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Gynäkologie
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Während sich die Erde langfristig auf eine Erwärmung von zwei bis drei Grad zubewegt, zeigen aktuelle Wetterdaten aus Deutschland bereits einen deutlichen Temperaturanstieg mit häufigeren und intensiveren Hitzeperioden. Der Klimawandel entwickelt sich damit auch in der Perinatalmedizin zunehmend zu einem relevanten Risikofaktor. 

Prof. Ekkehard Schleußner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ), leitete dieses Thema auf dem FOKO mit den Wetteraufzeichnungen seiner Heimatstadt Jena ein, die in den vergangenen fünf Jahren einen deutlichen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur belegen. Diese Verschärfung und Beschleunigung des Klimawandels sei eine große Bedrohung für die Gesundheit vulnerabler Gruppen, schlussfolgerte Schleußner. Schwangere seien von den Folgen besonders betroffen – hohe Temperaturen könnten das Risiko für Frühgeburten, Wachstumsrestriktionen und perinatale Komplikationen signifikant erhöhen.

Hitzewellen erhöhen Frühgeburtenrisiko signifikant

Aktuelle Studien und Daten aus Thüringen und Hamburg belegen: Hitzewellen von mehreren Tagen, insbesondere mit nächtlichen Temperaturen über 20 °C („tropische Nächte“), führen zu einem Anstieg der Frühgeburtenrate. Besonders betroffen sind Schwangerschaften im zweiten und dritten Trimester, wobei ein Zusammenhang mit Wachstumsrestriktionen und Fruchttod nachgewiesen wurde. Auch einzelne Hitzetage können klinisch relevant sein. Studien zeigen, dass extreme Hitze kurzfristig das Risiko für vorzeitige Wehen und Frühgeburt erhöht. 

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Frühgeburt, Wachstumsrestriktion, Totgeburt: Was Studien belegen

Eine amerikanische Metaanalyse zu den Auswirkungen von Hitze und Feinstaubbelastung auf den Schwangerschaftsverlauf beschreibt eine Zunahme von Frühgeburten um etwa 15 Prozent, vom geringerem Geburtsgewicht um etwa 30 Prozent und einen Anstieg von Totgeburten um bis zu 14,5 Prozent.

Schwangere in der Hitze: So beraten und unterstützen Gynäkologinnen und Gynäkologen

Für die gynäkologische Praxis bedeutet dies, hitzeempfindliche und vorerkrankte Patientinnen gezielt zu identifizieren und frühzeitig zu beraten. Dazu gehören Empfehlungen zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr, zum Meiden körperlicher Belastung an heißen Tagen und zum Erkennen von Warnsignalen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Kontraktionen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, in Hitzeperioden frühere oder engmaschigere Kontrollen anzubieten und das subjektive Hitzeempfinden der Patientinnen ernst zu nehmen. 

Klimafreundliche Praxis: Konkrete Maßnahmen für den Praxisalltag

Neben der medizinischen Betreuung kann jede Praxis einen Beitrag leisten, um langfristig klimabedingte Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Klimaneutrale oder klimafreundliche Praxismaßnahmen sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern stärken auch die gesundheitspolitische Vorbildfunktion moderner Praxen. Dazu kann beispielsweise der Umstieg auf Ökostrom zählen oder der bewusste Umgang mit Ressourcen im Praxisalltag. Digitale Formulare reduzieren den Papierverbrauch, und intelligente Recyclingkonzepte senken den ökologischen Fußabdruck weiter.

Auch die Mobilität spielt eine Rolle: Jobtickets für Mitarbeitende können Emissionen reduzieren. Schleußner schlägt vor, Patientinnen Fahrradstellplätze anzubieten und darauf hinzuweisen, wie sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Praxis kommen. Seit den Corona-Einschränkungen führe er außerdem Beratungen oder Befundbesprechungen vielfach per Videosprechstunde durch und hätte damit gute Erfahrungen gemacht.

KLUG-Netzwerk: Gynäkologie und Planetary Health gemeinsam denken

Die AG Gynäkologie in der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) widmet sich dem Thema Geburtshilfe im Kontext von Planetary Health: www.klimawandel-gesundheit.de

Quelle:

Vortrag zum 3. Hauptthema „Geburtshilfe“ auf dem FOKO am 06. März 2026

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