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Klinik

Klebsiella pneumoniae auf der Neugeborenen-Intensivstation untersucht

Über 30 Monate testete ein Forschungsteam alle 936 Patientinnen und Patienten einer Neugeborenen-Intensivstation wöchentlich auf Klebsiella pneumoniae. Rund 8,7 Prozent der Kinder trugen die Bakterien in sich. Bei mehr als zwei Dritteln wurde der Nachweis erst während der Behandlung erbracht.

Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm hatten ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko, Klebsiellen auf der Station zu erwerben. Von den betroffenen Kindern erkrankten drei. Sie wiesen zusätzlich schwere Risikofaktoren auf, darunter ein geschwächtes Immunsystem oder eine kurz zuvor erfolgte Operation.

Durch genetische Analysen teilte das Team die nachgewiesenen Bakterien in Cluster ein. So ließ sich untersuchen, ob es auf der Station zu Übertragungsgeschehen beziehungsweise Ausbrüchen kam.

Warme Nächte gingen mit mehr Klebsiella-Clustern einher

Die Häufigkeit genetisch zusammengehöriger Klebsiella-Cluster schwankte im Jahresverlauf. Nach Angaben des Forschungsteams stand eine höhere Cluster-Häufigkeit mit besonders warmen Nächten in den jeweils vier vorangegangenen Wochen in Zusammenhang. Auch die Luftfeuchtigkeit spielte eine Rolle.

Ein statistisches Modell, das Klimadaten und Informationen zur Patientenstruktur einbezog, erklärte bis zu 80 Prozent der Schwankungen. Die Forschenden vermuten, dass äußere Temperaturen die Keimbelastung in der Stationsumgebung beeinflussen könnten, etwa über Oberflächen, Abflüsse oder andere feuchte Stellen. Diese Annahmen sollen in weiteren Studien überprüft werden.

Nach Angaben des Teams werden Klebsiellen auf Intensivstationen auch außerhalb klassischer Ausbrüche kontinuierlich übertragen. Für wärmere Perioden werden als mögliche Maßnahmen eine verstärkte Desinfektion, engmaschigeres Screening und Personalschulungen genannt.

Studie von MHH und TWINCORE

Geleitet und konzipiert wurde die Studie von Dr. Leonard Knegendorf, Clinician Scientist am TWINCORE und Facharzt für Mikrobiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Beteiligt waren das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene sowie die Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der MHH und das Institut für Molekulare Bakteriologie am TWINCORE.

Das TWINCORE ist ein gemeinsames Zentrum des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung und der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Arbeit wurde unter anderem durch den Exzellenzcluster RESIST gefördert.

Die genomische Analyse der Bakterien dauerte bislang im Durchschnitt gut drei Wochen. Mithilfe der Oxford-Nanopore-Technologie soll die Auswertung künftig beschleunigt werden, damit Übertragungsketten schneller erkannt und unterbrochen werden können.

Originalpublikation

Böhne C, Baier C, Erdmann J, Ebadi E, Zirkler C, Lindenberg M, Schlüter D, Pirr S, Peter C, Bohnhorst B, Knegendorf L: „Prospective genomic and epidemiologic surveillance of Klebsiella pneumoniae in a tertiary NICU“. Antimicrobial Resistance and Infection Control. DOI: 10.1186/s13756-026-01753-4.

Quelle:

idw online