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Ärzte-Umfrage

Zu viele Risiken: Ärzte lehnen Impfung in der Apotheke ab

von Marzena Sicking

Frau kriegt Schutzimpfung in den Oberarm

Apothekenverbände bejubeln die Impfung in der Apotheke als Entlastung für Ärzte und Stärkung des Gesundheitsschutzes. Die Ärzteschaft sieht das Modellprojekt jedoch mehr als kritisch.

Ob Grippeimpfung oder Schutz gegen Covid-19: Modellprojekte zur Impfung in der Apotheke laufen oder sind in Planung. Nach Meinung der Apothekerverbände können Impfungen durch Apotheker schon bald verstärkt Ärzte entlasten und zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beitragen. Doch wie stehen die Arztpraxen zu dieser Entwicklung? Der Ärztenachrichtendienst (änd) fragte bei den Mediziner nach – und die Antwort war deutlich: 91 Prozent der über 1.000 befragten Haus- und Fachärzte lehnen eine Impfung in der Apotheke kategorisch ab.

Apotheker medizinisch nicht für Impfungen ausgebildet

Die Apotheker seien medizinisch nicht für diese Tätigkeit ausgebildet. Sie setze schließlich voraus, dass Indikationen und Kontraindikationen korrekt bewertet werden können, argumentieren die befragten Ärzte in den Freitextantworten. Apotheker seien im Extremfall auch nicht in der Lage, bei unerwartet auftretenden Komplikationen – zum Beispiel schweren allergischen Reaktion – medizinisch angemessen zu handeln. Das Impfen sei eine grundlegend ärztliche Aufgabe, so der Tenor der Antworten.

Honorare spielen keine Rolle

Interessanterweise sind Kommentare zum möglichen Honorarverlust praktisch nicht zu finden: Finanziell ist das Impfen für die Niedergelassenen inzwischen offenbar kein großer Faktor mehr.

Nur neun Prozent sind für Impfungen in der Apotheke

Die wenigen Befürworter (9 Prozent) entsprechender Angebote in Apotheken sehen in der Impfung hingegen „kein Hexenwerk“, weshalb auch anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen einbezogen werden könnten – es müsse dann jedoch auch Notfallpläne und den schnellen Draht zum Arzt geben. In strukturschwachen Gegenden könnten impfende Apotheker die wenigen vorhabenden Ärzte unterstützen und zum Aufbau eines niederschwelligen Impfangebots beitragen. In anderen Ländern funktioniere das ebenfalls.

Interessant auch: Immerhin 17 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass Ihnen schon eine oder mehrere Apotheken in der Umgebung bekannt seien, die den Kunden ein Impfangebot machten. Die Mehrheit beobachtet solche Entwicklungen im Umfeld der eigenen Praxis also bislang noch nicht.

Vorstoß zur Notfall-Medikation durch Ärzte wird begrüßt

Im Rahmen der Diskussion über impfende Apotheker wird derzeit auch wieder die Forderung nach einem erweiterten Dispensierrecht für Ärzte von Verbänden aufgegriffen. Dies würde bedeuten, dass Ärzte beispielsweise Patienten im ambulanten Bereitschaftsdienst direkt eine erste Notfall-Medikation mitgeben könnten – ohne dass der Patient dafür extra eine Notdienst-Apotheke aufsuchen müsste. Wären die Niedergelassenen für eine solche Regelung? Mehrheitlich ist das der Fall: 66 Prozent der befragten Ärzte stehen nach eigenem Bekunden hinter der Forderung. 20 Prozent halten ein erweitertes Dispensierrecht nicht für nötig, 14 Prozent haben zu dem Thema noch keine Meinung.

An der Online-Befragung des änd unter den Mitgliedern – Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet – nahmen vom 19. Bis zum 20. Oktober 1.094 Ärzte teil.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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