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Gesundheitskompetenz: Große Hürden bei der Suche nach guten Informationen

von Marzena Sicking

Paar am Laptop auf der Suche nach Gesundheitsinformationen
Foto: AOK-Mediendienst

Viele Menschen haben große Probleme, qualitativ hochwertige und gesicherte Gesundheitsinformationen zu bekommen. Das hat eine repräsentative forsa-Umfrage* im Auftrag des AOK-Bundesverbandes unter 2.000 Bundesbürgern ergeben.

Für rund zwei Drittel der Befragten ist es demnach eher schwierig oder sogar sehr schwierig zu beurteilen, ob Gesundheitsinformationen vertrauenswürdig sind. Auch das Finden von Informationen zu Unterstützungsangeboten bei psychischen Problemen wird von knapp zwei Drittel als schwierig oder sehr schwierig eingeschätzt.

„Die Schwierigkeit, gesicherte Gesundheitsinformationen zu bekommen, ist bei vulnerablen Gruppen noch stärker ausgeprägt“, betont Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. So haben Personen mit schlechterem Gesundheitszustand tendenziell häufiger Probleme bei Beschaffung und Beurteilung gesundheitsrelevanter Informationen als der Durchschnitt. Chronisch kranke Menschen berichten auch etwas häufiger über Schwierigkeiten bei der Suche nach professioneller Hilfe. Und Jüngere haben laut Umfrage überdurchschnittlich oft Probleme zu beurteilen, ob eine ärztliche Zweitmeinung sinnvoll wäre. „An diesen Ergebnissen zu speziellen Gesundheitskompetenzen zeigt sich wieder einmal die Benachteiligung vulnerabler Gruppen, die es in dieser Spanne nicht geben sollte“, betont Reimann.

Terminvergabe erweist sich weiter als Zugangshürde

Nach Gründen gefragt, warum es in den letzten zwölf Monaten nicht möglich gewesen sei, einen Arztbesuch oder eine medizinische Behandlung zu bekommen, antwortete über ein Drittel (34 Prozent), dass es keinen freien Termin gegeben habe. Bei Menschen mit schlechtem oder sehr schlechtem Gesundheitszustand gaben das sogar 54 Prozent an. Zwölf Prozent nannten als weiteren Grund, weshalb sie einen Arzttermin oder eine medizinische Behandlung nicht wahrnehmen konnten, dass die benötigte Behandlung in der näheren Umgebung nicht erhältlich gewesen sei.

Weil sie es sich finanziell nicht leisten können, geben immerhin drei Prozent als Ursache an. Unter Personen mit schlechtem Gesundheitszustand sind es sogar zehn Prozent. Als Beispiele nennt diese Gruppe unter anderem Untersuchungen oder Behandlungen bei Ärzten, Zahnärzten sowie Kieferorthopäden – obwohl diese im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nur zu geringen Teilen zuzahlungspflichtig sind beziehungsweise für sozial schwächere und chronische kranke Menschen Zuzahlungsgrenzen gelten.

Soziale Benachteiligung auch im Gesundheitswesen präsent

„Auch strukturelle Zugangshürden führen im Gesundheitswesen weiterhin zu schlechteren Gesundheitschancen. Dagegen müssen wir gezielt vorgehen“, fordert Reimann und ergänzt: „Die Menschen erwarten einen schnellen, barrierefreien Zugang zu guter Gesundheitsversorgung – unabhängig von Geschlecht, Alter, Sprache, Behinderung, Pflegebedürftigkeit, Erkrankung, Wohnort oder sozialem Status. Tatsächlich zählt aber soziale Benachteiligung schon in frühester Kindheit weiterhin zu den wesentlichen gesundheitlichen Risikofaktoren.“

Um gesundheitliche Teilhabe insbesondere in strukturschwachen Gebieten zu verbessern und unterschiedliche regionale Handlungsbedarfe – ob im ländlichen Raum oder in sozialen Brennpunkten – zu berücksichtigen, brauche es einen verlässlichen Rahmen für die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure vor Ort. Gemeinsam mit den Kommunen gelte es neuartige Angebote wie Gesundheitszentren oder Gesundheitskioske zu schaffen.

*Die Befragung wurde durch das Meinungsforschungsinstitut forsa vom 27. April bis 20. Mai 2022 in Privathaushalten unter Erwachsenen in Form von Telefoninterviews durchgeführt. 

Quelle: AOK Bundesverband

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