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Frühgeburten: Forschende fällen hartes Urteil über Weichmacher

von Melanie Söchtig

In Plastik verpacktes Obst
Foto: Olga Miltsova - stock.adobe.com

Ob in Verpackungen für Lebensmittel, in Nagellacken oder in Bodenbelägen – Weichmacher sind allgegenwärtig. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass dies ein Risiko für schwangere Frauen beziehungsweise deren Nachwuchs darstellen kann.

Als problematisch gelten insbesondere sogenannte Phtalate, da sie bereits in geringen Mengen ähnlich wie Hormone wirken. Bereits vor einiger Zeit wurde nachgewiesen, dass Chemikalien aus dieser Gruppe der Weichmacher unter anderem die männliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.

In einer US-amerikanischen Studie wurde jetzt ein möglicher Zusammenhang zwischen der Belastung mit Phtalaten in der Schwangerschaft und dem Risiko für eine Frühgeburt untersucht. Hierfür haben die Studienautoren die Daten von 6.045 Teilnehmerinnen aus 16 Schwangerschaftskohorten untersucht. Den Probandinnen wurde zwischen 1983 und 2018 mindestens eine Urinprobe entnommen.

Die Urinproben wurden auf elf verschiedene Phtalat-Metabolite untersucht. Die Befunde wurden mit der Rate an Frühgeburten in Verbindung gesetzt und bei der Auswertung wurden weitere mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Ethnie, Bildung sowie Body-Mass-Index vor der Geburt berücksichtigt.

Abbauprodukte bei fast allen Schwangeren nachweisbar

Die Rate der Frühgeburten lag in dieser Studienpopulation bei 90 pro 1.000 Geburten. Bei mehr als 96 Prozent der Studienteilnehmerinnen konnten Phtalat-Metabolite im Urin nachgewiesen werden. Für vier der elf untersuchten Abbauprodukte konnte dabei ein Zusammenhang mit dem Risiko für Frühgeburten festgestellt werden.

Dabei handelte es sich um Mono-n-Butyl Phthalat, Mono-isobutyl Phthalat, Mono(2-Ethyl-5-Carboxypentyl) Phthalat und Mono(3-Carboxypropyl) Phthalat. Ein Anstieg der Konzentration dieser Metabolite im Urin war jeweils mit einem Anstieg der Frühgeburten in der Größenordnung zwischen zwölf und 16 Prozent verbunden.

Ein vermeidbarer Risikofaktor?

Im nächsten Schritt berechneten die Studienautoren, welchen Einfluss eine verringerte Phtalat-Belastung auf die Frühgeburtenrate haben könnte. Dabei stellten sie fest, dass durch eine Halbierung der Phtalat-Belastung die Frühgeburtenrate von 90 auf 79 pro 1.000 Geburten gesenkt werden könnte – zumindest unter der Voraussetzung, dass der beobachtete Zusammenhang zwischen Phtalaten und Frühgeburten tatsächlich kausal ist.

Was können schwangere Frauen nun aber tun, um ihre Belastung mit den allgegenwärtigen Weichmachern zu reduzieren? Die Empfehlung der Studienautoren: möglichst frische, selbst zubereitete Lebensmittel essen und vorgefertigtes, in Plastik verpacktes Essen meiden.

 

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