Wirtschaftsnachrichten für Ärzte | ARZT & WIRTSCHAFT
Praxis

Seit dem 18. März ist das neue Organspende-Register beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte freigeschaltet. Es dient als elektronisches Verzeichnis, in dem jeder seine Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende festhalten kann – freiwillig und kostenlos. Der Eintrag kann somit jederzeit geändert oder widerrufen werden.

Das Onlineregister ergänzt den bisherigen Organspendeausweis, der den Spenderwillen der betreffenden Person zusätzlich festhält. Es wurde im Zuge des 2022 in Kraft getretenen Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende eingerichtet.

So viele Menschen haben vergangenes Jahr Organe gespendet

Die größte Hoffnung des neuen Verzeichnisses: Dass sich mehr Menschen aktiv für eine Organspende registrieren.

Zwar zeigt der Trend 2023 im Vergleich zum Vorjahr wieder nach oben (965 Menschen haben ein oder mehrere Organe gespendet, 2022 waren es 869). Deutschland ist im internationalen Vergleich laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation aber immer noch Schlusslicht bei der Organspende.

Nach wie vor gibt es deutlich mehr Menschen, die auf ein Organ warten, als solche, die bereit sind zu spenden. Knapp 8.400 Menschen stehen auf der Warteliste für eine Transplantation.

Wie Hausärzte zur Organspende beraten können

Aus diesem Grund nehmen Hausärzte und Hausärztinnen eine wichtige Rolle ein, indem sie ihre Patienten über die Organspende beraten und aufklären. Dazu gibt es inzwischen auch genaue Vorgaben des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM).

Die Aufklärung zur Organspende ist seit dem 1. März 2022 Teil des EBM-Katalogs: Niedergelassene können dieses Aufklärungsgespräch damit nach dem Transplantationsgesetz alle zwei Jahre pro Patient abrechnen.    

Die Beratung sollte immer ergebnisoffen stattfinden. Patienten zu einer Organspende zu drängen, ist tabu. Denn viele kommen auch mit Sorgen oder Unsicherheiten zu dieser Thematik in die Praxis, zum Beispiel wenn sie im Hinblick auf Patientenverfügungen eine Beratung wünschen.

Viel wichtiger ist es, das Für und Wider einer Organspende zu betonen und den Betreffenden dabei zu helfen, ihre persönliche Entscheidung zu treffen. Auch Infobroschüren am Praxistresen sind nützlich, um Patienten einen ersten Einblick zu geben.

So können sich Mediziner zur Organspende informieren

Haben Ärztinnen und Ärzte selbst Informationsbedarf zur Organspende, können sie sich über eine entsprechende Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weiterbilden. Der Internetauftritt bietet unter anderem eine eigene Seite, die sich speziell an Hausärzte richtet.

Sie erhalten rechtliches Hintergrundwissen, können an E-Learning-Angeboten teilnehmen und einen Erfahrungsbericht eines Niedergelassenen nachlesen. Über die Seite können Praxisinhaber außerdem Informationsmaterial bestellen oder ausdrucken.