Mehr Bürokratie, weniger Zeit für Patienten: Studie zeigt wachsende Belastung
Marzena SickingDer Dokumentations- und Verwaltungsaufwand in Praxen und Kliniken bleibt hoch – mit spürbaren Folgen für den ärztlichen Alltag. Eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Heidi zeigt, wie stark administrative Aufgaben die medizinische Tätigkeit einschränken, Zeit für Patientengespräche verringern und die Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz prägen.
Die Studie macht vor allem deutlich, wie tief Bürokratie inzwischen in den Versorgungsalltag eingreift. Ein Drittel der Beschäftigten im Gesundheitswesen verbringt demnach mehr als 40 Prozent der Arbeitszeit mit Verwaltung. Unter Ärztinnen und Ärzten sagen sogar 76 Prozent, dass administrative Aufgaben ihre medizinische Tätigkeit einschränken.
Damit wird ein Problem sichtbar, das in vielen Praxen und Einrichtungen seit langem bekannt ist: Zeit, die für Dokumentation, Arztbriefe und organisatorische Abläufe aufgewendet werden muss, fehlt an anderer Stelle, nämlich in der direkten Patientenversorgung.
Weniger Gesprächszeit wirkt sich auf das Vertrauen aus
Die Folgen bleiben auch auf Patientenseite nicht ohne Wirkung. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung haben laut Studie den Eindruck, dass Ärztinnen und Ärzte nicht ausreichend Zeit für persönliche Gespräche haben. Bei 58 Prozent hat dieser Zeitmangel auch ein sinkendeS Vertrauen in das Gesundheitssystem zur Folge.
Aus Sicht der Versorgung ist das mehr als ein Kommunikationsproblem. Wenn ärztliche Zeit zunehmend durch formale Anforderungen gebunden wird, wächst nicht nur der organisatorische Druck, sondern auch die Distanz zwischen Versorgungserwartung und Versorgungsrealität.
KI wird als Entlastung gewünscht – aber nicht als Eingriff in Entscheidungen
Eine Entbürokratisierung ist leider nicht in Sicht, eine steigende Digitalisierung und der Einsatz neuer Technik soll helfen. Tatsächlich zeigen sich die befragten Mediziner trotz der hohen Belastung gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz aber weiterhin eher zurückhaltend. 27 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bewerten den Einsatz von KI in ihrem Arbeitsalltag sogar als Risiko, 36 Prozent äußern sich neutral.
Zugleich wird deutlich, an welchen Stellen die Entlastung besonders benötigt wird: 67 Prozent wünschen Unterstützung bei Dokumentation und Arztbriefen, 63 Prozent bei administrativen Aufgaben und 55 Prozent bei der Strukturierung medizinischer Informationen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass KI dort auf Zustimmung stößt, wo sie Arbeitsabläufe vereinfacht, ohne in die ärztliche Entscheidungshoheit einzugreifen.Für die Praxis dürfte somit entscheidend sein, wie klar der Einsatz von KI abgegrenzt wird. Nicht die Technologie als solche steht im Mittelpunkt der Skepsis, sondern die Frage, welche Rolle sie im medizinischen Alltag tatsächlich übernehmen soll.