Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxis

Wenn Sie frei entscheiden könnten: Wann würden Sie in den Ruhestand gehen? Mit dieser Frage wandte sich ein Forscherteam der Universität Leipzig in den Jahren 2020 und 2024 an insgesamt rund 3.000 Kolleginnen und Kollegen. Am Ende wurden die 320 Befragten in die Studie „Exploring the link between physician burnout and intentions to retire early“ aufgenommen, die bei beiden Stichproben geantwortet hatten. Die Ergebnisse brachten ans Tageslicht, dass ein erheblicher Anteil sogar eine vorzeitige Pensionierung plant. So gaben 42 Prozent der Befragten im Jahr 2020 an, vor dem regulären Rentenalter aus dem Beruf ausscheiden zu wollen. Im Jahr 2024 waren es 39 Prozent. Dies deutet daraufhin, dass die vorzeitige Pensionierung nach wie vor ein relevantes Thema im Gesundheitswesen ist, mit Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit der Arbeitskräfte und die Patientenversorgung.

Der Wunsch nach vorzeitigem Ruhestand hängt auch von der Art des Burnouts ab

Das Team um Dr. Franziska Ulrike Jung wollte aber nicht nur wissen, wann Ärztinnen und Ärzte planen, in den Ruhestand zu gehen. Es versuchte auch herauszufinden, ob es zwischen dem Wunsch nach einem vorgezogenen Ruhestand und der Erkrankung an einem Burnout eine Verbindung gibt.

Was auf den ersten Blick naheliegend scheint, ist nun tatsächlich auch wissenschaftlich bestätigt: Ja, diese Verbindung gibt es. Die Leipziger Psychologen gaben sich mit dieser Kausalität aber nicht zufrieden. Sie gingen für ihre Analyse noch tiefer ins Detail und unterschieden zwischen:

  • Persönlicher Burnout: Dem Grad der körperlichen und psychischen Ermüdung und Erschöpfung, den die Person empfindet.

  • Arbeitsbedingter Burnout: Dem Grad der körperlichen und psychischen Ermüdung und Erschöpfung, den die Person als mit ihrer Arbeit verbunden empfindet.

  • Patientenbezogener Burnout: Dem Grad der körperlichen und psychischen Erschöpfung und Ermüdung, den die Person als mit ihrer Arbeit mit Patienten verbunden empfindet.

Interessanterweise wirkte sich Letzteres nicht signifikant auf den Wunsch aus, früher in Rente zu gehen. Bei einem persönlichen Burnout sah die Situation allerdings schon anders aus. Mit jedem Schweregrad-Anstieg des persönlichen Burnouts um eine Einheit stieg die Absicht, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, um 4,2 Prozent.

Für was die Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand ihr Geld ausgeben möchten

  • Platz 1: Reisen

  • Platz 2: Freizeitaktivitäten

  • Platz 3: gemeinnützige Tätigkeiten

  • Platz 4: Geld für die Familie

  • Platz 5: Essen gehen

  • Platz 6: Ferienwohnung/Ferienhaus

  • Platz 7: Kapitalanlagen

Ähnlich erhöhte sich mit jedem Anstieg des arbeitsbedingten Burnouts um eine Einheit die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Pensionierung um 7,3 Prozent. Im Fazit betonten die Wissenschaftler daher, wie wichtig es sei, Ärztinnen und Ärzten rechtzeitig Hilfestellungen zu bieten, damit sie mit der hohen Arbeitsbelastung auf Dauer zurechtkommen. Zudem wiesen sie mit Nachdruck darauf hin, dass grundsätzlich auch die Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten verbessert werden müssten.

So planen Ärztinnen und Ärzte Ihr Leben nach der Praxis

Für viele Ärztinnen und Ärzte ist ihr Beruf eine Herzensangelegenheit. Vor allem Niedergelassene können es sich vorstellen, auch bis ins hohe Alter zu arbeiten. Sie identifizieren sich stark mit ihrer ärztlichen Tätigkeit, haben eine große Leidenschaft für Medizin und finden Erfüllung darin, Patienten zu versorgen. So gaben bei einer aktuellen Umfrage von Medscape unter 1.035 Ärztinnen und Ärzten stolze 25 Prozent der Praxisinhaber an, dass sie gern bis in ihre 70er Jahre hinein arbeiten würden. Bei den Klinikkollegen waren es hingegen nur 16 Prozent.

Trotzdem gab es auch bei dieser Umfrage die Erkenntnis, dass ein Viertel der Befragten gern schon mit Anfang 60 aufhören würde zu arbeiten. Als Hauptgrund wurde der Wunsch nach mehr Freizeit genannt (66 %). 56 Prozent gaben aber auch an, dass sie durch ihre ärztliche Tätigkeit ausgebrannt seien. In logischer Konsequenz vermutet daher mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie sich nach der Berufsaufgabe erleichtert und gut fühlen werden. Eine Befragte fasste es so zusammen: „Ich bin traurig, wenn ich künftig keine Patienten mehr versorgen kann. Ich empfinde aber große Erleichterung, mich nicht mehr um Bürokratie oder um das Personal kümmern zu müssen.“

Beruhigend: Um die finanzielle Absicherung in der Zeit nach der Praxis machen sich die meisten keine Sorgen. Sie sind zuversichtlich, dass sie ihre persönlichen finanziellen Ziele erreichen werden, um ihren Lebensabend genießen zu können.

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