Mehr Kliniken in privater Hand

Kliniksterben in Deutschland? Nicht im privaten Sektor!

Immer mehr Krankenhäuser befinden sich in einer finanziell schwierigen Situation. Corona hat für weitere Umsatzeinbußen gesorgt. Die Zahl der Krankenhäuser in öffentlicher Hand und freier Trägerschaft sinkt weiter. Ein grundsätzliches Kliniksterben in Deutschland ist zwar nicht zu befürchten, dafür werden immer mehr Krankenhäuser von Unternehmen aufgekauft.

Die ökonomische Situation der Krankenhäuser in Deutschland hat sich im Jahr 2020 erneut verschlechtert. Jedes zweite Haus (49%) musste im vergangenen Jahr ein Defizit verbuchen. Mit einem Umsatzwachstum für das laufende Geschäftsjahr rechnen nur 27 Prozent der Klinikchefs. Fast zwei von drei Befragten (62%) erwarten für 2021 ein Minus beim Ergebnis. Zu diesen Erkenntnissen kommen die Autoren der „Krankenhausstudie 2021“, einer Roland Berger-Umfrage unter den 600 größten deutschen Krankenhäusern.

Anteil der Kliniken mit positivem Ergebnis nur noch bei 36 Prozent

Im Jahr 2019, vor Corona, erwirtschafteten noch zwei Drittel der Kliniken (67%) einen Umsatzanstieg. 2020 gelang dies nur noch 42 Prozent. Für 2021 ist die Stimmung noch pessimistischer, nur noch ein Viertel der Häuser erwartet ein Umsatzwachstum (27%). Der Anteil der Krankenhäuser mit positivem Jahresergebnis sank von 48 Prozent im Vorjahr auf 36 Prozent in 2020 stark ab .

Dabei spielt die Trägerschaft eine wichtige Rolle: 63 Prozent der Häuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft weisen ein defizitäres Ergebnis aus. Sogar bei den privaten Häusern schreibt nun bereits jedes dritte Haus rote Zahlen (38%). Die große Mehrheit der Häuser (83%) rechnet zudem mit einer deutlichen Verschlechterung der Situation in den kommenden fünf Jahren.

Immer mehr Kliniken in privater Hand

545 Krankenhäuser in öffentlicher Hand (Bund, Land, Bezirk, Kreis, Gemeinde) zählt das Statistische Bundesamt für das Jahr 2019 – das sind 35 Prozent weniger als im Jahr 2000. Ähnlich sieht es bei Kliniken in freigemeinnütziger Trägerschaft (Kirchliche oder freie Wohlfahrtspflege, Kirchengemeinde, Stiftung oder Verein) aus. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Krankenhäuser ist in Deutschland in den letzten 20 Jahren um rund 15 Prozent zurückgegangen. Wo sind sie also hin, wenn es ein Kliniksterben nur in begrenztem Umfang gibt? Ein Großteil dieser Häuser dürfte mittlerweile in der Hand eines Unternehmens – wie zum Beispiel Asklepios oder Helios – sein. Denn die Zahl der privat betriebenen Kliniken ist sein dem Jahr 2000 um fast 50 Prozent gewachsen.

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