Ärztliche Praxen: Einnahmen wachsen wieder stärker als die Kosten
Marzena SickingDas Statistische Bundesamt (Destatis) hat neue Kennzahlen zur wirtschaftlichen Lage von Arzt-, Zahnarzt- und psychotherapeutischen Praxen veröffentlicht – und sendet positive Signale: Die Einnahmen der Praxen wachsen demzufolge endlich wieder stärker als ihre Kosten.
Arztpraxen: Deutliches Ertragswachstum in 2004
Die Zahlen beziehen sich allerdings nicht auf das laufende Jahr, sondern auf 2024 - aktuellere Ergebnisse liegen nicht vor. Dennoch verspricht die Auswertung eine Entspannung der wirtschaftlichen Lage der Arztpraxen in Deutschland: Sie erzielten laut Destatis 2024 durchschnittliche Einnahmen von 854.000 Euro pro Praxis – das ist ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2023: 804.000 Euro). Parallel stiegen die durchschnittlichen Aufwendungen um 4,7 Prozent auf 516.000 Euro je Praxis (2023: 493.000 Euro).
Die Zahlen bedeuten eine Vergrößerung der Gewinnspanne: Der durchschnittliche Reinertrag kletterte um 9,0 Prozent auf 338.000 Euro pro Praxis, während er 2023 noch bei 310.000 Euro lag. Also eine 9-Prozent-Steigerung des Reinertrags bei nur 4,7 Prozent Aufwendungszuwachs.
Allerdings lohnt sich hier auch ein Blick auf die Medianwerte: Hier zeigt sich die große Spreizung des Praxensektors. Die Hälfte aller Arztpraxen verzeichnet demnach Einnahmen von maximal 502.000 Euro und Reinerträge von höchstens 232.000 Euro. Das verdeutlicht, dass die Durchschnittswerte stark von wirtschaftlich erfolgreichen Großpraxen geprägt sind. Kleine Hausarztpraxen sind von der positiven Entwicklung somit nur leicht oder gar nicht betroffen.
Mit durchschnittlich 9,9 beschäftigten Personen pro Praxis bleibt die Personalintensität in Deutschlands Arztpraxen im Vergleich zum Vorjahr stabil.
Zahnarztpraxen: Solide Entwicklung
Auch Zahnarztpraxen können sich über eine positive Bilanz freuen. Sie erzielen durchschnittliche Einnahmen von 937.000 Euro und liegen damit sogar über dem Niveau der Arztpraxen. Mit einem Einnahmenplus von 4,8 Prozent (2023: 894.000 Euro) wachsen die Umsätze zugleich etwas moderater als bei Arztpraxen – dennoch übertreffen sie auch hier die Kostensteigerung von 3,6 Prozent.
Der durchschnittliche Reinertrag betrug 305.000 Euro – ein Plus von 7,4 Prozent. Der Median lag jedoch nur bei 217.000 Euro, was bedeutet: Auch im Dentalbereich treiben vor allem einige erfolgreiche Großpraxen den Durchschnittswert nach oben. Im Schnitt beschäftigen Zahnarztpraxen 10,2 Personen.
Psychotherapie unter Druck
Ein weniger positives Bild zeigt sich bei psychotherapeutischen Praxen. Diese kleineren Einheiten (durchschnittlich 1,9 tätige Personen) erzielen Einnahmen von 134.000 Euro im Durchschnitt – ein Plus von 10,7 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick gut, ist es auf den zweiten aber leider nicht: Die Kosten der psychotherapeutischen Praxen schnellten im gleiechen Zeitraum um 22,9 Prozent in die Höhe (2023: 35.000 Euro) und belasteten damit die Rentabilität erheblich. Der Reinertrag stieg damit auch nur um 4,7 Prozent auf 90.000 Euro, Mit einem Median-Reinertrag von 83.000 Euro liegen sie in absoluten Zahlen deutlich unter Arzt- und Zahnarztpraxen – bei allerdings auch deutlich geringerem Einsatz von Personal und Infrastruktur.
Was bedeutet das?
Die Daten zeigen einen differenzierten Befund: Während klassische Arzt- und Zahnarztpraxen von gestiegenen Honorierungen profitieren und ihre Kostendisziplin bewahren können, geraten psychotherapeutische Praxen unter Druck. Die üblicherweise bekannten Kostenfaktoren – Praxisübernahmen, Sozialversicherungsbeiträge oder Fortbildungsaufwendungen – schlagen hier möglicherweise stärker zu Buche.
Methodischer Hinweis
Die Angaben beruhen auf der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes, einer repräsentativen Stichprobenerhebung bei höchstens 7 Prozent aller Praxen. Die Daten werden auf die Gesamtheit hochgerechnet und beziehen sich auf „Rechtliche Einheiten" – also kleinste rechtlich selbstständige Einheiten, die Bücher führen.