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Medizinklimaindex: Die Stimmung in der Ärzteschaft kippt

von Judith Meister

Arzt, Medizinklima, Praxis
pixabay/saniusman89

Um mehr als sechs Punkte ist der deutsche Medizinklima-Index im vergangenen Quartal gefallen. Schuld sind nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Effekte auf das Gesundheitssystem.

Dass die aktuelle weltpolitische Lage auf die Stimmung drückt, ist erst einmal nicht überraschend. Nicht ohne Weiteres vorhersehbar war jedoch, wie dramatisch sich die wirtschaftlichen Erwartungen gerade innerhalb des Gesundheitswesens verschlechtern würden. Die Ergebnisse des Medizinklimaindex der Stiftung Gesundheit sind jedoch eindeutig. Während im 2. Quartal 2022 der allgemeine Indexwert für die wirtschaftliche Lage um 5,7 Punkte absackte, waren es bei den Ärztinnen und Ärzten in Deutschland sogar 6,1 Punkte.

Banger Blick in die Zukunft

Schuld an der Entwicklung dürfte die derzeitige internationale Situation sein. Dafür spricht nicht zuletzt ein Vergleich der beiden Teilbereiche, die für die Studie abgefragt wurden. Zwar bewegt sich die Einschätzung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage noch im regulären Rahmen. Die Zukunftserwartungen der Ärztinnen und Ärzte sind aber stark zurückgegangen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die Frage, wie gut die Integration von Geflüchteten aus der Ukraine in das deutsche Gesundheitssystem gelungen ist, ruft überwiegend positive Antworten hervor. Gut ein Drittel der Befragten bewertete die Einbindung als gut oder sehr gut. Weitere 43,9 Prozent halten sie zumindest für durchschnittlich. Nur jeder Fünfte kritisiert die Umsetzung als schlecht oder sehr schlecht.

Ukrainische Flüchtlinge sind gut ins Gesundheitswesen integriert

Das Votum der Niedergelassenen fällt für sich betrachtet sogar noch besser aus. In diesem Segment bewerteten 41,5 Prozent der Befragten die Einbindung als gut oder sehr gut. 38,6 Prozent stellten ihr ein durchschnittliches Zeugnis aus. Weniger als ein Fünftel der Praxisinhaber hält die Umsetzung für schlecht oder sehr schlecht.

Zahlreiche Studienteilnehmer lieferten zudem konkrete Vorschläge, wie sich das System weiter verbessern ließe – auch, aber nicht nur, mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. „Viele Leistungserbringer wünschen sich, dass verlässliche Strukturen geschaffen werden, die nicht nur in einzelnen Sondersituationen greifen, sondern die Frage der Versorgung von Geflüchteten grundsätzlich regeln“, kommentiert Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit.

Der Medizinklimaindex

Der Medizinklimaindex wird analog zum Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft des ifo Institutes ermittelt. Die Stiftung Gesundheit erhebt dafür bei einer geschichteten Zufallsstichprobe der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer aus der ambulanten Versorgung die Einschätzung ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Lage sowie ihre wirtschaftliche Erwartung für die kommenden sechs Monate.

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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