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Finanzen

Herr Eberhardt, viele Anleger glauben, dass sie ihre Geldanlage problemlos in die eigene Hand nehmen können. Wie sehen Sie das aus der Sicht eines unabhängigen Vermögensprofis, der beim diesjährigen Capital-Contest für die Vermögensverwalter in Deutschland einen Spitzenplatz belegt hat?

Foto: V-Bank

Stefan Eberhardt: Die Wissenschaft hat gezeigt, dass Privatanleger, die in Aktien- oder Rentenfonds investieren, in aller Regel deutlich schlechtere Ergebnisse erzielen als der jeweilige Aktien- oder Rentenindex. Insofern halte ich diesen Glauben für problematisch.

Können Sie das konkreter erläutern?

Eberhardt: Untersuchungen aus den USA, in denen bekanntlich viele Bürger am Aktienmarkt anlegen, was für Repräsentativität sorgt, zeigen: Die Käufer von Aktienfonds haben von 1993 bis 2022 im Durchschnitt eine Rendite von jährlich 6,81 Prozent erzielt. Der S&P 500, der die 500 größten Aktien des Landes abbildet, hat indes eine jährliche Rendite von 9,65 Prozent gebracht. Eine sehr ähnliche Erkenntnis ergibt sich auch aus anderen 30-Jahres-Intervallen.

Knapp sieben Prozent – das klingt doch gar nicht so schlecht gegenüber gut neun Prozent…

Eberhardt: Nur wenn man übersieht, dass es durch den unterschiedlichen Zinseszins zu einem sehr unterschiedlichen Wachstum des Anlagebetrages kommt. 100.000 Dollar bzw. Euro ergeben bei einer jährlichen Rendite von 9,65 Prozent über 30 Jahre ein Vermögen von fast 1,6 Millionen. Bei jährlich 6,81 Prozent wächst es nur auf rund 720.000 Dollar bzw. Euro an.

Sprich: Das Kaufen und (Durch)Halten eines Indexfonds hat also fast 1,5 Millionen Dollar gebracht …

Eberhardt: Genau. Während der durchschnittliche Käufer eines Aktienfonds wegen häufigen Handelns und wegen der vermutlich hohen Gebühren vieler Aktienfonds sich mit einem Zuwachs von 600.000 Dollar begnügen musste.

Warum kommt es zu diesem häufigen Handel, der letzten Endes das Vermögen schmälert?

Eberhardt: Die meisten Privatanleger glauben irrigerweise, die Entwicklung an der Börse ließe sich voraussehen. Deswegen hören sie zu sehr auf (Finanz)Medien oder selbst ernannte Experten und lassen sich von diesen stark beeinflussen.

Was sind die Konsequenzen?

Eberhardt: Ihre Käufe und Verkäufe erfolgen oft zu schlechten Zeitpunkten. Privatanleger steigen nach einem Abschwung meist recht spät ein und verpassen so ein Gutteil des Aufschwungs. Fällt die Börse, warten sie lange ab – in der Hoffnung, es werde schon nicht so schlimm werden – und verkaufen nicht selten zermürbt nahe am Tiefpunkt.

Was raten Sie ihnen?

Eberhardt: Privatanleger sollten sich weder im Aufschwung noch im Abschwung auf ihr Bauchgefühl oder die Medien verlassen. Beides schadet dem Vermögen erheblich. Entweder man hat tatsächlich einen tragfähigen Plan für die eigene Geldanlage – oder man wendet sich an unabhängige Vermögensprofis.

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Autor: Jürgen Lutz