das SIDS- bzw. SUID-Risiko zwar geringer, aber immer noch höher als bei Nichtkonsumentinnen (aOR 2,13 bzw. 1,37). Ähnliche Effekte hatte ein Rauchstopp (SIDS: aOR 1,35; SUIDS: aOR 1,29).

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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