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Studie: Klimaschutz im Gesundheitswesen noch am Anfang

von André Gieße

CO2-Fußabdruck, Klimaschutz
Foto: malp-AdobeStock

Der deutsche Gesundheitssektor ist Mitverursacher und Betroffener der Klimakrise. Eine Umfrage im Auftrag der Barmer zeigt jetzt, dass sich Inhaber, Leiter oder Angestellte in Arztpraxen bisher kaum ihrer Verantwortung bewusst sind und zu wenig in punkto Nachhaltigkeit tun.

Der Klimaschutz spielt im Gesundheitswesen in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle. So haben sich bis Mitte vergangenen Jahres erst 46 Prozent der Organisationen dieser Branche mit dem Thema Klimaneutralität befasst. Bei weiteren 25 Prozent steht es auf der Agenda. Das geht jetzt aus der Studie „Klimaneutraler Gesundheitssektor“ der Barmer-Krankenkasse und des F.A.Z.-Instituts für Management-, Markt- und Medieninformation hervor. Im Sommer 2022 interviewten sie dazu 551 Akteure aus Arztpraxen, Krankenkassen, Kliniken, Apotheken, Sanitätshäusern sowie Medizin- und Pharmaindustrie. 35 Prozent der Befragten sind Inhaber, Leiter oder Angestellte einer Arztpraxis.

Mehr Treibhausgasemission als der Flugverkehr

Weitere zentrale Ergebnisse: Lediglich elf Prozent der Befragten rechnen bis zum Jahr 2030 mit einem klimaneutralen Gesundheitswesen. Dabei verursacht es laut der Barmer ganze 5,2 Prozent der Treibhausgasemission in Deutschland und hat demzufolge einen größeren Anteil als der Flugverkehr. Deshalb mahnt Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse: „Politik und alle Akteure im Gesundheitssektor müssen Nachhaltigkeit und Klimaschutz deutlich höher priorisieren, Hürden in der Gesetzgebung beseitigen und gezielt Anreize schaffen.“ Nachhaltigkeit sollte seiner Ansicht nach Grundbedingung des Verwaltungshandelns sein und im Sozialgesetzbuch verankert werden.

Konzepte zum Klimaschutz noch fester verankern

Laut der Nachhaltigkeitsstudie von Barmer und F.A.Z.-Institut bedarf es im Gesundheitssektor mehr an klaren Strategien und Verantwortlichkeiten sowie konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz. In mehr als jeder zweiten Einrichtung ist demnach zum Beispiel bisher nicht eindeutig festgelegt, wer für das Thema zuständig ist. Dabei ist der Ressourcen- und Energieverbrauch des Gesundheitssektors enorm. Die Anstrengungen, das zu ändern, sind hingegen gering. Knapp die Hälfte der Befragten setzt etwa auf Recycling und nachhaltige Mobilität, um ihren CO2-Ausstoß zu senken. Jeweils 39 Prozent gaben an, auf energetisches Sanieren und klimafreundliche Einkaufskriterien zu achten.

Arztpraxen hinken meist deutlich hinterher

Die Studienautoren geben nur wenige differenzierte Auskünfte zu Arztpraxen. Eine wichtige lautet: Erst 38 Prozent von ihnen haben sich überhaupt mit Klimaneutralität beschäftigt. Bei Krankenassen, Kliniken und Apotheken sind es den Angaben nach jeweils gut die Hälfte gewesen. Etwa jeder Vierte aller Befragten findet indes, dass der Beitrag des eigenen Hauses zum Klimafortschritt bereits groß oder sehr groß ist. Häufig werde der eigene Beitrag damit überschätzt, so die Barmer und das F.A.Z.-Institut. Die Selbsteinschätzung der Praxen ist deutlich kritischer: 49 Prozent stufen den Beitrag der eigenen Einrichtung und 52 Prozent den der eigenen Branche als klein oder nicht vorhanden ein.

Langfristige Kostenvorteile bisher verkannt

Es ist also noch viel zu tun. Um den Klimaschutz im deutschen Gesundheitswesen voranzutreiben, möchte die Barmer ihre neue Nachhaltigkeitsstudie nun jährlich durchführen. Zudem seien sowohl Fortschritte bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig als auch geeignete Initiativen und Bündnisse, um die Klimaschutzbemühungen zu beschleunigen und unerwünschte Nebenwirkungen der Gesundheitsbranche deutlich zu reduzieren. Neben politischen Vorgaben könnten Kostenvorteile als Treiber wirken, so die Krankenkasse. Die Mehrheit werde schließlich durch mangelnde finanzielle Mittel oder eine fehlende Aussicht auf Rentabilität an der ökologischen Transformation gehindert, verkenne dabei jedoch das ökonomische Potenzial.

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