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Welche Risiken die Inflation für Ihre Praxis birgt und was Sie jetzt dagegen tun können

von A&W Online

Arzt hört Geldbündel mit Stetoskop ab
Foto: Andrey - stock.adobe.com

Wie stark sind Sie von der Inflation betroffen? Die meisten Ärzte spüren die Folgen der Inflation im Privatleben kaum. Doch die aktuelle Situation bringt immense Risiken für die Zukunft Ihrer Praxis mit sich. Welche das sind und was Sie jetzt dagegen tun können, möchte Praxisberater Wolfgang Apel* Ihnen in diesem Beitrag vorstellen.

Mitarbeiter unterstützen

Für Ihre Mitarbeiter sieht die Welt ganz anders aus: Für sie haben die steigenden Lebensmittel- und Benzinpreise sowie Heizkosten große Auswirkungen. Viele von ihnen werden mittlerweile in den letzten Tagen des Monats feststellen, dass im Portemonnaie Ebbe herrscht. Erreichen Ihre Mitarbeiter diesen Punkt in Zukunft öfter, und das werden sie unausweichlich, so werden sie sich die Frage stellen, wie sie ihre Situation positiv verändern können.

An dieser Stelle wird die Inflation zum unmittelbaren Risiko für Ihre Arztpraxis: Denn Ihre Mitarbeiter haben nun nur zwei Möglichkeiten. Entweder müssen sie Sie nach mehr Geld fragen, was vielen unangenehm ist. Oder sie schauen sich nach einem neuen Job um. Diesen werden sie in der Regel problemlos finden, denn es gibt ausreichend Praxen, die verzweifelt nach Mitarbeitern suchen und bereit sind, ihr aktuelles Gehalt zu toppen – unabhängig davon, wie viel Sie Ihren Mitarbeitern gerade bezahlen. Darüber hinaus sind Krankenhäuser und Pflegedienstleister mittlerweile eine attraktive Option.

Warten Sie nicht ab, sondern gehen Sie jetzt proaktiv auf Ihre Mitarbeiter zu. Geben Sie ihnen zu verstehen, dass Ihnen die Auswirkungen der Inflation auf ihr Leben bewusst sind und dass Sie Lösungen anbieten wollen. Allein durch diesen Schritt erzeugen Sie viel Sympathie.

Das Gehalt der Praxismitarbeiter erhöhen

Die einzig hilfreiche Lösung, die Sie Ihren Mitarbeitern anbieten können, ist eine Gehaltserhöhung. Diese darf gerne etwas großzügiger ausfallen als die aktuelle Inflationsrate. Denn Ihre Mitarbeiter erleben einen gefühlt viel höheren Preisanstieg, was an der Gewichtung der Produkte im Warenkorb des Verbraucherpreisindexes liegt.

Zudem rate ich Ihnen davon ab, einfach eine feste Summe auf das monatliche Gehalt zu addieren. Koppeln Sie das Extra-Geld stattdessen an einen leistungsabhängigen Bonus. Das motiviert nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern trägt auch zum wirtschaftlichen Erfolg Ihrer Praxis bei. Das ist ein entscheidender Faktor, denn die steigenden Personalkosten müssen an anderer Stelle wieder kompensiert werden.

Steigende Praxiskosten zu erwarten

Tatsächlich stehen Sie neben höheren Personalkosten noch vor einer anderen Herausforderung: Die bereits erwähnte Inflationsrate bezieht sich auf den privaten Haushalt. Sie basiert auf einem Warenkorb bestehend aus Dingen des täglichen Bedarfs von Fernseher und Handy über Nahrungsmittel bis hin zur Miete. Anhand dieses Warenkorbs wird der Verbraucherpreisindex berechnet.

Für Sie als Praxisinhaber ist jedoch der Großhandelspreisindex relevant: Dieser bildet neben Nahrungsmitteln vor allem Dinge ab, die für Unternehmen relevant sind. Dazu zählen beispielsweise Metalle, Rohstoffe, chemische Erzeugnisse und Vorprodukte. Somit die Grundlagen für viele Artikel, die Sie in Ihrer Praxis einsetzen. Der Großhandelspreisindex liegt aktuell bei 22,9 % ! Sie können sich also vorstellen, was Sie in den nächsten Monaten bei den Einkaufspreisen für Produkte und Verbrauchsmaterialien erwartet.

Hinzu kommen die Praxismieten: Da bei Gewerbeflächen in aller Regel indexierte Mietverträge abgeschlossen werden, bedeutet das, dass die Praxismiete analog zur Preissteigerung steigen wird.

Mitarbeitermangel verschärft sich

Ein dritter Punkt darf nicht vernachlässigt werden, der im ersten Moment gar nicht zu diesem Thema zu passen scheint. In den nächsten acht Jahren werden 30 % aller MFAs altersbedingt in den Ruhestand gehen, was bedeutet, dass bis 2030 sukzessive immer weniger Personal zur Verfügung stehen wird. Der Kampf um die verbleibenden Arbeitskräfte wird dementsprechend noch härter und mit dem ansteigenden Lohnniveau steigt die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter.

Sie müssen heute also nicht nur etwas dafür tun, dass Sie Ihre guten Mitarbeiter nicht durch die Inflation verlieren, sondern auch dafür, dass Ihr Team optimal zusammengestellt ist. Und zwar so, dass sowohl Sie mit allen wirklich zufrieden sind, als auch Ihre Mitarbeiter tagtäglich gerne in Ihre Praxis kommen. Denn in nur wenigen Jahren wird es sehr viel schwieriger und deutlich teurer, jemanden für Ihre Praxis zu gewinnen.

Dieser eher langfristige Punkt, der nicht konkret etwas mit der Inflation zu tun hat, ist relevant, weil wir ganz unausweichlich auf eine Frage zusteuern: Wie sollen die steigenden Personal- und Praxiskosten bei stagnierenden Vergütungen gestemmt werden?

So können Sie die Einnahmen in der Praxis steigern

Die einzig mögliche Antwort ist, dass Sie die Einnahmen Ihres Unternehmens Arztpraxis steigern. Wir führen beispielsweise Praxis-Potentialanalysen durch, mit deren Ergebnissen Praxisinhaber ihre Einnahmen in aller Regel um mindestens 20 % erhöht haben. Eine solche Umsatzsteigerung gleicht die angesprochenen Kosten Ihrer Praxis im Normalfall mehr als aus.

Im Kern geht es bei der Frage nach mehr Einnahmen im ersten Schritt darum, die Positionen mit der größten Hebelwirkung auf die Wirtschaftlichkeit Ihrer Praxis nochmal kritisch zu überprüfen. Die meisten dieser Bereiche kennen Sie sicherlich, doch haben sich in der Vergangenheit, nicht gezielt mit ihnen auseinandergesetzt, da es einfach nicht zwingend notwendig war. Nun ist aber der Zeitpunkt, an dem Sie es unbedingt tun sollten!

Hebel für mehr Wirtschaftlichkeit

Ein erster wichtiger Bereich sind die Effizienz Ihrer Mitarbeiter und die Struktur von Prozessen und Abläufen in Ihrer Praxis. Oftmals ist es nämlich gar nicht so, dass eine Praxis zu wenige Mitarbeiter hat, sondern dass die vorhandenen schlichtweg nicht optimal arbeiten. Eine Hospitation kann hier ermitteln, wie das gesamte Team effizienter zusammenarbeiten kann.

Betrachten Sie darüber hinaus die Selbstzahlerleistungen, denn diese sind erfahrungsgemäß in den meisten Praxen nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Mit dem richtigen Konzept und der richtigen Kommunikation erreichen Sie eine signifikante Nachfragesteigerung: Unabhängig von der Fachrichtung kaufen Patienten am Ende nur das, was sie verstehen und worin sie einen Vorteil für sich erkennen. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter darin, Aufklärung und Patienteninformation zu betreiben und die Aufmerksamkeit auf diese Angebote zu lenken.

Zuletzt spielen die Privatpatienten, beziehungsweise der Zufluss neuer Privatpatienten, bei der Optimierung der Einnahmesituation eine wichtige Rolle. Überlegen Sie sich, welche Wunschpatienten Sie gerne vermehrt in Ihrer Praxis sehen würden und wie Sie diese erreichen.

*Über den Autor: Wolfgang Apel ist Betriebswirt und seit 17 Jahren als Praxisberater tätig. Er veröffentlicht regelmäßig den Podcast „Unternehmen Arztpraxis“. Gemeinsam mit dem Team der MediKom Consulting GmbH unterstützt er Arztpraxen aller Fachrichtungen, die mehr erreichen wollen: mehr Lebensqualität, mehr Wirtschaftlichkeit und mehr Zufriedenheit.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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