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Folge der Corona-Pandemie

Mehr Kinder und Jugendliche von Mediensucht betroffen

von Melanie Söchtig

Kinder am Handy
Foto: sabine hürdler - stock.adobe.com
In Deutschland ist der Anteil der 10- bis 17-Jährigen, die süchtig nach Computerspielen sind, im Verlauf der Corona-Pandemie um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Längsschnittuntersuchung der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hervor.

Hierfür hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 1.200 Familien im September 2019, im April 2020, im November 2020 und im Mai 2021 zum Umgang mit digitalen Medien im Kindes- und Jugendalter befragt. Aus den daraus gewonnenen Daten wurde unter anderem die Prävalenz pathologischer und riskanter Nutzung von Computerspielen und Sozialen Medien vor sowie rund ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie anhand der neuen WHO-Kriterien (ICD-11) ermittelt.

Vor Ausbruch der Pandemie wiesen 2,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein pathologisches Spielverhalten auf. Im Mai 2021 lag die Prävalenz bei 4,1 Prozent, was einem Anstieg um 52 Prozent entspricht. Hochgerechnet wären demnach in Deutschland 220.000 Minderjährige süchtig nach Computerspielen. Jungen waren mit 3,2 Prozent deutlich häufiger betroffen als Mädchen mit 0,9 Prozent. Auch die pathologische Nutzung von Sozialen Medien hat im Verlauf der Pandemie zugenommen. Der Anteil der Betroffenen stieg um knapp 44 Prozent (2019: 3,2 % vs. 2021: 4,6 %).

Minderjährige verbringen mehr Zeit mit digitalen Medien

Laut Studienautoren hängt der Anstieg der Mediensucht eng mit längeren Nutzungszeiten zusammen. Während Kinder und Jugendliche im September 2019 durchschnittlich 83 Minuten pro Werktag mit Computerspielen zubrachten, waren es während des ersten Lockdowns im April 2020 ganze 132 Minuten. Bis Mai 2021 gingen die Nutzungszeiten zwar auf 109 Minuten zurück, lagen damit jedoch immer noch deutlich über den Werten vor Ausbruch der Pandemie. Im Bereich der Sozialen Medien war ein Anstieg von 116 auf 139 Minuten zu verzeichnen.

„Gerade für Kinder und Jugendliche mit bereits davor riskanter Mediennutzung waren die Lockdowns ein erheblicher gesundheitlicher Gefährdungsfaktor, der den Übergang in eine pathologische Mediennutzung quasi katalysiert hat“, so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Es ist zu befürchten, dass sich diese Fehlentwicklung auch nach Ende der Pandemie nicht einfach wird vollständig rückabwickeln lassen, zumal Eltern ihren Einfluss über klare Medienregeln in der Familie der Situation nicht angepasst haben.“

Um der Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen, hat die DAK-Gesundheit gemeinsam mit dem BVKJ ein Pilotprojekt ins Leben gerufen: Seit Oktober 2020 gibt es für 12- bis 17-Jährige in Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine neue zusätzliche Vorsorgeuntersuchung, in der das Mediennutzungsverhalten unter die Lupe genommen wird. Weiterhin bietet die DAK-Gesundheit zusammen mit der Computersuchthilfe Hamburg eine Online-Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit ungesundem Medienkonsum sowie deren Angehörige an.

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