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Krankenkassen lehnen 48 Prozent der Anträge auf Psychotherapie in Privatpraxen ab

von Marzena Sicking

Frau bei Psychotherapie
Foto: zinkevych - stock.adobe.com

2021 lehnten die gesetzlichen Krankenkassen im Schnitt 48 Prozent der Anträge auf Kostenerstattung für eine Psychotherapie in einer Privatpraxis ab. Die betroffenen Patienten hatten sich zuvor vergeblich um eine Therapie in einer Kassenpraxis bemüht.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), in der 503 Privatpraxen befragt wurden. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit der Beratungserfahrung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Die Zahl der Ablehnungen steigt demnach seit 2019 an.

Auch bei den gegen die Ablehnung eingelegten Widersprüchen gibt es eine hohe Ablehnungsquote. 29,8 % werden zurückgewiesen. Begründet wird die Ablehnung der Kostenerstattung meist mit dem Hinweis auf Terminservicestellen, Psychiatrie oder digitale Gesundheitsanwendungen. Einige Kassen behaupten , dass genug Vertragspsychotherapeuten vorhanden seien oder dass die Kostenerstattung gesetzlich nicht erlaubt sei.

Müssen Gesetzliche Krankenkassen auch Kosten für Psychotherapie in einer Privatpraxis bezahlen?

Gesetzliche Krankenkassen müssen ihren Versicherten die Kosten für einen Psychotherapieplatz in einer Privatpraxis erstatten, wenn die Versicherten dringend eine ambulante Therapie benötigen und die Krankenkasse die Leistung nicht rechtzeitig erbringen kann. Dieser Kostenerstattungsanspruch ist gesetzlich verankert.

Unter welchen Voraussetzungen wird die private Psychotherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt?

Die Versicherten müssen den dringenden Bedarf für eine Therapie und die vergebliche Suche nach einem Platz in einer Vertragspraxis der Krankenkasse nachweisen. In welchem Umfang Suchaktivitäten erforderlich und zumutbar sind, ist jedoch nicht gesetzlich festgelegt. Wichtig ist zudem die Qualifikation des Therapeuten: Dieser muss die Voraussetzungen zur Eintragung ins Arztregister erfüllen.

Wer hat Anspruch auf eine ambulante Therapie?

Für eine Langzeit-Psychotherapie („Richtlinienpsychotherapie“) müssen Versicherte zunächst in einer psychotherapeutischen Sprechstunde feststellen lassen, ob und wie sie psychotherapeutisch behandelt werden müssen. Sofern sie nicht akut behandlungsbedürftig sind, wird dann über mehrere sogenannte probatorischen Sitzungen ermittelt, ob der Betroffene und der Therapeut zusammenarbeiten können. Erst im Anschluss daran wird eine ambulante Therapie seitens des Therapeuten beantragt.

Oft haben die Therapeuten dann aber gar keine Kapazitäten für mehrmonatige wöchentliche Richtlinientherapie und Betroffene finden trotz intensiver Suche keinen Platz bei einem anderen Therapeuten mit Kassenzulassung.

Keine Verbesserung durch Terminservice- und Versorgungsgesetz

Die 2019 durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) geschaffenen Terminservicestellen vermitteln Patienten auch ohne Überweisung Termine für eine psychotherapeutische Sprechstunde. Wenn der Therapeut in einer solchen Sprechstunde einen Bedarf feststellt, werden auch Termine für eine psychotherapeutische Akutbehandlung oder eine probatorische Sitzung vermittelt. Bei diesen Leistungen handelt es sich aber nicht um die in der
Regel eigentlich erforderliche Richtlinienpsychotherapie.

Appell an Politik und Kassen

„Ratsuchende berichten uns, dass ihre Krankenkassen Anträge auf Kostenerstattung für Therapien bei privaten Therapeuten ablehnen und zur Begründung insbesondere auf die Terminservicestellen verweisen“, sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der UPD. „Diese können und dürfen den Betroffenen aber keine dauerhaften Therapieplätze vermitteln und sind somit gar nicht in der Lage, das Problem zu lösen. Aus unserer Sicht ist es daher höchste Zeit, dass die Krankenkassen ihre gesetzliche Pflicht zur Kostenerstattung konsequent umsetzen. Bei falsch begründeten, abgelehnten Anträgen sollte es zu Sanktionen kommen.

Heike Morris, juristische Leiterin der UPD. Thorben Krumwiede ergänzt: „Wer eine Psychotherapie benötigt, steht ohnehin unter einem hohen Leidensdruck. Dieser hat sich gerade in Zeiten der Corona-Pandemie noch verstärkt. Betroffene sind in dieser Situation auf schnelle Hilfe angewiesen.“ Die UPD appelliere daher an Politik, Kassen und Selbstverwaltung, zügig wirksame Lösungen zu finden, um den gesetzlichen Anspruch zur Richtlinientherapie sicherstellen.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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