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Präsenz oder Online? Die Vor- und Nachteile bei Schulungen und Kongressen

von Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher

Mann nimmt an Webinar teil
Foto: bnenin – stock.adobe.com

Die Digitalisierung und Corona haben Kongresse, Tagungen und Seminare revolutioniert. Traf man sich früher am liebsten vor Ort, finden viele Veranstaltungen heute auch online statt. Doch welche Form ist die bessere?

Online-Veranstaltungen haben viele Vorteile, das hat sich gerade auch in Corona-Zeiten bewiesen. Denn für das Treffen in der digitalen Welt müssen Ärzte und Ärztinnen keine Reisen unternehmen, theoretisch müssen sie nicht einmal ihre Praxis verlassen. Man spart zudem noch Reisekosten und Zeit. Für den Besuch von Seminaren, Tagungen und Kongressen muss man heutzutage also deutlich weniger Aufwand betreiben. Viele Online-Veranstaltungen werden zudem aufgezeichnet, sodass man sich die Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt noch mal ansehen und sie ggf. auch dem Praxisteam zur Verfügung stellen kann.

Ohne Vorbereitung geht es nicht

Doch auch Webinare und Online-Kongresse erfordern Vorbereitung. Hat man früher seinen Koffer gepackt, muss man sich heute rechtzeitig mit der Software bzw. der Online-Plattform vertraut machen. Die Technik, aber auch das online-gerechte Verhalten während der Veranstaltung dürfen nicht unterschätzt werden.

Seminare am Bildschirm verlangen eine besondere Konzentration. Sitzt man nicht live mit anderen Teilnehmern in einem Raum, lässt man sich aber leicht ablenken oder ist gar versucht, nebenbei zu arbeiten. Da die räumliche Beschränkung eines Seminarraums entfällt und große Teilnehmerzahlen möglich sind, gehen individuelle Fragen auch eher unter.

Treten Arzt oder Ärztin gar selbst als Referenten auf, müssen sie sich noch stärker umstellen. Sie müssen nicht nur mit der Technik klarkommen, sondern auch damit, dass sie maximal kleine Bildausschnitte von den Teilnehmern sehen und dadurch deutlich weniger direktes Feedback bekommen als in einem Präsenzseminar.

Warum Präsenzseminare weiterhin gefragt sind

Das persönliche Treffen kann nicht so einfach ersetzt werden. Das zeigt auch die Tatsache, dass die Nachfrage nach Präsenztrainings derzeit auch wieder steigt. Die Nähe, die „Tuchfühlung“ zu anderen Teilnehmern wird doch geschätzt und beeinflusst das Seminarklima positiv. Auch die Pausengespräche untereinander und das „Get-together“ nach der Veranstaltung sind für viele Teilnehmer wichtig. Präsenzseminare dienen zudem oftmals auch einem willkommenen Tapetenwechsel. Diese besondere Seminaratmosphäre lässt sich nicht digital umsetzen.

Online oder Präsenz: Das Pro und Contra im Überblick

Pro: Einsparung von Reise- und Übernachtungskosten, geringerer Zeitaufwand
Contra: gringe Möglichkeit für einen Erfahrungsaustausch mit der Gruppe

Pro: freie Wahl des „Veranstaltungsortes“ und häufig auch zeitliche Unabhängigkeit durch Aufzeichnung
Contra: leichte Ablenkungen durch Telefon und sonstige Störungen

Pro: in der Regel günstigere Teilnahmegebühren als beim Präsenzseminar
Contra: ohne gute IT (Laptop, Kamera, Mikrofon) geht es nicht = mit Kosten verbunden

Pro: keine Störung im Seminar durch andere Teilnehmer
Contra: Face-to-Face-Kontakte zur Gruppe fehlen

Trifft man sich nur noch im Netz?

Nein, sicherlich nicht. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Eine Veranstaltung kann man mit einem Konzertbesuch vergleichen: zu Hause am Bildschirm oder live vor Ort? Tagungen, Symposien, Kongresse oder Seminare werden nicht nur digital stattfinden. Die Reise zur Veranstaltung ist nicht nur eine Kostenaufwand, sondern auch ein sinnvoller „Tapetenwechsel“, der für die Wissensaufnahme förderlich ist. Aber das Web als neue Form, Kenntnisse in Online-Veranstaltungen zu erwerben, ist eine echte Alternative in der medizinischen Weiterbildung.

Seminarplanung – Wissen to go

Falls Sie sich noch nicht entschieden haben, welche Seminarform für Sie und Ihre Mitarbeiter die richtige ist, dann denken Sie daran: Weiterbildung muss stattfinden, bevor sich Wissensdefizite bemerkbar machen. Bildung misst sich an der Zukunft, nicht an der Gegenwart. Die Überlegung lautet: „Welche zukünftigen Fortbildungsinhalte sind für meine Kompetenz und die des Teams wichtig?“ Und welche Seminarform ist zweckmäßig? Seminarbesuche verlangen eine ausgeprägte Lernbereitschaft und den nötigen Veränderungswillen, besonders bei Medizinern ü-50.

 

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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