Infektionen und Klimawandel: Neue Risiken für Patienten
Marcus SefrinKlimabedingt nehmen Tropen- und anderen Infektionskrankheiten zu. Die Verbreitungsgebiete von Dengue-Fieber und Malaria sowie Infektionen durch Vibrionen wie Vibrio cholerae dehnen sich aus und machen Schutzmaßnahmen noch wichtiger.
Sich verändernde Umweltbedingungen beeinflussen die Übertragung von Krankheiten, die über Wasser, Luft, Nahrungsmittel, den Boden und über Krankheitserreger (Vektoren) auf den Menschen übergehen. Der 2025er Lancet-Countdown betrachtet dazu sechs Indikatoren, die Veränderungen bei Dengue-Fieber, Malaria, Westnil-Virus-Fieber, Leishmaniose, Zeckenerkrankungen und Vibrionen-Infektionen erfassen.
Tigermücke und Gelbfiebermücke breiten sich aus
Anhand von Modellen errechneten die Forscher zum Beispiel, dass die Reproduktionszahl von Dengue-Viren durch die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) zwischen den Zeiträumen von 1951 bis 1960 und von 2015 bis 2024 um 48,5 Prozent und durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) um 11,6 Prozent gestiegen ist.
Ähnliche Trends fanden sich auch für die Übertragung des Zika-Virus durch Aedes aegypti (11,7 %) und von Chikungunya-Erregern durch Aedes albopictus (48,5 %). Das tatsächlich beobachtete Infektionsgeschehen bestätigt diese Modelle: 7,6 Millionen Dengue-Fieber-Infektionen wurden zwischen Januar und April 2024 an die WHO gemeldet, dreimal so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. 16.000 der Fälle wurden als schwer eingestuft, mehr als 3.000 Patienten verstarben. Welche Regionen geeignete Bedingungen für Aedes-Mücken bieten, war nicht Gegenstand des Berichts. „Wir beobachten jedoch seit Jahren, dass Infektionen mit Chikungunya-, Dengue- und West-Nil-Viren zunehmend auch im Süden Europas auftreten und sich kontinuierlich weiter Richtung Norden bewegen“, berichtete Prof. Tomas Jelinek vom CRM Centrum für Reisemedizin.
Malaria erreicht neue Höhenlagen
In den Gebieten, die sich klimatisch für die Übertragung von Malaria durch Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax eignen, fand der Report nur ein Zuwachs um jeweils rund zwei Prozent zwischen den 1950er-Jahren und den letzten zehn Jahren. Der Indikator, der die Länge der Übertragungssaison modelliert, zeigte dabei unterschiedliche Trends: In tropischen Regionen nahm sie ab, während in gemäßigten Regionen ein Anstieg verzeichnet wurde Deutlich stärker war der Anstieg mit 13 bis 14 Prozent in den Höhenlagen oberhalb von 1.500 Metern, die früher als weitgehend malariafrei galten.
Vibrionen Infektionen an deutschen Küsten nehmen zu
Die Zahl der Küstenkilometer weltweit, die geeignete Bedingungen für die in küstennahem Salzwasser vorkommenden Vibrionen bieten, ist nach dem Lancet-Bericht zwischen 2023 und 2024 um 3,2 Prozent auf knapp 91.200 Kilometer gewachsen. Gegenüber dem Durchschnitt der 1990er-Jahre betrug der Anstieg 36 Prozent. Die Anzahl der Vibrionen-Infektionen wurde im Jahr 2024 auf über 722.000 geschätzt, beides Höchstwerte. Auch an der Ostsee kommt es immer wieder zu teils schweren Vibrionen-Infektionen.
Patienten auf Gefahren bei der Urlaubsplanung hinweisen
Das RKI warnt, dass sich die Risikoperiode für Vibrionen-Infektionen durch den Klimawandel mehr in die Zeit nach den Sommerferien ausdehnen könnte. Dies ist die Zeit, in der eher ältere Personen mit einem höheren Risiko für schwere Verläufe an den deutschen Küsten Urlaub machen.
Romanello M et al. Lancet 2025;doi.org/10.1016/S0140-6736(25)01919-1