Fatigue bei krebskranken Kindern: Neue Therapiebausteine
Dr. Dagmar van ThielKinderonkologen deckten Zusammenhänge zwischen Fatigue, Krebskrankheiten und Therapien auf, die für die Behandlung nutzbar sein können. Auch Krafttraining verspricht im Versorgungskonzept günstige Effekte.
Personalisierte Therapieansätze bei Fatigue im Kindesalter
Dem schwierig fassbaren Phänomen der Fatigue bei Patienten mit Krebserkrankungen haben sich Forscher der Kinderonkologie an der Medizinischen Universität Innsbruck gewidmet. Um Prädiktoren für die schwere Müdigkeit zu identifizieren, haben sie anhand einer fünfjährigen Kohortenstudie den Verlauf der krebsbedingten Müdigkeit bei Kindern und Jugendlichen während einer Krebsbehandlung ermittelt. Das Ziel war es, aus den Erkenntnissen personalisierte, unterstützende Maßnahmen zu entwickeln.
Wie sich Fatigue im Verlauf einer Krebserkrankung verändert
Der Studienleiter Prof. Roman Crazzolara erklärte in einer Pressemitteilung der Universität: „Wir konnten erstmals detailliert beschreiben, wie sich Fatigue im Verlauf der Krebserkrankung und unter Chemo- beziehungsweise Immuntherapie verändert. Unsere Ergebnisse sollen helfen, krankheits- und therapiebedingte Belastungsspitzen besser zu erkennen und gezielt zu behandeln.“
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Als bevorzugte Quelle auswählenKohortenstudie zur krebsbedingten Müdigkeit bei Kindern und Jugendlichen
In dieser prospektiven ePROtect-Studie wurden zwischen Mai 2020 und Dezember 2024 an der Medizinischen Universität Innsbruck 104 pädiatrische Krebspatienten (Alter: bis 18 Jahre) aufgenommen, die eine Chemotherapie erhielten. Täglich wurden über die ePROtect-App Symptombeschreibungen erfasst, die von den Patienten oder Beobachtern übermittelt wurden. Die Fatigue wurde auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet, wobei niedrigere Werte eine stärkere Belastung anzeigten. Die Patienten wurden von der Diagnose bis zum Ende der intensiven Therapie begleitet und die Verläufe der krebsbedingten Fatigue über Diagnosegruppen und Behandlungsphasen hinweg unter Verwendung validierter statistischer Modelle analysiert.
Fatigue-Intensität variiert je nach Krebsdiagnose deutlich
Insgesamt wurden 11.602 tägliche Bewertungen der krebsbedingten Müdigkeit durchgeführt, wobei die mediane Abschlussrate bei 56,1 Prozent lag. Die stärkste Müdigkeit bei der Diagnose wurde bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom (Median: 54,2; Interquartilsabstand [IQR]: 25,0, 75,0) und akuter myeloischer Leukämie (Median: 56,2; IQR: 33,3, 66,7) registriert; sie lag am niedrigsten bei Patienten mit Tumoren des Zentralnervensystems (Median: 91,7; IQR: 75,0, 100).
Einfluss von Glukokortikoiden und Immuntherapie auf Fatigue bei Krebs
Starke Müdigkeit war mit einer Glukokortikoid-Exposition assoziiert, insbesondere bei Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie während steroidintensiver Phasen. Demgegenüber wurde unter Immuntherapie, etwa Antikörpertherapie, eine signifikante Verbesserung der krebsbedingten Müdigkeit gesehen. Insgesamt wurden je nach Diagnose und Behandlungsprotokoll unterschiedliche Müdigkeitsmuster beobachtet. Zudem stellte sich heraus, dass die krebsbedingte Müdigkeit während der ambulanten Behandlung minimal ausgeprägt war, sich jedoch bei ungeplanten stationären Aufenthalten verschlechterte.
Krafttraining bei Fatigue: Bewegungsprogramme als neuer Therapiebaustein
In einem Pilotprojekt wurden auf Basis der gesammelten Daten Kinder in Phasen mit deutlich ansteigender Fatigue durch gezieltes körperliches Training wie Kraftübungen physisch und psychisch gestärkt. Nach Abschluss der Pilotstudie ist zeitnah eine klinische Interventionsstudie geplant, um die Tauglichkeit strukturierter Bewegungs- und Kraftprogramme wissenschaftlich zu prüfen.
Quellen:Pressmitteilung der Universitätsklinik Innsbruck: uniklinik-innsbruck.at
Tilg A et al. eClinicalMedicine 2025;90:103607