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Post-COVID-19: Kurze Behandlungsdauer, erhöhter Aufwand in Praxen

von Marzena Sicking

Arzt hälz Wecker mit der Aufschrift Long Covid
Foto: MQ-Illustrations - stock.adobe.com

Die Mehrheit der Patient:innen mit Post-COVID-19-Diagnose muss nur in einem Quartal vertragsärztlich behandelt werden. Für Ärzte bedeuten ihre Besuche dennoch zusätzlichen Aufwand.

Post-COVID-19-Patient:innen können seit dem 1. Januar 2021 anhand des ICD-Codes U09.9! (Post-COVID-19-Zustand, nicht näher bezeichnet) in den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten identifiziert werden. Um die Dauer ihres Behandlungsbedarfs abschätzen zu können, hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die entsprechenden Abrechnungsdaten für insgesamt 303.267 Patient:innen in den ersten drei Quartalen 2021 ausgewertet.

61 Prozent der Corona-Erkrankten brauchen nach einem Quartal keine ärztliche Versorgung mehr

Das Ergebnis: Die mit 61 Prozent weit überwiegende Mehrheit der Post-COVID-19-Patienten musste lediglich in einem Quartal behandelt werden. Ein Fünftel (19,8 %) wurde im zweiten Quartal oder mit einem Vierteljahr Unterbrechung erneut im dritten Quartal wegen Post-COVID-19 vertragsärztlich versorgt. Weniger als ein Fünftel der Patient:innen (19 Prozent) mussten in allen drei Quartalen behandelt werden.

Diese Anteile variieren leicht nach Alter und Geschlecht: Unter 65-Jährige zeigten insgesamt eher einen kürzeren Behandlungsbedarf als über 65-Jährige. Hier war der Anteil derer mit nur einem Behandlungsquartal unter Männern mit 64 Prozent gegenüber 61,1 Prozent bei den Frauen am höchsten. Bei den über 65-Jährigen sind rund ein Viertel der Männer (25,9 Prozent) und Frauen (25,6 Prozent) in allen drei Quartalen behandelt worden.

Prozentualer vertragsärztlicher Behandlungsbedarf von Patient:innen mit einer Post-COVID-19-Diagnose im ersten bis dritten Quartal 2021 (unterschieden nach Geschlecht sowie nach Lebensalter über und unter 65 Jahre)

Prozentualer vertragsärztlicher Behandlungsbedarf von Patient:innen mit einer Post-COVID-19-Diagnose im ersten bis dritten Quartal 2021
(unterschieden nach Geschlecht sowie nach Lebensalter über und unter 65 Jahre). Grafik: Zi

Post-COVID ist keine neue Volkskrankheit

„Im Verhältnis zu den 4,2 Millionen COVID-19-Fällen, die bis Ende September 2021 bestätigt worden sind, fällt die Prävalenz in der vertragsärztlichen Versorgung mit knapp über 300.000 Patientinnen und Patienten über neun Monate und mit lediglich 132.000 Betroffenen im dritten Quartal 2021 zum Glück eher gering aus. Post-COVID entwickelt sich nicht zu einer neuen Volkskrankheit. Die von uns aktuell ausgewerteten Abrechnungsdaten zeigen vielmehr, dass Post-COVID ein heterogenes Krankheitsbild ist.”

Die weit überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten benötige keine spezielle medizinische Versorgung über einen längeren Zeitraum hinweg. Dies trifft nur auf einen kleineren Teil zu. Diese Personengruppe müsse weiter beobachtet und im Hinblick auf mögliche Risikofaktoren näher untersucht werden.

Erhöhter Beratungsbedarf in Arztpraxen nach Corona-Erkrankung

Wie die Auswertung allerdings auch zeigt, bedeutet das keine Entlastung für die niedergelassenen Haus- und Fachärzt:innen, im Gegenteil. Die Betreuung der Patienten geht weiterhin mit zusätzlichem Aufwand für die Praxen einher. Dieser ergibt sich weniger aus der Anzahl der zu versorgenden Patientinnen und Patienten, sondern eher aus dem erhöhten Beratungsbedarf für jeden einzelnen Betroffenen, wie Auswertung und Befragung der niedergelassenen Ärzte gezeigt haben. Zumindest die Niedergelassenen werden also noch länger mit Post-Covid zu kämpfen haben.

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