Autophagie in BAP1-defizienten Tumoren als Ziel: Vielversprechender Therapieansatz
Marzena SickingForscher der Universität Duisburg-Essen haben eine vielversprechende Kombinationstherapie für schwer behandelbare Krebsarten wie Aderhautmelanom und Nierenkrebs entdeckt.
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen haben einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von Tumoren mit BAP1-Mutationen erzielt. Die in der Fachzeitschrift „Autophagy“ veröffentlichte Studie zeigt erstmals, wie eine gezielte Kombinationstherapie die Schwachstellen dieser besonders aggressiven Krebsformen ausnutzen kann.
Was sind BAP1-Mutationen und warum sind sie so gefährlich?
BAP1 (BRCA1-Associated Protein 1) ist ein wichtiges Tumorsuppressorgen, dessen Mutationen mit verschiedenen aggressiven Krebsarten in Verbindung stehen. Besonders betroffen sind:
Aderhautmelanom (Augenkrebs)
Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom)
Mesotheliom
Hautmelanom
Diese Tumoren gelten als besonders schwer behandelbar und haben oft eine schlechte Prognose.
Der neue Therapieansatz: Autophagie als Angriffspunkt
Wie funktioniert der Mechanismus?
Dr. Samuel Peña-Llopis und Dr. Silvia Vega-Rubin-de-Celis von der UDE entdeckten, dass BAP1-Mutationen zwei kritische zelluläre Prozesse beeinflussen. Zum einen aktivieren sie das Protoonkogen SRC, ein Protein, das Tumorwachstum fördern kann. Zum anderen stören sie die Autophagie, den natürlichen Selbstreinigungsprozess der Zellen.
Die Kombinationstherapie im Detail
Die Forscher entwickelten eine innovative Zweifach-Strategie mit SRC-Inhibitoren wie Dasatinib und Saracatinib sowie Autophagie-fördernden Wirkstoffen wie Tat-BECN1 und SW076956. Diese Kombination greift gezielt die durch BAP1-Mutationen verursachten Schwachstellen an.
Vielversprechende Laborergebnisse
Die Kombinationstherapie zeigte in präklinischen Studien beeindruckende Ergebnisse mit synergistischen Effekten in Laborversuchen und erfolgreichen Tests in Tumororganoiden, organähnlichen Tumormodellen von Patienten. Besonders wirksam erwies sich die Therapie bei BAP1-Verlust.
Personalisierte Medizin im Fokus
„Unsere Ergebnisse deuten auf einen neuen personalisierten Ansatz zur Behandlung von BAP1-defizienten Tumoren hin“, erklärt Dr. Samuel Peña-Llopis, Koordinator des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Translationalen Onkologie-Konsortiums „Innovative Therapien für BAP1-mutierte Neoplasien“. Die Medikamentenkombination wurde bereits patentiert (WO2025056601), und klinische Studien sind in Planung. Weitere Forschung zur Optimierung der Therapie läuft parallel.
Die Studie wurde durch mehrere renommierte Institutionen gefördert, darunter das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), das EU-Forschungsprogramm „Horizont 2020“ mit den Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Deutsche Krebshilfe, der Infrastrukturfonds der Internen Forschungsförderung Essen (IFORES) sowie das Josepha-und-Charlotte-von-Siebold-Habilitandinnen-Förderprogramm der UDE.
Hoffnung für schwer behandelbare Krebsarten
Diese Entdeckung könnte besonders für Patienten mit Aderhautmelanom, einer seltenen aber aggressiven Augenkrebs-Form, fortgeschrittenem Nierenkrebs mit BAP1-Mutationen und anderen BAP1-assoziierten Tumoren neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Die Forscher arbeiten nun daran, die Therapie für klinische Studien zu optimieren und den Weg für eine mögliche Zulassung zu ebnen. Der personalisierte Ansatz könnte die Behandlung von BAP1-assoziierten Tumoren grundlegend verändern.
Quelle:Die Originalveröffentlichung „Autophagy suppression via SRC induction represents a therapeutic vulnerability for BAP1-mutant cancers“ ist in der Fachzeitschrift „Autophagy“ erschienen.