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Ein Jahr „App auf Rezept“: Bei Ärzten macht sich Ernüchterung breit

von Marzena Sicking

Smartphone und Stethoskop
Foto: ipopba - stock.adobe.com
Vor etwas über einem Jahr fiel in Deutschland der Startschuss für verschreibungsfähige digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Eine deutschlandweite Befragung durch die Stiftung Gesundheit zeigt, was Ärzte und Ärztinnen heute von den Apps auf Rezept halten.

Im Herbst 2020 wurden die ersten Apps und Onlineprogramme in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen und konnten ab diesem Zeitpunkt von Ärzten und Psychotherapeuten verordnet werden. Die Kosten für die „Apps auf Rezept“ werden von den Krankenkassen übernommen.

Damals befragte die Stiftung Gesundheit bundesweit Ärztinnen und Ärzte erstmals zu ihrer Einstellung bezüglich der verschreibungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Ärzteschaft den neuen medizinischen Apps mehrheitlich offen und positiv gegenüberstand. Nun, ein Jahr später, wurde im Rahmen der repräsentativen Studie „Ein Jahr Digitale Gesundheitsanwendungen in der Praxis: Erkenntnisse und Erfahrungen“ nachgefragt. Insgesamt 569 Ärzt:innen, Psychologische Psychotherapeut:innen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen haben geantwortet.

Bekanntheit gestiegen, Einsatz auf niedrigem Niveau

Das Fazit der Ergebnisse: Auch 2021 steht die Mehrheit der Ärzt:innen der grundsätzlichen Idee medizinischer Apps offen und positiv gegenüber. Doch der große Durchbruch ist bislang ausgeblieben.

Zwar ist der Bekanntheitsgrad der DiGA etwas höher als noch vor einem Jahr. Doch ganze 18,9 Prozent der Befragten kennen die Anwendungen nach wie vor nicht. 71,3 Prozent gaben außerdem an, noch nie eine der Apps empfohlen zu haben. Der Anteil der Ärzte und Psychotherapeuten, die schon mal eine DiGA verschrieben haben, liegt ein Jahr nach der Einführung bei 14,3 Prozent.

Apps enttäuschen im Einsatz

Offenbar wurden hier nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Der Anteil der Befragten, die DiGA für hilfreich bei der Behandlung der Patienten halten, ist von 72,3 auf 66 Prozent gesunken. Auch die Stimmen, die sich eine positive Veränderung der ärztlichen Arbeit durch die digitalen Helfer erwarten, sind weniger geworden (2020: 67,4 %; 2021: 62,3 %). Immerhin: 59 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten würden die Apps „mit Augenmaß“ verschreiben, wenn der Patient einen entsprechenden Wunsch äußert.

Der Anteil der Mediziner, die DiGA kritisch gegenüber stehen, ist nicht unerheblich: 40,6 Prozent glauben, dass die Anwendungen signifikante Risiken bergen, die bislang noch nicht ausreichend erforscht sind (2020: 47,9 %). 37,3 Prozent halten die Apps für eine Verschwendung von Geldern der Solidargemeinschaft. Das sind drei Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Auch der Anteil der Ärzte und Psychotherapeuten, die die Apps vor allem für „eine technische Spielerei ohne wirklichen medizinischen Nutzen“ halten, ist mit 28,7 Prozent höher als noch 2020 (28,3 %). 8,9 Prozent halten sie sogar für „eine Bedrohung“.

Apps mit Tagebuchfunktion am sinnvollsten

Ernüchterung spiegelt sich auch bei der Frage nach sinnvollen Einsatzgebieten für die Apps und der Einschätzung ihrer Wirksamkeit wider. Hier haben die DiGA offenbar viele Erwartungen und Hoffnungen im praktischen Einsatz nicht erfüllt. So haben 2020 noch 86,2 Prozent der Ärzte Apps mit Tagebuchfunktion für wirksam erachtet. Der Anteil ist auf 82,7 Prozent gefallen. Auch Apps zur Ernährungsberatung haben an Akzeptanz eingebüßt (von 83,2 auf 77,3 %). Ebenso wie DiGA zur Aufzeichnung von Vitalparametern (von 83,9 auf 76,7 %) und Verhaltenskontrolle, beispielsweise des Blutdrucks oder für Sportberatungen oder Sportanleitungen (von 81,9 auf 76,7 %). Die meisten kritischen Stimmen erhalten die Anwendungsgebiete Depression und Sucht. Insgesamt ist der Anteil der Ärzte, die Apps für unwirksam oder gar kontraproduktiv halten, aber deutlich niedriger als der der Befürworter.

Die komplette Studie und ihre Ergebnisse können Sie hier abrufen.
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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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