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Langjährige Partnerschaften sind die Regel

Wer an den Arztberuf denkt, denkt meist an lange Arbeitstage, volle Wartezimmer, große Verantwortung und noch mehr Stress. Dass darunter auch das Privatleben leiden kann, überrascht kaum. Umso bemerkenswerter ist ein Ergebnis einer aktuellen Medscape-Umfrage unter rund 1.000 Ärztinnen und Ärzten: Die überwiegende Mehrheit der befragten Mediziner lebt in einer festen und oft schon sehr langjährigen Partnerschaft.

85 Prozent der Befragten gaben demnach an, in einer festen Beziehung zu leben. Mehr als die Hälfte der vergebenen Ärztinnen und Ärzte ist sogar seit mehr als 21 Jahren mit demselben Partner oder derselben Partnerin zusammen. Bei den über 45-Jährigen Medizinern dominieren damit die langjährigen Beziehungen.

Wenn der Beruf mit am Esstisch sitzt

Die Stabilität vieler Partnerschaften bedeutet allerdings nicht, dass der Berufsalltag der Ärztinnen und Ärzte spurlos an ihnen vorübergeht. Im Gegenteil: Viele Befragte berichten, dass Arbeitszeiten, Schichtdienste und die hohe emotionale Belastung ihre Beziehungen regelmäßig auf die Probe stellen.

37 Prozent der Teilnehmer sagen, ihre Arbeit stehe der Beziehung häufig oder sogar immer im Weg. Weitere 37 Prozent erleben dies zumindest gelegentlich. Besonders jüngere Ärztinnen und Ärzte unter 45 Jahren berichten von großen Schwierigkeiten, Beruf und Partnerschaft miteinander zu vereinbaren.

Hier zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den ärztlichen Tätigkeitsfeldern: Beschäftigte im Krankenhaus fühlen sich häufiger entsprechend belastet als ihre Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Bereich.

Partner werden meist im echten Leben gefunden

Wer vermutet, dass aufgrund des Zeitmangels die sogenannten Dating-Apps die Partnersuche bei Ärztinnen und Ärzten dominieren, liegt nur teilweise richtig. Am häufigsten lernen die Befragten ihre Partner über gemeinsame Freunde kennen. Fast ebenso oft entsteht die Beziehung im beruflichen Umfeld. Knapp vier von zehn Ärztinnen und Ärzte haben ihre heutige Partnerin oder ihren heutigen Partner bei der Arbeit kennengelernt.

Scheidung gehört auch für Ärzte zur Lebensrealität

Trennungen gibt es natürlich trotzdem. 27 Prozent der Befragten berichten, schon mindestens einmal geschieden worden zu sein. Männer nennen dies etwas häufiger als Frauen. Bei den über 45-Jährigen liegt der Anteil der Geschiedenen deutlich höher als bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen.

Verglichen mit der allgemeinen Scheidungsquote in Deutschland von rund 37 Prozent fällt dieser Wert vergleichsweise niedrig aus. Damit zählen Ärzte eher zu einer Berufsgruppe mit sehr stabilen Partnerschaften und sind trotz der hohen beruflichen Belastung keinesfalls besonders scheidungsanfällig.

Unter den geschiedenen Ärzten sehen einige dennoch einen Zusammenhang zwischen ihrer Scheidung und der beruflichen Tätigkeit. Als Belastungsfaktoren werden vor allem Nachtdienste, lange Arbeitszeiten und chronische Erschöpfung genannt.

Der Partner als wichtigster Stresspuffer

Die Umfrage zeigt auch, welche Rolle Partnerschaften für die Bewältigung des Berufsalltags spielen. Mehr als sieben von zehn Befragten geben an, regelmäßig mit ihrem Partner über beruflichen Stress zu sprechen und dort Rückhalt zu finden. Viele Teilnehmer berichten zudem von ähnlichen Wertvorstellungen und politischen Einstellungen innerhalb ihrer Beziehung. Für zahlreiche Ärztinnen und Ärzte scheint die Partnerschaft damit nicht nur privater Rückzugsort, sondern auch wichtiges Ventil für die Belastungen des Berufsalltags zu sein.

Affären bleiben ein sensibles Thema

Nach Affären gefragt, sehen 45 Prozent der Befragten einen Zusammenhang zwischen dem beruflichen Umfeld und der Wahrscheinlichkeit von Seitensprüngen. Als mögliche Ursachen nennen Teilnehmer unter anderem die enge Zusammenarbeit im Team, gemeinsame Dienste und die hohe emotionale Intensität des Arbeitsalltags.

35 Prozent geben an, im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit bereits eine Affäre gehabt zu haben. Gleichzeitig geht die Mehrheit davon aus, dass Beziehungen oder sexuelle Kontakte am Arbeitsplatz unter Ärzten nicht häufiger vorkommen als in anderen Branchen.

Quelle:

Medscape Deutschland, „Report: Das Liebesleben von Ärztinnen und Ärzten“, Juni 2026.