Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxisführung

Die Dokumentation ist eine der zentralen Belastungen im ärztlichen Alltag – und die elektronische Patientenakte (ePA) hat den Aufwand weiter erhöht. Eine am University of Chicago Medical Center durchgeführte Analyse, publiziert im JAMA Network Open, hat nun erstmals in einem kontrollierten Studiendesign untersucht, wie sehr ein Schreibassistent auf Basis Künstlicher Intelligenz (AI Scribe) die Routine entlasten kann.

603 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte sowie Advanced Practice Professionals – also hochqualifizierte nicht-ärztliche Fachkräfte – nahmen teil. 125 nutzten ein KI-Werkzeug des Anbieters Abridge während eines dreimonatigen Pilotprojekts, 478 bildeten eine kovariatenbalancierte Kontrollgruppe. Die Dokumentationszeiten hat das Analysemodul des Electronic Health Record (EHR), dem digitalen Krankenaktensystem, erfasst.

Hausärzte und Internisten sparten am meisten Zeit mit der KI

Primäre Endpunkte waren die Zeit im EHR pro Termin sowie die Zeit für Notizen. Zu den sekundären Endpunkten zählten unter anderem die sogenannte Pajama Time – also jene Dokumentationszeit, die nach Feierabend zu Hause anfällt, wenn das EHR erneut geöffnet wird – sowie die Terminlänge und die Zeitspanne zwischen dem Patientenkontakt und dem vollständigen Schließen des Falls im System (Encounter-Abschluss). 

Das Ergebnis: Der AI Scribe verkürzte die Dokumentationszeit pro Termin – im Schnitt um rund zwei bis zweieinhalb Minuten im EHR und knapp zwei Minuten bei den Notizen. Besonders profitierten hausärztliche und internistische Fachrichtungen; in chirurgischen Fächern zeigte sich kein Effekt. Zudem war der Nutzen dosisabhängig: Wer den Scribe in mehr als 80 Prozent der Termine einsetzte, sparte im Mittel bis zu 5,9 Minuten pro Kontakt.

KI-gestützte ePA-Befüllung als Entlastung

Für die Praxis bedeutet das: Die KI-gestützte ePA-Befüllung kann die Tageslast spürbar reduzieren – bei 20 Patientenkontakten summiert sich das auf fast eine Stunde gewonnene Arbeitszeit. Die Pajama Time konnte jedoch nicht ganz vermieden werden. Das Team um Dr. Kevin Pearlman weist außerdem darauf hin, dass Risiken wie unpräzise oder überlange Notizen weiter beobachtet werden müssen.

Die Technologie steht noch am Anfang und nicht alle Fachgruppen profitierten gleichermaßen. Dennoch deutet die Analyse auf eine relevante administrative Entlastung hin. Die Forschenden gehen davon aus, dass künftige weitere Funktionen weitere Entlastung bringen könnten, etwa zur Zusammenfassung von EHR-Inhalten, zur Unterstützung bei der Eingabe von Anordnungen, bei der Zuordnung von Diagnosen oder im Bereich der klinischen Entscheidungsunterstützung.

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