RKI dokumentiert etwa 5.100 hitzebedingte Todesfälle im Juni 2026
Marzena SickingDie Hitzeperiode Ende Juni 2026 hat in Deutschland außergewöhnliche Ausmaße angenommen und zu dramatischen Folgen für die Bevölkerung geführt. Wie eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt, betrug die bundesweite Wochenmitteltemperatur vom 22.–28. Juni im Durchschnitt 26,4°C – ein Wert, der in dieser Höhe und Intensität für Deutschland beispiellos ist.
Massive Übersterblichkeit durch Hitzeexposition
Das RKI-Hitzemodell geht für den Zeitraum der Kalenderwochen 15 bis 26 von insgesamt 5.100 hitzebedingten Sterbefällen aus (95%-Prädiktionsintervall: 4.410–5.850). Damit liegt die Hitzeperiode 2026 über dem Durchschnitt der Jahre 2022–2025 (2.600–4.900 Fälle), bleibt aber knapp unter den Rekordwerten von 2018 und 2019 (8.400 bzw. 6.900 Fälle). Das Statistische Bundesamt meldet für Woche 26 sogar eine Übersterblichkeit von geschätzt 6.800 Fällen, was darauf hindeutet, dass die tatsächliche Belastung durch Hitzeexposition größer sein könnte als vom RKI-Modell erfasst.
Rettungsdienste an der Belastungsgrenze: Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen
Wie dramatisch sich die Hitzewelle auf die Notfallversorgung auswirkte, zeigt ein Fallbeispiel aus Nordrhein-Westfalen. Am Wochenende des 26.–28. Juni, als der Deutsche Wetterdienst in NRW tagsübe Temperaturen von bis zu 40,2 Grad gemessen hatte, gab es im Vergleich zu einem normalen Samstag landesweit fast 5.000 zusätzliche Rettungswagen-Einsätze.
Das Gesundheitsministerium NRW dokumentierte hierbei regional stark unterschiedliche Steigerungen: Im Regierungsbezirk Köln verdoppelte sich die Anzahl der Rettungswagen-Einsätze (107 % Anstieg), während der Regierungsbezirk Detmold „nur“ einen Anstieg von 24 % verzeichnete. Bei Notarzt-Einsatzfahrzeugen lag das Mehraufkommen zwischen 13 und 109 Prozent.
Parallel zu dieser operativen Belastung schätzt das RKI für Nordrhein-Westfalen allein 1.230 hitzebedingte Todesfälle bis Ende Juni – mehr als im gesamten Jahr 2025 (310 Fälle). Aus anderen Bundesländern liegen vergleichbare Daten derzeit noch nicht vor. Man darf dennoch davon ausgehen, dass ähnliche Belastungen auch in anderen Regionen mit hohen Temperaturen auftraten.
Ältere Menschen sind überproportional betroffen
Die bundesweiten Daten zeigen zudem ein klares Muster: Etwa 83 % aller Todesfälle entfallen auf die Altersgruppe 75+ Jahre. Besonders kritisch ist die Gruppe der über 85-Jährigen mit geschätzten 2.950 Todesfällen (91,3 pro 100.000 Einwohner).
Die detaillierte Verteilung:
85+ Jahre: 2.950 Fälle
75–84 Jahre: 1.320 Fälle
65–74 Jahre: 550 Fälle
unter 65 Jahre: 300 Fälle
Während absolut gesehen mehr Frauen von hitzebedingten Todesfällen betroffen sind, erklärt sich diese Auffälligkeit in erster Linie durch den höheren Frauenanteil in älteren Altersgruppen. Geschlechtsspezifisch ist die Sterberate bei Männern ab 75 Jahren leicht erhöht.
Warum Hitze als Todesursache oft unsichtbar bleibt
Ein wichtiger Aspekt für die klinische Praxis: Hitze wird auf dem Totenschein in der Regel nicht als primäre Todesursache eingetragen. In den meisten Fällen ist es die Kombination aus Hitzeexposition und Vorerkrankungen – insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, respiratorische Erkrankungen, Nierenerkrankungen und neurologische Erkrankungen wie Demenz – die zum Todeseintritt führt. Dies erklärt, warum statistische Methoden zur Schätzung hitzebedingter Mortalität notwendig sind.
Schwellenwert überschritten
Was sich anhand der Statistiken aber klar erkennen lässt: Ein Schwellenwert von 20°C Wochenmitteltemperatur markiert den Punkt, ab dem ein signifikanter Anstieg der Sterblichkeit messbar wird. In Woche 26 wurde dieser Wert bundesweit deutlich überschritten; in 16 von 16 Bundesländern lag die mittlere Temperatur über 20°C.
Monitoring läuft weiter
Das RKI wird seinen Wochenbericht zur Hitzemortalität während des gesamten Sommers 2026 (Juni bis September) aktualisieren. Die Daten können auf der Homepage des RKI eingesehen werden.