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Immobilien

Dass die Kapitalmärkte keine Einbahnstraße sind, hat die Ausbreitung des Corona-Virus uns deutlich vor Augen geführt. Nach dem über zehn Jahre anhaltenden Aufschwung an den Aktienmärkten kam es dort zuletzt zu einem drastischen Einbruch. „Und ich gehe davon aus, dass sich die Folgen der Pandemie auch auf den Immobiliensektor auswirken werden“, so Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung.

Zwar hat der Preisauftrieb am Immobilienmarkt laut dem Februar-Bericht der Bundesbank schon im vergangenen Jahr etwas nachgelassen. Dennoch haben sich die Preise für Betongold in Deutschland seit 2008 fast verdoppelt. In den deutschen Großstädten lag das Plus sogar noch darüber. „Durch die Krise dürfte sich der Markt jetzt aber beruhigen“, sagt Köbler.

Nachfrageseite bricht ein

Das Problem sieht Rainer Laborenz von der azemos Vermögensmanagement GmbH insbesondere auf der Nachfrageseite. „Aufgrund der massiven wirtschaftlichen Unsicherheit und weil viele Menschen jetzt vermutlich um ihren Arbeitsplatz bangen, werden sich potenzielle Käufer erst einmal zurückhalten“, meint er

Können nun also Immobilienanleger, die ihre Finanzierung bereits in der Tasche haben und sich wegen der immer weiter steigenden Preise in den vergangenen Jahren nicht in den Markt wagten, jetzt auf eine Chance hoffen? „Vereinzelte Schnäppchen mag es in nächster Zeit zwar geben“, meint Köbler, „dass es bei Wohnimmobilien zu erheblichen Preisrücksetzern kommt, glaube ich aber nicht.“

Wertverluste sind unwahrscheinlich

Rainer Laborenz beurteilt das ähnlich. „Vor allem bei Immobilien in besten Lagen sollten Anleger keine deutlichen Wertverluste erwarten“, sagt er. Möglichen Handlungsbedarf sieht er aber bei jenen Investoren, die bereits eine vermietete Immobilie in ihrem Portfolio haben. „Zwar sollte niemand die Erwartung sinkender Preise zum Anlass nehmen, um jetzt panikartig zu verkaufen“, so der Experte. „Aber es ist eine gute Gelegenheit, seine Investments zu überdenken.“

So stellt er immer wieder fest, dass vielen Vermietern der Aufwand dafür zu groß geworden ist. „Denken Sie nur an die energetischen Vorschriften, aber auch mangelnde Zahlungsmoral bei Mietern“, sagt Laborenz. Dazu kommt, dass bei vielen Anlegern die Immobilie 90 oder 95 Prozent des Portfolios ausmacht. Das kann ein erhebliches Klumpenrisiko in der Vermögensstruktur bedeuten. Das gilt gerade für jene Investoren, die ein Gewerbeobjekt vermietet haben. „Dort erwarte ich eigentlich die größte Auswirkungen der Krise, weil es in diesem Bereich jetzt bereits zu Mietausfällen kommt“, warnt Köbler.

Jetzt Gewinne realisieren

Rainer Laborenz rät seinen Kunden schon seit vergangenem Jahr, auch mal Gewinne aus den Preissteigerungen bei Immobilien zu realisieren. „Sie müssen nämlich auch bedenken, dass der Staat in der Vergangenheit in Krisenzeiten zum Beispiel über höhere Abgaben oftmals besonders auf Immobilieneigentümer zugegriffen hat“, so der Experte weiter. „Auch wenn die Nachfrage unter der aktuellen Situation leidet, sollten sich Immobilienbesitzer, wenn dies wieder möglich ist, schon über einen Verkauf Gedanken machen.“ Hält sich der Preisrückgang insgesamt in Grenzen, so wie es die Experten erwarten, dann könnte dies in der Tat eine gute Gelegenheit sein, das eigene Portfolio besser auszubalancieren.

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(Gerd Hübner)